Falsche Vorsätze

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„Nächstes Jahr gebe ich dann richtig Vollgas!“
Mein Freund schaut mich an:
„Ja, und was hast du dieses Jahr dann getan?“
„Ja, auch?! Aber ich hätte vielleicht noch mehr schaffen können.“
„Klar, die Stunden, in denen man schläft, kann man sicherlich auch noch effizienter nutzen.
Vielleicht solltest du nachts Ratgeber hören, dann bekommt dein Gehirn die Informationen unterbewusst mit und du hast trotzdem was gelernt.
Dann wäre auch die Zeit gut genutzt“
Ich setze mein grüblerisches Gesicht auf..
„Das war ein Scherz.“

Fashion Editorial via blogger Masha Sedgwick | mood: foggy, moddy, dark woods, spooky, Halloween, festive, vintage | grey party dress via Designers Remix (sustainable) | Location: Beech Hill House Hotel in Northern Ireland (Londonderry) |  in the movement, running, fog
dress: Designers Remix
shoes: Chloe
necklace: Swarovski

Tatsächlich habe ich in meinem Kopf eine lange Liste an Projekten, die ich gerne im nächsten Jahr starten würde und Träume, die ich gerne verwirklichen würde. Diese Liste ist lang, sehr lang. Doch wie soll ich das jemals schaffen?
Wie soll ich all die Menge an Projekten in meinen Alltag unterbekommen – insbesondere diejenigen, die regelmäßig meine Aufmerksamkeit verlangen? Schon während ich darüber nachdenke, merke ich, dass der Tag vermutlich gar nicht genug Stunden hat, um meine Pläne in die Tat umzusetzen.

Kurz überlege ich wirklich in Zukunft am Schlaf zu sparen, aber das ist keine Option. Ich habe mir einfach zu viel vorgenommen. Mal wieder. Und so wie jedes Jahr frustriert mich die Erkenntnis, dass ich nur einen Bruchteil von dem geschafft habe, was ich mir eigentlich vorgenommen habe und spüre gleichzeitig einen Druck in mir, die verpassten Chancen aufholen zu wollen. Woher kommt dieser Druck?
Die Frage ist natürlich rhetorisch gemeint, denn die Antwort kenne ich längst: Er kommt aus mir selbst heraus.

Fashion Editorial via blogger Masha Sedgwick | mood: foggy, moddy, dark woods, spooky, Halloween, festive, vintage | grey party dress via Designers Remix (sustainable) | Location: Beech Hill House Hotel in Northern Ireland (Londonderry) |

Ich bin Meisterin des „sich-selbst-unter-Druck“-Setzens und so ist mir kaum ein Gefühl so vertraut, wie das des Versagens.

Was nämlich meine Arbeit angeht, bin ich oft nicht nett zu mir selbst. Ständig sehe ich die Fehler, finde meine Leistung nicht gut genug und finde ich könnte hier mehr machen und das besser machen. Hinzu kommt der selbst auferlegte Optimierungswahn und die ständigen Vergleiche, die ich zu Anderen ziehe und in denen ich schlecht abschneide. Stets ist alles, was ich tue schlichtweg nicht genug. Ich bin mir selbst oft nicht genug. Eine Perfektionistin, die nie wirklich am Ziel ankommt, obwohl sie sprintet. Doch wohin laufe ich eigentlich? Wie soll ich jemals ankommen, wenn das Ziel sich immer wieder nach hinten verschiebt?

Ich sage Dinge wie „Vergleich dich nicht!“, gebe gute Ratschläge für mehr Selbstliebe und schaffe es selbst nicht sie zu befolgen. Ich sage „Sei nicht so streng mit dir“ und „Du leistest Unglaubliches“ zu Anderen, bewundere die Arbeit, die Andere schaffen und respektiere ihre Leistungen. Zu mir selbst sage ich das nie. Ich bin meine eigene strengste Kritikerin, nie zufrieden mit mir selbst.

Warum habe ich es in der Zeit noch nicht geschafft mindestens ein Buch zu schreiben, ein Label zu führen, Menschen mit meinen Reden zu inspirieren und mich gleichzeitig ehrenamtlich zu engagieren, in meiner Freizeit (??) Bücher zu lesen und sportliche Höchstleistungen zu bringen? Warum sieht es bei Anderen so einfach aus wie sie mit all diesen Bällen jonglieren, während mir immer alles aus den Händen fällt?


Warum setze ich mich überhaupt so unter Druck? Weil ich nicht anders kann.

Dabei würde ich niemals so hohe Erwartungen an Andere stellen, wie ich an mich selbst stelle. Warum bin ich nicht einfach mal ein bisschen entspannter im Umgang mit mir selbst? Wäre ich nicht glücklicher und zufriedener, wenn ich den Anspruch an mich selbst nicht so hochschrauben würde?
Immerhin – das Problem ist erkannt und in den letzten Jahren ist es etwas besser geworden.
Ich habe gelernt Dinge einfach hinzunehmen und Gegebenheiten zu akzeptieren. Ich habe vor allem gelernt, dass der Job nicht alles ist und eine Balance gefunden bei der mein Privatleben wieder mehr im Fokus steht, weil meine Liebe zu meinem Partner stärker ist als meine Existenzangst. Und auch weil meine Liebe zu mir selbst mittlerweile größer ist, als die Angst zu versagen. Ich bin nicht mehr alleine mein Job.
Ich bin auch Partnerin, Freundin und Tochter.

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Im ganzen Instagram-Selbstoptimierungswahn vergesse ich manchmal mein Wohlbefinden in den Fokus zu stellen.
Was tut MIR gut?
Was macht MICH glücklich?
Und vor allem: Was ist das Ziel?

Ich gehe noch mal die Liste durch:
Was davon bringt mich in diesen Fragen weiter?
Ich streiche Punkte, füge Punkte hinzu und weiss eigentlich, dass dort immer noch zu viel drauf steht. Aber ich nähere mich, wenn auch sehr langsam, einer Art Balance und füge zu meinen Vorsätzen einen Weiteren hinzu:

Ich will mir weniger vornehmen und mehr passieren lassen.

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November 23, 2019

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11 Kommentare

  1. Es scheint irgendwie oft viel zu leicht sich selbst unter Druck zu setzen, sich selbst nicht genug zu sein. Gerade wenn man sich vergleicht. Man weiß genau das Vergleichen bringt nichts außer negative Gefühle, und doch macht man es immer wieder, wenn auch nur unterbewusst. „Der/die kann es doch auch, wieso schaffst du in der gleichen Zeit so viel weniger?“ Aber jeder hat ein anderes Tempo, andere Prioritäten und wir sollten uns manchmal (oder öfter) einfach die Zeit geben, die wir brauchen. Davon abgesehen machst du wirklich großartige Dinge!

    Liebe Grüße,
    Kim Caroline

  2. Wow, danke für so viel Ehrlichkeit und Direktheit. Ich kann mich einfach komplett in dem wiederfinden, was du schreibst. Es ist doch verrückt, wie man sich selbst so unter Druck setzt, während man anderen genau gegenteilige Ratschläge gibt. Aber Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt, und dass du es hier so geteilt hast, bedeutet ja, dass es im Kopf angekommen ist und man daran arbeiten kann, nicht mehr so ungerecht mit sich selbst zu sein.

    Liebe Grüße
    Tine

  3. Ich finde es super, dass du an dir und deinen Erwartungen an dich selbst arbeiten willst. Man setzt sich einfach viel zu oft selbst unter Druck und ist dann enttäuscht, wenn man nicht alles schafft, was man sich vorgenommen hat.

    Ich drücke dir die Daumen, dass du es nächstes Jahr schaffst, etwas „netter“ zu dir selbst zu sein <3

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    https://www.themarquisediamond.de/

  4. Masha❤️ Bitte höre niemals auf mit deinen Sonntagsposts…Völlig egal wie Menschen, Firmen oder dein Selbstzweifel darüber urteilen.
    Deine Worte sind authentisch, liebevoll, ehrlich und vor allem DU! Du inspirierest bereits viele Menschen, änderst ihre Denk- und Sichtweise auf das Leben und das ist MEHR ALS GUT GENUG! Du bist ein Geschenk an die Menschheit. Weiterhin ganz viel Liebe und positive Energie 🤗🙏🍀

    „Тише едешь – дальше будешь.“

    1. Danke liebe Julia <3
      Das ist unheimlich lieb von dir, irgendwie fällt es mir total schwer dieses wunderschöne Kompliment anzunehmen, weil ich mir das selbst nicht so zuschreiben kann, aber es ist ein wunderschönes Gefühl, dass Andere tatsächlich so denken <3

  5. Masha❤️ Bitte höre niemals auf mit deinen Sonntagsposts…Völlig egal wie Menschen, Firmen oder dein Selbstzweifel darüber urteilen.
    Deine Worte sind authentisch, liebevoll, ehrlich und vor allem DU! Du inspirierest bereits viele Menschen, änderst ihre Denk- und Sichtweise auf das Leben und das ist MEHR ALS GUT GENUG! Du bist ein Geschenk an die Menschheit. Weiterhin ganz viel Liebe und positive Energie 🤗🙏🍀

    „Тише едешь – дальше будешь.“

  6. und so ist mir kaum ein Gefühl so vertraut, wie das des Versagens…
    Liebe Masha, Du bekleidest mich jetzt schon einpaar Jahre durch mein Leben und ich bekleide Dich “ durch Deins „. Du sprichst von Versagen….in all den Jahren hast Du eine wundervolle Entwicklung genommen Du bist gewachsen, Du hast den Partner gefunden, der Dir die Kraft gibt Du selbst zu sein. Du hast daraus sehr viel Kraft geschöpft, die man anhand Deiner Post Deiner Bilder und dem was Du uns mitteilst wunderbar zu erkennen gibst. Du hast nicht versagt Du bist gewachsen, Du hast Hüllen abgestreift und hast immer mehr zur Dir selbst gefunden.
    Du hast den ULTIMATIVEN Erfolg verwirklicht ! Du bist heute mehr Du als Du jemals warst und als Du vielleicht jemals gedacht hast sein zu können.
    Du bist mehr Du selbst als je zuvor. Du bist auf Deinen Bildern schöner als je zuvor.
    Deine Post sind ehrlicher inspirierender als je zuvor.
    Lass los… der weltliche Erfolg, egal wie groß er auch sein mag….ist Nichts im vergleich zu dem den Du bist jetzt erlangt hast !
    Lehn Dich zurück….Du bist dem wirklichen Ziel näher als Du denkst !
    In liebe Fabian

  7. Wow Masha da hast du ein Thema angesprochen welches so viele an geht. So viele machen sich immer so ein Druck dabei sollte das eigentlich nicht so sein. In gewisser Weise setzten wir uns so unter Druck aber auch die Gesellschaft, denn nur weil jemand gerade ein Label gegründet hat oder irgendetwas anderes bedeutet das ja nicht das man selbst dort auch mit gehen muss.
    Ich selbst mache mir auch immer so viel Druck.
    Also bist du nicht allein 😊
    Du warst so mutig und hast es laut ausgesprochen.
    Wie heißt es doch so schön „Man muss das Kind beim Namen nennen“.
    Das hast du getan. Du kannst echt stolz auf dich sein.

    Liebe Grüße

    Laura