#Instagramgoals vs. Glück

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.Paris | Mode | Editorial | Shooting | Outfit | Style | Inspiration | Parisienne

„Klick, Klick, Klick“
 
Das Rattern der vielen Kameraauslöser klingt ein bisschen wie ein Maschinengewehr, das durch die Luft donnert.
Mein Blick ist fokussiert, mein Gang aufrecht, der Körper angespannt und vollgepumpt mit Adrenalin.
Die Blitzlichter prasseln wie Kugeln auf meinen Körper und für diesen Moment blende ich alles um mich aus. Es gibt nur noch mich und die Kameras.
 
Es ist Fashion Week. Erst in Berlin, dann Kopenhagen, New York, London, Mailand und zum Schluss Paris. Obwohl jede Saison derselbe Kreislauf stattfindet und sich damit zu einer Art festem Ritual einer jeden Fashionista etabliert hat, ist es für mich das erste Mal nach knapp zwei Jahren, dass ich immerhin mehr als die Hälfte dieses Kreislaufs mitmache.

Ich bin von der Bildfläche verschwunden, war müde und überdrüssig – und nun bin ich wieder da. Ein bisschen war es fast wie das erste Mal für mich und irgendwie war es das auch, denn in knapp zwei Jahren ist viel passiert. Die Modewelt hat sich weitergedreht – und bis auf die Städtereihenfolge ist nichts mehr wie es einmal war. Neue Locations, neue Brands, doch vor allem neue Gesichter. Das Karussell dreht sich mittlerweile schneller und ich frage mich, ob mir nicht schwindelig dabei wird. Die Modewelt hat neue Stars – sowohl unter den Designern, als auch unter den Besuchern.
 
Spätestens jetzt ist es offensichtlich: nicht mehr die Redakteurinnen etablierter Modemagazine beherrschen die Straßen – es sind die Online-Gesichter, die Street Style Fotografen 50 Bilder die Sekunde schienen lassen. Jeder Schritt und jedes Bild eine Bewertung. Und am Ende des Tages bist du so viel Wert wie deine Likes.
 
Klick, Klick, Klick.

Viel mehr als sonst habe ich das Gefühl bewertet zu werden. Bewertet nach meinem Aussehen, nach den Kosten meines Outfits, nach meinen Followern, nach meinen Projekten. Ich muss dies das jenes, sonst bin ich in dieser Blase, die sich ja mehr durch die äußeren, statt die inneren Werte definiert, als Mensch weniger wert.
 
Und dank Social Media liegt die Messlatte hoch:
Wie soll man sich gegen diese überperfekten Frauen, die den Feed erobern, behaupten können? Sie haben eine (scheinbar) glückliche Beziehung, idealerweise gleich mehrere Kinder, eine steile Karriere, stecken in der Blüte ihres Lebens, haben abertausende Instagram Follower, sehen perfekt aus, machen Urlaub an den schönsten Orten dieser Welt und stolzieren geschäftig auf den Fashion Weeks herum. Ihren Körper halten sie mit gelegentlich Acai Bowls und Sport auf Trab, den sie irgendwann zwischen Mitternacht und der ersten Show machen. Und all das lassen sie ganz mühelos aussehen, ganz so, als würde ihnen alles vor die Füße fallen und ihr einziger Makel ist ihr Bekenntnis ein Coffee Junkie zu sein und gelegentlich ein Stücken dunkle Schoki zu essen.

Paris | Mode | Editorial | Shooting | Outfit | Style | Inspiration | Parisienne

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Ihr findet ich übertreibe?
Ich würde jetzt gerne Beispiele aufzählen, doch es soll nicht Sinn dieses Beitrags sein diese Frauen vorzuführen – im Gegenteil: ich bewundere diese Leichtigkeit, mit der ihnen das zu gelingen scheint. Doch das Problem ist, wie so oft in Social Media, die Schere zwischen der Realität und der Inszenierung, die sich da auftut und dadurch ein falsches Bild vermittelt.
 
Denn wenn man die meisten erfolgreichen Instagrammer*innen „in echt“ sieht verblasst diese perfekte Fassade. Plötzlich siehst du einen Menschen mit unreiner Haut, unvorteilhaften Stellen und einem erschöpften Ausdruck im Gesicht. Auch sie haben das Glück in der Mode gesucht, die Erfüllung ihrer Träume herbeigesehnt und dafür gekämpft und dennoch nicht zwischen der glitzernden Welt der opulenten Fashion Weeks gefunden. Das Lächeln ist abrufbereit, doch es sieht wie eine Fratze aus.
„Ich liebe den Stress, dann fühle ich mich so lebendig.“

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Sie sind Geiseln ihrer eigenen rosaroten Welt, die kein Unglück kennt, schlichtweg weil es nicht in den Feed passt. Obwohl ich es als Teil dieser Welt besser wissen müsste, lasse ich mich viel zu häufig von diesem Wahn anstecken und falle auf die kunterbunte Welt herein. Die Crux ist hier: egal wie viel ich erreiche – am Ende fühlt es sich dennoch nicht genug an.
Ist das also das Ende des Algorithmus?

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Ich glaube, je näher du dich an den #instagramgoals befindest, desto weiter weg ist das „wahre“ Glück. Denn stell dir vor, du hast theoretisch alles erreicht, was dich laut Instagram Society glücklich machen sollte: Aussehen, Karriere, Follower und die regelmäßige Bestätigung, dass du der heiße Scheiss bist – und du merkst, dass du trotzdem nicht glücklich bist. Dass all diesen Sachen etwas Wahrhaftiges fehlt. Wo willst du nach dem Glück suchen, wenn dein Leben bereits nach außen hin perfekt ist, sich aber von innen nicht perfekt anfühlt.
 
Spätestens dann realisiert man, dass Glück nun mal keine Check-Liste zum Abhaken ist und Likes keine Maßeinheit für ein erfülltes Leben.

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Nach 6 Wochen ist die Wahrheit deutlich im Gesicht abgezeichnet:
Die Fashion Weeks und der Stress haben bereits ihre Spuren hinterlassen.
Die Augen sind leer, die Gespräche ebenfalls.
Und alle stellen sich dieselbe Frage, jede Saison aufs Neue:

Und was jetzt?
Wohin führt mich dieses Leben?

Am Ende ist die Antwort doch ganz einfach: Glück findet sich nicht auf der Fashion Week. Es findet sich höchstens irgendwo dazwischen.
Bei einem Glas Wein in einer Pariser Bar mit Freunden. Bei hausgemachten Nudeln in einem kleinen Mailänder Restaurant. Oder einfach in der Wiedersehensfreude, die man bei geliebten Orten und vermissten Freunden empfindet. Es versteckt sich in sozialem Engagement und dem Gefühl etwas Gutes nicht nur für sich, sondern zur Abwechslung auch mal für Andere getan zu haben. Es ist nicht Teil der Story, sondern liegt irgendwo dazwischen in kleinen Momenten, die nicht mit der Kamera festgehalten werden.
Doch um das Glück zu finden muss man sich auch manchmal trauen aus diesem Hamsterrad auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Ein tiefgründiges Gespräch zum Beispiel. Auf der Fashion Week.
Das wäre doch mal etwas Revolutionäres!

 
 

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Oktober 7, 2018
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12 Kommentare

  1. Starker, starker Post, Masha – am liebsten würde ich ihn einrahmen! Eine perfekt polierte Oberfläche spiegelt nur noch zurück, damit niemand mehr auf die Leere dahinter sieht.

    Auch deshalb: #fürmehrrealitätaufinstagram <3

    Ich applaudiere dir im Stillen jedes Mal, wenn ich lese, dass du dir Zeit für dich und deine echten Freunde nimmst, einen unspektakulären, aber glücklichmachenden Ausflug unternimmst, die Arbeit liegen oder die Haare halt mal zerstrubbelt in alle Richtungen stehen lässt, und einfach mal bist, ohne was sein zu müssen. Das sind große Werte, aus solchen Momenten, Stunden, Tagen kommt Energie, Positivität und Glück, und das ist das einzige, von dem ich mich wirklich "influencen" lasse. Davon kommt Glück bis hierher rüber, und von mir ganz viel Liebe zurück <3 <3 <3

    1. awwwww das finde ich so schön, dass du das sagst! Es sind auch genau die Momente, in denen ich selbst auch am glücklichsten bin! <3

      Wer braucht schon „perfekt“ wenn er auch „echt“ haben kann :)

  2. Hey Masha,

    toller Beitrag! Wegen diesen Worten würde ich mich über mehr Blogbeiträge von dir freuen, denn Hand aufs Herz: in letzter Zeit hast du dich auch fast nur auf Instagram konzentriert und damit selbst auch einmal mehr dem ganzen Zirkus beigesteuert. Mit Beiträgen wie diesem auf dem Blog wird deine Message und dein Anderssein erst so richtig deutlich. <3

    PS: besonders gefallen mir diese Worte: Wo willst du nach dem Glück suchen, wenn dein Leben bereits nach außen hin perfekt ist, sich aber von innen nicht perfekt anfühlt.

    Modische Grüße,

    Matthew

    1. Ja! Ich vermisse es auch so sehr solche Posts zu schreiben! Leider fehlte mir in letzter Zeit häufig die Inspiration dafür und deswegen hat es sich auch gelohnt wieder Teil des Zirkus zu sein :)

      Aber im Ernst: ich habe mich wirklich etwas abgekapselt und mich mehr auf mein eigenes Glück konzentriert und deswegen war ich einfach nicht mehr so inspiriert zu kritischen Beiträgen :) Mein ganz ganz neuer Blog steht in den Startlöchern, dann brauche ich auch nicht mehr so lange fürs Layout und hoffe, dass es dann auch einfacher sein wird mehr zu schreiben/bloggen. Am Ende des Tages ist es dann doch mein Herzensprojekt :)

  3. Trotz dem ernsten Thema wie immer am Ende etwas zum Schmunzeln ;-) Ach Masha, ich finde es so großartig, dass du eine echte Stimme unter diesen ganzen anonymen,leeren „Schönen“ hast und dich äußerst und Stellung beziehst. Finde es wirklich bewundernswert dass du immer deine Werte vertrittst und trotzdem mittendrin bist. Das eine schließt nun mal das andere nicht aus – schade, dass sich davon zu Wenige eine Scheibe abschneiden. Danke für deinen Content!!