Feminismus: Aus Fehlern lernen

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In diesem Jahr sind es genau 100 Jahre Frauenrecht und Berlin belohnt dieses Jubiläum mit einem Feiertag. Doch ist es das wirklich?

Ist der 8. März wirklich ein Tag zum Feiern?

Viele stellen diesen Feiertag nicht zu Unrecht in Frage, denn was wir brauchen ist eine gleichberechtigte Gesellschaft und keinen weiteren Feiertag. Doch es ist mehr als ein arbeitsfreier Tag: es ist ein Symbol und ein Mahnmal.

Und wir sollten an diesem Tag ganz besonders unser Augenmerk auf die Gleichberechtigung setzen und die Öffentlichkeit für diese Themen sensibilisieren. Lasst uns diesen Tag nutzen, um uns zu fragen:

Warum leben wir noch in keiner gleichgestellten Gesellschaft?
Was sind die Herausforderungen von Frauen heutzutage und vor allem: wie können wir sie meistern?


Seit längerer Zeit beobachte ich die öffentlich geführte Feminismus Debatte und habe mir dieselben Fragen gestellt.
Grundsätzlich finde ich es gut, dass Frauen es geschafft haben so viel Aufmerksamkeit und Sensibilität für dieses Thema zu schaffen, auch wenn ich in vielen Punkten mit vielen Twitter-Feministinnen nicht übereinstimme, so habe ich größten Respekt für den Aufruhr, den sie in einzelnen Bereichen schaffen.
Trotzdem sehe ich viel Verbesserungspotenzial, wenn wir über unsere Rechte diskutieren und eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft anstreben.
Was wir in Zukunft besser machen könnten?
Ich hätte da einige Vorschläge.

bei den Photos habe ich mich vertrauensvoll in die Hände von Fee Gloria Groenemeyer begeben, die das Thema umgesetzt hat und alle Bilder analog geschossen hat.

Wir müssen raus aus der Opferrolle.

Wenn ich erfolgreiche Frauen in meinem Umfeld danach befrage, wie sie ihre Weiblichkeit in ihrem Job bewerten und ob sie ihr Geschlecht als Vorteil oder als Nachteil sehen, dann habe ich bisher noch nie (und ich habe wirklich viele gefragt!) die Antwort bekommen, ihre Weiblichkeit wäre ein Nachteil – im Gegenteil. Tatsächlich ist hier das Mindset entscheidend. Ich kenne keine einzige, wirklich erfolgreiche Frau, die sich selbst als Opfer der Umstände betrachtet. Tatsächlich kenne ich aber Menschen, Frauen wie Männer, die sich gelegentlich (unbewusst) in die Opferrolle begeben, um persönliches Versagen oder Fehler für sich zu rechtfertigen, nach dem Motto: „ich hatte von vornherein schlechtere Chancen und war benachteiligt.“ Sich selbst als Opfer der Umstände zu betrachten und dies als Entschuldigung zu benutzen, ist meiner Meinung nach einer der häufigsten Fehler, die in der Feminismus Debatte gemacht werden. Wenn man sich nämlich zum Opfer stilisiert, wird man es dadurch in Zukunft auch häufiger.

Doch bevor der Aufschrei jetzt groß ist: Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Frauen nicht auch tatsächlich zu Opfern werden oder im Berufsalltag nicht real diskriminiert werden, sondern nur, dass manche Frauen eine Situation unterschiedlich bewerten. Manche Menschen spornt es an, unterschätzt zu werden und sie zeigen dadurch außerordentliche Leistungen, um vom Gegenteil zu überzeugen. Andere wiederum lassen sich durch die Herausforderung entmutigen.
Es ist deswegen die persönliche Einstellung, die häufig über Erfolg oder eben Misserfolg entscheidet.

Wir müssen mehr zusammenhalten und dürfen uns nicht isolieren.

Woran liegt es eigentlich, dass Frauen beruflich deutlich weniger sichtbar sind, als Männer?
Einer der entscheidendsten Gründe ist das fehlende Netzwerk.

Dabei ist Zusammenhalt und Support häufig entscheidend, wenn es darum geht neue Führungspositionen zu besetzen, in denen wir Frauen unterrepräsentiert sind, weil solche Jobs meistens über Vitamin B vergeben werden. Bevor man jemand Externen einstellt, schaut man sich erstmal in seinem Netzwerk um, wer gut passen könnte und wem man vertraut, denn das ist die Grundlage für einen Job mit viel Verantwortung. Warum werden also so wenig Frauen vorgeschlagen? Scheinbar verstehen Männer es besser sich gegenseitig zu unterstützen und Allianzen zu bilden. Zwar gibt es immer mehr Netzwerk-Events, rein für Frauen, doch der eigentlich logische Schritt wäre raus in die Welt auf gemischte Events zu gehen. Gleichzeitig ist es auch wichtig, Männer zu den Frauen-Netzwerken einzuladen. Erst dann haben wir die Chance für die Führungsposition auch von einem Mann vorgeschlagen zu werden.

Wir müssen selbstbewusster auftreten

Frauen zweifeln häufiger an sich selbst und ihrer Arbeit. Das führt dazu, dass sie sich häufig unter-, statt überschätzen und das spiegelt sich auch bei der Gehaltsverhandlung wider. Vor allem treten sie zu unsicher auf, fordern viel zu wenig und geben zu schnell nach. Insbesondere bei Gehaltsverhandlungen gehen sie deswegen häufig als Verlierer aus der Runde – selbst, wenn sie anschließend mehr Gehalt bekommen, haben sich sich trotzdem unter Wert verkauft. Um also tatsächlich den gleichen Lohn wie der männliche Kollege zu bekommen, müssen wir ihn auch fordern, wenn es drauf ankommt und uns nicht mit halben Sachen zufrieden geben.

Wir müssen Gleichberechtigung fordern und vormachen wie es geht.

Ich muss häufig mit den Augen rollen, wenn ich einer Podiumsdiskussion zuhöre, bei der ausschließlich weiße Frauen sitzen, die gemeinsam das Thema der Gleichberechtigung diskutieren. Auch hier wird mit zweierlei Maß gemessen, denn wenn ausschließlich weiße Männerrunden über das selbe Thema diskutieren, ist der Aufschrei groß. Andersherum feiert man sich dafür, dass man in einer weißen Frauenrunde auf einen Nenner kommt. Das schimpft sich dann eine Auseinandersetzung.

Was Viele zu vergessen scheinen: Gleichberechtigung ist kein reines Männer oder Frauenthema, mehr noch: wenn wir von Gleichberechtigung sprechen, dann sprechen wir nicht nur von Gleichberechtigung von Mann und Frau, sondern auch von Schwarz und Weiss und vor allem auch von Allem, was dazwischen liegt. Warum sieht man so selten eine wirklich bunte Runde aus unterschiedlichen Geschlechtern, Hautfarben, Religionen, Handicaps und Einkommensschichten miteinander diskutieren? Wäre eine solche Diskussion nicht viel wertvoller, weil man dann tatsächlich neue  Einsichten gewinnen kann? Wenn wir also eine echte Gleichberechtigung fordern, dann sollten wir möglicherweise damit anfangen mit Menschen darüber zu diskutieren, mit denen wir möglichst wenig Überschneidungen haben.

Wir müssen sachlich bleiben.

Auseinandersetzungen sind nie schön, doch ist es wichtig sachlich zu bleiben. Häufig beobachte ich, wie emotional aufgeladen bestimmte Debatten geführt werden, insbesondere in Sachen Feminismus. Da wird teilweise wegen Banalitäten gestritten (Sorry liebe Twitter-Aktivistinnen, aber viele von euch tragen nicht gerade zur Ernsthaftigkeit der Debatte bei) und wenn die Argumente ausgehen, kommt gleich die „Mansplaining“-Keule zum Einsatz. Dabei ist es grade in dieser Thematik wichtig, sich gegenseitig zuzuhören und rational zu argumentieren, und Männer durch gute Argumente zum Schweigen zu bringen, wenn sie sich zu der Debatte äußern.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es wichtig über Diskriminierung und andere Probleme in allen Facetten zu reden, aber wenn man sich darüber aufregt, dass Männer breitbeinig in der Bahn sitzen und das als Ausdruck ihres Patriarchats deuten („manspreading“) oder Frauen sich sexuell von einem Shirt eines Wissenschaftlers angegriffen fühlen („shirtgate“), dann verliert so eine Diskussion ihre Ernsthaftigkeit und die eigentlichen Ziele rücken in den Hintergrund. Dass wir ernst genommen werden in unseren Forderungen, nicht nur von anderen Frauen, sondern vor allem von Männern ist wichtig, da eben diese aktuell in den Machtpositionen an den Hebeln sitzen. Am Ende brauchen wir nicht nur Frauen, die sich mit uns verbünden, sondern auch Männer. Und die bekommen wir nur mit guten und sachlich vorgetragenen Argumenten auf unsere Seite.

Gleichberechtigung bedeutet gleiches Maß.

Warum ist es in Ordnung sich über die Figur von Reiner Calmund oder Peter Altmeier zu amüsieren? Warum freuen sich Frauen scheinbar diebisch, wenn „auch mal der Mann sein Fett wegbekommt“ und auf sein Aussehen reduziert wird. Man stelle sich nur folgende Kommentare vor, wenn sie von einem Mann kommen würden und an eine Frau gerichtet wären: „Lese Männerliteratur, ist aber trotzdem ganz gut.“
“ Finds übrigens geil, wie Karls, Hansens und Norberts ausrasten heute, weil es mal nicht um sie geht. Richtiger Cholerikerauflauf in den Replys.“ Ihr wisst was ich meine. Natürlich kann man jetzt von einem Scherz sprechen, aber wenn dieser Scherz gegen Frauen gerichtet wäre, wäre die feministische Humorpolizei gleich zur Stelle und würde den Mann zur Verantwortung ziehen. Es ist also immer nur dann lustig, wenn man selbst nicht betroffen ist. Dieses Messen mit zweierlei Maß ist einer der häufigsten Fehler, die ich beobachtet habe: Sich einerseits für Gleichberechtigung stark machen und andererseits gehässige Kommentare vom Stapel lassen, die in dieselbe Kerbe schlagen. Bevor wir also übereifrig den nächsten Kommentare twittern, sollten wir uns in jedem Fall fragen: „Wie würde ich reagieren, wenn der Kommentar von einem Mann kommen würde und gegen eine Frau gerichtet wäre? Würde ich das lustig finden, oder wäre ich persönlich angegriffen?“

Vorbild sein

Als Influencer wird ständig an meine Verantwortung appelliert meine Reichweite sinnvoll zu nutzen. Ironischerweise häufig von denen, die sie sich selbst gerne absprechen, weil es als Influencer ja automatisch „meine Rolle sei sich zu engagieren und nicht ihre“. Vielen scheint nicht bewusst zu sein, dass sich diese Verantwortung nicht ausschließlich auf Personen öffentlichen Lebens bezieht, egal ob Influencer oder Politiker, sondern JEDE Frau und JEDER Mann eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft inne hat. Wir alle, in all unserer Vielfalt, tragen Verantwortung für diese Gesellschaft. Jede Stimme ist eine Stimme mehr im Chor und nur gemeinsam kann man laut sein. Man nennt es auch Demokratie. Schaut in den Spiegel, egal ob Mann oder Frau, reflektiert euer Verhalten und fragt euch: Welchen Beitrag möchte ich zur Verbesserung der Gesellschaft leisten? Denn nur als Gemeinschaft kommen wir auch ans Ziel.


Das waren sie also, meine Ideen für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem wirklich wichtigen Thema der Gleichberechtigung.

Möglicherweise stimmt ihr nicht mit allem überein, was ich geschrieben habe. Doch am Ende sollten wir uns hoffentlich auf grundlegenden Dinge einigen können, denn wollen wir nicht alle dasselbe? Haben wir nicht dasselbe Ziel? Wir alle streben eine Gesellschaft an, in der jeder gleichberechtigt ist und dieselben Chancen hat. Eine Gesellschaft, in der jeder Teil davon ist und auch Verantwortung trägt.  Nur als Gemeinschaft können wir dieses Ziel erreichen.

Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren unserer Vorgänger*innen ausruhen und denken Erfolge wären in Stein gemeißelt. Auch für die Rechte, die bereits erkämpft wurden, müssen wir weiterhin kämpfen. Sie sind keine Selbstverständlichkeit.

Lasst uns also endlich sachlich, reflektiert, ehrlich, einfühlsam und respektvoll miteinander diskutieren, wie wir endlich eine Gemeinschaft werden können.

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März 10, 2019
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23 Kommentare

  1. Liebe Masha, erstmal vielen Dank für deinen Artikel und deine Auseinandersetzung mit diesem so wichtigen Thema. Man merkt wie sehr dir das Thema am Herzen liegt und ich stimme mit vielem überein. Dennoch kann man einige Dinge die du aufführst wiederum so nicht stehen lassen, wie ich finde. Der Feiertag wurde ja nicht eingeführt, weil diesbezüglich alles toll und super ist und man einfach nur feiern soll, sondern um ein Statement zu setzen, mal zu überlegen was sich noch verbessern kann. Die Tradition des Frauentags ist ja schon etwas älter (vor allem im Osten). Ich habe es als sehr positiv empfunden, dass er eingeführt wurde sich alle (vor allem auch die Männer) einmal besonnen haben und dem Thema Raum gegeben wurde, um zu reflektieren was sich noch verbessern kann und tun muss. So wie du diesen Tag zum Anlass genommen hast, diesen Artikel zu schreiben. Auf der einen Seite sagst du, wir müssen mehr zusammenhalten und dann wunderst du dich, dass da nur weiße Frauen in Podiumsdiskussionen sitzen und sich beschweren? Ich denke, sich überhaupt zu versammeln ist der erste Schritt, sich zum Zusammenhalt zu formieren. Offensichtlich gibt es Bedarf Frust abzulassen und das finde ich nicht verkehrt, im zweiten Schritt muss man dann gemeinsam etwas unternehmen. Aber wie soll ich mich denn Zusammentun, wenn ich garnicht mit Frauen zusammen komme denen es ähnlich geht? Wo treffe ich die? Dafür sind diese Veranstaltungen wichtig. Mit der Zeit werden diese Runden bestimmt noch diverser werden. Diese Tatsache zeigt doch einfach nur, dass wir noch sehr am Anfang stehen und es noch SO viel mehr zu tun gibt, wenn diese Runden so einseitig aussehen. Ich gebe dir Recht, es müssten da mehr Männer sitzen. Aber oft sind diese einfach nur zu feige, um sich der Diskussion zu stellen… viele Politiker – wie zum Beispiel Jens Spahn – meiden doch den Dialog mit Frauen in Talkshows (wie neulich bei Anne Will mit Theresa Bücker zum Thema Abtreibung!! Sie hätte ihn so auseinander genommen) wie sie nur können! Sicher, sachlich zu bleiben ist das A und O und das machen viele oft nicht. Ist daneben. Es zeigt aber auch wie ungerecht sich viele behandelt fühlen und wie sehr sie verletzt sind. Ich persönlich habe schon oft im Job Situationen erlebt, wo meine sachlichen Argumente niemanden interessiert haben, man garnicht erst danach gefragt wurde und einfach aus einer Machtposition heraus bestimmt wurde. Meist waren dies Männer. Ich weiß nicht ob du schon mal angestellt warst? Ich denke nicht, denn als Selbstständige hat man dieses Problem wahrscheinlich nicht so oft. Und auch was Gehaltsverhandlungen angeht, so reicht es leider oft nicht, einfach nur härter zu verhandeln. Oft wird man vor vollendetet Tatsachen gestellt, bis garnicht verhandelt und als Mutter wird einem dann auch oft gesagt, dass man ja viel fehlen wird, nicht so voll einsetzbar und somit eben weniger wert. Das ist leider die Realität, die ich so am eigenen Leib erfahren habe! Und da nützt dann auch kein hart bleiben/ verhandeln, denn die nächsten die deinen Job sofort machen würden stehen schon in den Startlöchern. In unserem System sind wir leider (fast) alle austauschbar! Deshalb machen sich aktuell auch immer mehr Frauen/ Mütter selbstständig, was ich sehr positiv finde. Passt aber auch nicht für jeden. Gerade habe ich in der ZDF Mediathek eine tolle Serie entdeckt, die FILMFRAUEN heißt. Besonders gut und sehr ehrlich fand ich das Interview mit der Regisseurin Anika Decker, die so einige Dinge erlebt hat, die echt diskriminierend waren. Sowas glaubt man doch nicht! Es ist aber die Realität. Sie wäre sogar für eine 100% Quote! Finde ich interessant. Manchmal muss man eben erst einmal mit Absurdem Aufmerksamkeit erreichen, um dann wenigstens 50% zu bekommen. Ich würde mich freuen, wenn du hier demnächst auf deinem Blog eine diverse Runde zu Wort kommen lassen würdest zum Thema. Und ein bisschen schade finde ich, dass du die Beiträge der „Kampffeministinnen“ zensierst. Die schlagen bestimmt weit über die Stränge, aber wie soll man in einen Dialog treten mit anderen, wenn sie nicht zu Wort kommen? Dann haben wir wieder keine fruchtbare Diskussion und können sie ja auch nicht Wiederlegen! Es gibt also noch viel zu tun und ich hoffe, dass noch viele Frauen und vor allem die, die in der Öffentlichkeit stehen, den Prozess weiter voran treiben werden. Weil sie es können!

    1. Hallo Annika,

      danke für deinen spannenden und aufschlussreichen Kommentar!

      Was den Feiertag angeht, so gebe ich dir Recht, aber das steht auch nahezu eins zu eins in meinem ersten Absatz :)
      Ich glaube übrigens ebenfalls, dass es wichtig ist Frauen-Netzwerke aufzubauen, aber dass es eben nur ein erster Schritt ist und wir uns eben nicht nur auf reine Frauen-Netzwerke verlassen sollten. In der gesamten Debatte versuche ich keine Unterscheidungen zwischen Frau und Mann zu machen, sondern einfach als Menschen zu sehen, deswegen finde ich auch eine 100% Quote Quatsch.

      Ich war schon angestellt, aber auch als Selbstständiger ist man fast täglich mit Gehaltsverhandlungen konfrontiert (bei Aufträgen, die beispielsweise vergeben werden), aber ich verstehe was du meinst. Natürlich ist es schwer da auf jedes Einzelschicksal einzugehen.

      Zuletzt finde ich es schade, dass du mir unterstellst ich würde Beiträge von „Kampffeministinnen“ (so einen Begriff würde ich nicht benutzen) zensieren. Im Gegenteil: ich würde mir ebenfalls eine Debatte wünschen, aber es sind keine anderen Kommentare bisher gekommen.

  2. Mein Wunsch ist es als Mensch unter Menschen zu leben! Unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sonstiger Ausrichtung… Das sind für mich alles nur Oberflächlichkeiten! Das drückt auch dein Artikel gut aus. Das ist auch was mich an den Debatten um Feminismus momentan immer so nervt… Es kommt mir immer vor, als sollte bewiesen werden, dass Frauen besser sind als Männer. Das muss aber, meiner Meinung nach, nicht sein! Ich fände es viel wichtiger, dass einfach alle „gleich gut“ sind!
    Danke für den schönen Text!

  3. Ich muss sagen, dass ich in vielen, wenn nicht sogar in allen Punkten mit deiner Meinung übereinstimmen. In den ganzen Debatten bekommt man das Gefühl, dass es keinen Dialog mehr gibt. Gruppen von Frauen fordern mehr Rechte, ohne dass viele Männer überhaupt verstehen, was das konkrete Problem ist. Beide Seiten sollten einander viel mehr zuhören, interagieren und so gemeinsame Lösungen finden. Nicht durch bloßes Pochen auf die eigene Meinung und ihnen gegenseitiges Zuhören. Und letztendlich halte ich es auch für sehr wichtig, dass aus der anfangs geforderten Gleichberechtigung am Ende keine Situation entsteht, in der die Bevorteilung mancher sozialer Gruppen in eine Übervorteilung der anderen Gruppen umschlägt. Das meine ich gerade in Bezug darauf, dass ich teilweise zur Zeit als Frau noch mehr das Gefühl bekomme, von Männern in Schutz genommen zu werden, weil es mir als Frau in der Gesellschaft ja so schlecht geht. Da finde ich es super gefährlich, dass sich die ganzen Debatten am Ende nicht ins Gegenteil kehren und ich als Frau nur wegen meines Geschlechts nicht mehr benachteiligt, sondern bevorteilt werde. Denn das kann nicht das sein, was ich als emanzipierte, zielstrebige Frau erreichen möchte. Sehr schöner Text, Mascha! ☺️

    1. Danke Julia! Das sehe ich ähnlich :)
      Ich freue mich, dass so viele Frauen es ähnlich sehen und sich dazu äußern. Ich hoffe wir können diese Diskussion auch mehr nach außen tragen und signalisieren, dass Gleichstellung eine gute Idee ist, die auch ohne radikale Mittel erreicht werden kann.

  4. Hallo Masha!
    Schön, dass sich auch hier über so ein wichtiges Thema Gedanken gemacht wird. Aber mir sind ein paar Dinge aufgefallen. Ich frage mich, ob du jemals von intersektionalem Feminismus gehört hast bzw. den Problemen von PoC, Frauen mit Behinderungen, alleinerziehenden Frauen, die jenigen die nicht so geil verdienen und da nicht rauskommen. Hast du von Diskriminierungserfahrungen z. B. von muslimischen Frauen gehört, bei denen es eben nicht reicht, einfach mal das „Mindset“ zu ändern (weil diese auf Grund ihrer Religion/Herkunft die Wohnung, den Job usw. nicht bekommen, geschweige denn nicht mal in die Nähe der Chefetage kommen)? Das was du hier beschreibst, klingt so easypeasy, doch mit „kommt raus aus der Opferrolle“, „Seid füreinander da“ und „fordert einfach mehr Gehalt“ scheinst du zu vergessen, dass das nicht alle Frauen in unserer Gesellschaft können. Es sind eben unsere white privileges, die genau diese Einstellung, diesen white feminism, den du hier wissentlich oder nichtsahnend beschreibst. Um wirklich Allies zu bilden, wahre sisterhood zu zelebrieren, muss Feminismus intersektional sein. Sonst können wir das leider vergessen. Intersectional or not at all!

    1. Hey Maria,
      ich habe gestern tatsächlich viel darüber diskutiert, aber ehrlich gesagt verstehe ich nicht so ganz, warum die Punkte, die ich beschreibe, nur auf weiße, privilegierte Frauen anwendbar sind bzw. teilweise auf einen Satz reduziert werden und dadurch aus dem Zusammenhang gerissen. Ich glaube die Ansätze (es sind keine finalen Lösungen) sind für alle Menschen anwendbar, weil sie teilweise bewusst allgemein gehalten sind.

      Diese realen, diskriminierenden Strukturen spreche ich nicht ab, ich sage nur, dass manche sie als Herausforderung betrachten und es nicht akzeptieren, sich als Opfer zu machen und dadurch Kampfgeist entwickeln. Da steht auch nichts von easypeasy, zumal Diskriminierung von Jedem anders wahrgenommen wird. Allerdings muss man selbstverständlich diese Strukturen aufbrechen, dass weniger Menschen Diskriminierung überhaupt erfahren. Ähnlich ist es mit dem Punkt Netzwerk. Auch hier verstehe ich die Kritik nur bedingt, denn auch als poc, Muslim/a, homosexuell, kann man netzwerken und füreinander da sein. Ich weiss nicht, ob du selbst viel Diskriminierung erfahren hast, aber manche dieser Punkte sind solche, die sich aus Gesprächen mit eben jenen Gruppen ergeben haben. Ich habe mit Frauen in meinem näheren Umfeld gesprochen, die homosexuell sind, poc, Muslima und einen Nachnamen tragen, der nicht biodeutsch ist – alles gleichzeitig. Sie sind trotzdem in Führungspositionen. Wie haben sie das geschafft? Es ist wichtig mit eben diesen Frauen zu reden, denn wir können viel von ihnen lernen.

      Gleichzeitig finde es es gefährlich anderen Frauen (auch Männern) das Recht abzusprechen, ihre Meinung zum Thema Feminismus offen kundzutun, und es gleich in eine Schublade zu stecken. Das ist insofern problematisch, weil sich andere Menschen, die sich gerne an dieser Diskussion auch sachliche Art und Weise beteiligen würden, entmutigt werden. Und natürlich kann ich nur aus meiner Perspektive berichten, weil ich im Diskriminierungsspekturm weniger Überschneidungen habe, als Andere.
      Sprich: Nur, weil ich weiss und privilegiert bin, ist meine Meinung und meine Argumentation nicht gleich falsch oder nicht anwendbar. Wenn man nämlich anfängt, so zu argumentieren, verliert man möglicherweise Verbündete und genau die brauchen wir, weil dieses Ziel nur als Gemeinschaft erreicht werden kann. Ja, auch weiße, privilegierte Männer sollten sich zum Feminismus äußern dürfen und sogar sollen, ohne dass Frauen ihnen Gifs schicken von weinenden Männern und mit der „mansplaining“ Keule daherkommen, wenn ihnen die Argumente ausgehen. Denn es geht um mehr als nur eine Sisterhood zu bilden. Es geht um eine gleichgestellte Gemeinschaft, in der sich Menschen aller Vielfalt auf Augenhöhe begegnen. Oder wie meine Vorrednerin schon meinte: The Future is Equal, not Female.

  5. Liebe Masha,
    Ich stimme Dir zu 100% zu und finde es inspirierend, dass Du Deine Verantwortung als Influencer so ernst nimmst und auch die kritischen Stimmen nicht fürchtest. Allein durch diesen Mut gehst Du mit gutem Beispiel voran und ermutigst auch andere, zu Ihrer Meinung zu stehen.
    Ich finde, es tut sich gerade sehr viel, auch wenn ich mich noch nicht zu früh freuen will, denn es ist sicherlich noch nicht alles gut. Aber ich habe den Eindruck dass die Frauenwelt langsam aufwacht und zusammenwächst, weil am Ende alle doch für dasselbe Ziel kämpfen wollen. Man darf sicherlich zwischendurch auch mal kurz innehalten und sich freuen, dass kleine Mädchen von heute jetzt schon in einer besseren Welt aufwachsen als wir. Ob Nachhaltigkeit, Feminismus oder Fleischkonsum…die Menschen wachen auf und das ist schön zu sehen.

    Dennoch ist es gut und wichtig, weiter Alarm zu machen, damit es auch die letzten Reihen endlich verstehen.

  6. Liebe Mascha, toller Post und sehr gute Gedanken die du da veröffentlicht hast. Zum Thema Job und Netzwerk diskutiere ich auch oft mit meinem Freund und uns fällt immer wieder auf, dass wir einfach fast keine Frauen kennen die gerne Karriere machen möchten. Da ist es schon fast eine logische Schlussfolgerung, dass es nur eine geringe Frauenquote in Führungspositionen gibt. Wenn keine qualifizierten Frauen vorhanden sind, die sich für solche Posten eignen, dann sind weibliche Führungskräfte eben unterrepräsentiert.
    Und mit den Netzwerk Veranstaltungen gebe ich dir vollkommen recht. Ich habe letztes Jahr im Herbst eine besucht und man hatte schon fast das Gefühl, Frauen „verschwören“ sich gegen die Männer und es wir immer nur auf der vermeintlichen Opferrolle rumgeritten. Ein anwesender Politiker der dort bei einem Panel Talk gesprochen hat, wurde regelrecht vom Publikum verhöhnt. Das ist meiner Meinung nach keine Basis für einen vernünftigen Austausch und ist somit auch kein Fort- sondern eher ein Rückschritt in der Feminismusdebatte.

  7. Liebe Masha,

    vielen Dank für deinen Beitrag zum Thema Feminismus.
    Ich kann gut verstehen, dass du dir Sorgen um negatives Feedback zu deinem Post machst, in meinen Augen dürfte es das nur nicht geben.
    Denn im Grunde gebe ich dir in allen Punkten Recht – vor Allem in der Bitte um eine sachliche Diskussion. Das ist für mich der Knackpunkt der heutigen Feminismus Debatte.
    Es ist wunderbar, dass sich immer mehr Frauen und auch Männer für das Thema stark machen. Allerdings finde ich es super schade, dass es ein großes und vor Allem auch sehr lautes Lager an Feministinnen gibt, die in ihren Ansichten sehr militant und dogmatisch sind und die Rechte der Frauen in Allem und von jedem angegriffen fühlen. Der Begriff Feminismus bekommt innerhalb unserer Gesellschaft wieder einen bitteren Beigeschmack und in Diskussionen wird sich dann von männlicher Seite aus direkt auf die „Feminazis“ gestürzt, die Männer am liebsten entmächtigen würden. Das macht es wahnsinnig schwer einen vernünftigen Dialog in Gang zu bringen.
    Damit sich etwas in unserer Gesellschaft verändert, kann es also nicht das Ziel sein den Mann zu erniedrigen und die Frau zu erhöhen. Es geht darum sich auf Augenhöhe zu treffen. Wenn ich einen neuen Freund gewinnen möchte, dann schaffe ich das nicht, indem ich ihn beleidige. Das geht nur indem ich in einen Dialog trete, mein Gegenüber ernst nehme und meine Ansichten verständlich und ohne Beleidigungen vertrete UND mir dabei auch eingestehen kann, wenn ich daneben liege. Andernfalls wird aus einem potenziellen Freund ein neuer Feind – und das hilft niemandem weiter.

    Und wer die Frau nur als Opfer der Männer betrachtet, steckt die Frau in einen begrenzten Raum und nimmt ihr den Platz sich zu entfalten. Und so muss auch jede Frau für sich selbst die Entscheidung treffen, sich entfalten zu wollen.
    Doch wie schon ganz richtig erwähnt, sollte es nicht nur darum gehen, dass Männer und Frauen sich auf Augenhöhe begegnen, sondern auch jeder einzelne Mensch unserer Gesellschaft.

    Wenn ich mir etwas für die Zukunft wünschen dürfte, wäre das folgendes:
    Lasst uns mehr Mut aufbringen uns mit den Menschen um uns herum wirklich auseinander zu setzen und lasst uns gegenseitig mehr Acht aufeinander geben!

    1. AMEN.
      Tatsächlich gab es bereits negatives Feedback von eben jenen Feministinnen, die meinen Beitrag absichtlich ins Lächerliche gezogen haben und mich auf meine Rolle als Mode-Influencerin reduziert haben, aber damit habe ich auch gerechnet. Ich glaube diese Aggressivität, die da mitschwingt, ist Gift für die Debatte.

      Könnten wir einen respektvollen Umgang miteinander pflegen, würde sich das sicherlich positiv auf die Debatte auswirken.

      1. Das ist so unfassbar schade.
        Ohne dir jetzt Honig ums Maul schmieren zu wollen, finde ich, dass du eine sehr reflektierte, kluge und erfolgreiche junge Frau bist – also eigentlich ein Paradebeispiel.
        Dich nun auf die Rolle eines Modepüppchens zu reduzieren und zu suggerieren, da du dich für Mode interessierst, kannst du keine ernsthaften Ansichten vertreten, finde ich wirklich unbeschreiblich und da fehlen mir die Worte!

        1. Danke Elisabeth, aber ich finde ihren Kommentar recht konstruktiv und freundlich. Was mir gestern stattdessen an den Kopf geworfen wurde war auch für mich unbeschreiblich.

  8. Ich liebe es, dass es deine Sonntagsposts wieder gibt!
    Großartiger, wichtiger Beitrag, mit dem ich vollkommen übereinstimme. The future isn’t female. The future is equality. Und dazu müssten wir nicht die Männer bekämpfen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten und uns alle gegenseitig, mit all unseren Fähigkeiten wertschätzen lernen.

  9. Ein wirklich sehr schöner und interessanter Blogpost. Ich verstehe deine Meinung völlig und es geht mich aufjedenfall zum Nachdenken an.!

  10. Hallo Masha, ich bin 41 Jahre alt, habe 2 Kinder und arbeite in einem Männer dominierten Bereich. Ich kann viele Gedanken deines Blogeintrages verstehen und würde sie so unterstützen. Ich habe auch festgestellt, dass ich einige Gedanken auch schon so hatte, aber auch dass ich einiges davon wieder revidiert habe. Es waren Männer die mich gefordert und gefördert haben, in meinem Berufsleben. Aber es sind die schwarz weiß Feministen, die mich dazu gebracht haben Dinge zu hinterfragen. Die Kernfragen die Feminismus für mich behandeln lösen sich nicht durch Relativierung, dass es auch unterstützende Männer gibt. Auch diese Männer sind Feministen. Wenn ich nach der Anerkennung meiner Arbeitsleistung gehe (ich habe mich Schweden und Franzosen zusammengearbeitet) finde ich es viel einfacher positives Feedback beziehungsweise echten Austausch mit Kollegen zu bekommen, die in Ländern mit gesellschaftlich geregelter Gleichstellung leben. Dort muss ich nicht beweisen, was ich kann. Es wird vorausgesetzt. Ein wesentlicher Unterschied in meinen Augen, den es in Deutschland nicht gibt. Es gibt so viel was Feminismus für Männer tun kann. Und es gibt soviel was aktiv und viel häufiger diskutiert werden müsste. Ich mag sehr wie du dich engagierst. Austausch als Basis für Informationszugang ist soooo wichtig, um weiter Fortschritte zu erzielen. Schönen Sonntag. Susan

    1. Danke Susan für dein Feedback!
      Ich glaube, wo man unterscheiden muss, ist zum Einen die Offenlegung der Bezahlung und zum Anderen die Frauenquote. Frankreich und Schweden gelten beide als Länder mit hoher Frauenquote und gleicher Bezahlung. Ich würde mich persönlich auf für eine Transparenz dahingehend aussprechen, allerdings finde ich eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote schwierig, weil die Leistung dann eben nicht anerkannt wird. Man ist dann eben in einer bestimmten Position, nicht weil man tatsächlich gut ist, sondern weil die Frauenquote es vorschreibt. Ich weiss nicht, ob ich das für sinnvoll erachte.

      1. Hallo,

        ich kann einen Punkt nicht ganz nachvollziehen. Wenn von einer bzw. der Frauenquote gesprochen wird, wird häufig unterstellt dass es nicht mehr auf die Leistung ankommt. So weit mir bekannt ist geht es bei der Quote darum, dass eine bestimmte Anzahl von Stellen „bei gleicher Eignung“ mit Frauen besetzt werden. Das sind dann Frauen die genauso geeignet sind wie ein Mann und nicht weniger Leistung bringen und den Job nur bekommen weil sie eine Frau sind.

        In Diskussionen bekomme ich leider oft mit, dass dieses Argument gebracht wird, das wird den vielen Frauen die super geeignet sind, und durch die Quote eine Chance bekommen das auch zu zeigen, nicht gerecht.

        1. Ja, ich glaube das ist ein Zweischneidiges Schwert und ich verstehe die Argumentation dahinter:
          Würde man bei einer verpflichtenden Frauenquote eine Führungsposition mit einer Frau belegen, dass würde immer der Vorwurf mitschwingen, dass sie den Job nur wegen der Frauenquote bekommen habe. Man(n) selbst, wäre ja eigentlich viel kompetenter.

          So haben Männer weiterhin eine Ausrede, sich trotzdem über die Frau zu stellen.

          Nur leider sehen wir auch, dass es ohne Frauenquote ja scheinbar auch nicht funktioniert.