Alltagsgedanken #8

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Da bin ich also, in Madrid.

Wieder unterwegs, wieder ein neues Ziel, wieder ein neues Bett. Nur eine Sache ist anders: Diesmal bin ich mit meinem Liebsten unterwegs, statt mit meiner Fotografin.
 
Vielleicht bringt es mich näher zu der Lösung, nach der ich mich so lange sehne: die perfekte Work-Life Balance. Ich bin ihr auf jeden Fall näher. Dieses Jahr, so viel weiß ich, war ich häufiger glücklich, als die letzten Jahre zusammengerechnet, denn ich habe endlich wieder im Augenblick gelebt.
 
Ich habe meine Zwänge und meine Zukunftsängste abgeschüttelt und sie sind von mir gefallen, wie schwere Fesseln. Dabei habe alleine ich daran festgehalten. Ich musste einfach nur loslassen. Die ganze Zeit war ich meine Schlüsselmeisterin und Gefangene zugleich in meinem eigenen Gefängnis. Jetzt bin ich frei, also fast.
Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, so habe ich ganz schön an Tempo zugelegt. Ich weiss, für euch Blogleser ist das nicht so ersichtlich, weil weniger Blogbeiträge online gehen, aber ehrlich gesagt ist das auf herkömmliche Art für mich auch nicht mehr zu packen. Kein Wunder also, dass ich mich schon lange nach einem neuen, effizienteren System sehe. Das wird auch kommen, bald denke ich mal.
 
Viele haben keine Vorstellungen wie es manchmal hinter den Kulissen zugeht: Instagram, Stories, Podcast, Youtube und Events fressen viel Zeit. Doch vor allem viel Kraft. Ich habe manchmal das Gefühl in einem Hamsterrad zu stecken und pausenlos zu rennen. Doch anders als früher gibt es jetzt häufiger Momente, in denen ich mich entscheide auszusteigen. Das Rad zu verlassen, zu ruhen und zu rasten. Diese Work-Life-Balance für mich zu finden, häufiger Nein zu sagen, kostet mich eben manchmal doch Überwindung.
 
Doch vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen, die ich dieses Jahr lernen muss.

Getraut:
Ich habe einen neuen Feed auf Instagram, ich liebe es – und ihr scheinbar auch!
Zum allerersten Mal macht mir Instagram richtig Spaß und ich habe das Gefühl es spiegelt mich viel besser wieder. Ich habe endlich, nach 7 Jahren, meine Sprache gefunden. Tatsächlich hat mich nicht erst kürzlich die Muse geküsst, denn wie ihr mittlerweile wisst macht mir das Erstellen digitaler Layouts enorm viel Spaß, sondern Frustration war der Auslöser. Ich persönlich finde, und versteht das jetzt nicht falsch oder selbstverliebt, dass ich viel mehr Follower verdient hätte. Doch das Engagement sah das scheinbar anders. Ich befolgte alle klassischen Instagram-Regeln und wuchs trotzdem nur sehr sehr langsam. Dann, in Griechenland, beschloss ich drauf zu … pfeifen. Es sollte mir von nun an egal sein, ob Menschen meine Bilder liken oder nicht.
 
Ich wollte nicht mehr nach den Regeln spielen, also tat ich im Endeffekt alles, wovon man mir früher abriet: zu wenig und zu professionelle Bilder und dazwischen Bilder, die kein Mensch versteht. Es war mir egal. Es ist schließlich mein Profil und wenn ich nicht Mainstream bin, dann ist es so. Aber dann bin ich wenigstens ich selbst. Ich bin mir treu.
 
Und siehe da: es scheint euch zu gefallen. Zwar ist das Engagement kaum besser geworden, ich wachse immer noch sehr lang und ich erscheine nach wie vor nie im ‚Discover‘, aber hey, dafür bin ich frei. Und eure Kommentare bestätigen nur das, was ich eigentlich eh schon die ganze Zeit wusste: wenn man sich selbst treu bleibt, dann wird es auch immer Menschen geben, die das wertzuschätzen wissen. Danke!

Gelesen:
Die drei Sonnen von Liu Cixin
Ich liebe es durch spannende Bücher auch ein Stück Geschichte aufzusaugen. Wenn sie dann auch noch so traurig schön sind wie das die Trisolaris Trilogie, dann bin ich verliebt.

Gespendet:
„Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.“, sagte mein Freund, als ich ihn über den neusten Klatsch und Tratsch in der Blogosphäre informierte.
 
„Das macht doch gar keinen Sinn!
Bist du sicher, dass die Info so stimmt?
Vielleicht verwechselst du da was?
Warum sollte man Dinge als Werbung markieren, die man sich selbst gekauft hat?“

 
Ich weiss, das klingt lächerlich.
Sollte Werbung nicht als solche markiert werden, wenn ein Partner dafür bezahlt hat?
Ist nicht die Nennung von Marken eher redaktioneller Natur?
Und warum gilt diese Regel nicht für Promis und Sportler?
 
Genau das hat sich auch meine Kollegin Vreni Frost gedacht und beschloss nach einer Abmahnung dagegen vorzugehen. Doch was uns, den Digital Natives so logisch erscheint, sehen die Gerichte scheinbar anders. Egal ob bezahlt oder nicht – Markennennung ist Werbung. Selbst das „Paid content by XY“, das Tool von Instagram selbst scheint nicht zu gelten, denn das Wort „Werbung“ bzw. „Anzeige“ sind dort nicht klar definiert. Die Grenze zwischen Werbung und keine Werbung ist also sehr fließend. Um auf Nummer sicher zu gehen sollte man vorsichtshalber überall „Werbung“ dazuschreiben – egal welcher Natur die „Werbung“ nun sein mag. Dadurch ist zwar der ganze Sinn der Kennzeichnung gänzlich verfehlt, aber eben auch ein klares Zeichen dafür, dass die Menschen, die Gesetze machen, mit den neuen Entwicklungen nicht mehr mithalten können.
Doch obwohl Vreni nun ein einstweiliges Verfügungsverfahren bevorsteht (ausgerechnet gegen den VSW (Verband Sozialer Wettbewerb), zu denen einige wichtige Verlage gehören, die selbst gegen diese Regeln verstoßen), gibt sie nicht auf. Sie kämpft weiter, doch langsam wird das Geld knapp. Wie soll man auch finanziell gegen einen großen Verband bestehen? Es ist ein Kampf David gegen Goliath.
 
Liebe Vreni, ich ziehe meinen imaginären Hut vor dir!
Danke, dass du so viel Mut zeigst und ein Vorbild für uns alle bist, wegweisend und unerschrocken.
Du bist es, die für mehr Transparenz und klare Richtlinien kämpft, deswegen sollten wir uns Vreni anschließen und ihr helfen diesen Kampf nicht alleine auszufechten. Für ein faires und transparentes System.
Hier geht es zum Crowdfunding.

Gehört:



Gesprochen:
Auf der Cebit!
Ich durfte mal wieder (wenn auch nur kurz) auf der Bühne über mein Lieblingsthema sprechen: Social Media, meine Strategie und mein Werdegang. Was ich so erzählen hatte, findet ihr hier:

Favorite Sale Picks

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4 Kommentare


  1. Ich liebe deine sprachlichen Bilder manchmal so dermaßen! Deine eigene Schlüsselmeisterin und Gefangene… ein Aufleuchten im Textfluss!

    Der neue Instagram-Feed berührt total, sowohl in Einzelbildern, als auch im Gesamten – ich liebe ihn! Die Instagram-Regeln sind mir persönlich zum Glück so schnurz…
    Ich interagiere mit einigen wenigen auf Instagram sehr intensiv (sodass ich schon etwas Bedenken habe, sie könnten mich mit einer Teilzeit-Stalkerin verwechseln) und sehr extensiv, und bin immer wieder glücklich-erstaunt, wenn/dass Antwort zurückkommt: und nicht bloß ein Smiley, sondern ein ganzer Satz. Für echtes Engagement abseits vom Herzen ist das Smartphone, finde ich, aber auch ein unglückliches Medium, das Tippen nicht gerade sehr erleichtert… dann doch lieber Tastatur :D

    Antworten

    1. Hey Vivien-Noir,
      vielen Dank für Deine lieben Worte. Es freut mich sehr, wenn meine Ideen und Worte ankommen.

      <3<3<3
      Masha

      Antworten

  2. Hey liebe Masha,

    es ist toll zu hören, dass es dir gut geht! Ich nehme an, dass gerade diese Zeit mit deinem Freund dir gut tut :)

    Bezüglich diese Werbesache.. ich finde es auch sehr lächerlich, aber habe leider Angst vor so einer Abmahnung, daher kennzeichne ich alles. Aber weißt du, wie das mit den alten Beiträgen ist? Du hast ja auch so viele Bilder bei Instagram. Musst du jetzt bei 1990 anfangen und alles alte auch als Werbung kennzeichnen?

    Liebe Grüße
    Katja

    http://www.cestlevi.blog | Follow me on Instagram

    Antworten

  3. Herrlich wieder ein Update von Dir zu lesen! Auch über den Newsletter habe ich mich sehr gefreut! Gerne mehr, auch wenn es Zeit kostet ;P !

    Vielleicht bis nächste Woche zur Fashion Week? Bist du da?

    modische Grüße,

    Mister Matthew
    https://www.mister-matthew.de/

    Antworten
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