Monatsrückblick #10

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H&M x Pringle of Scotland | Design Kollektion | 2019 | Herbst Winter | Editorial Shooting by Berlin based Fashion Blogger Masha Sedgwick | Flughafen See Tegel | style: moody, comfy, clean

Ich höre den Regen draußen prasseln und beobachte die großen Tropfen, wie sie auf die Fensterbank prallen und platzen. Es klingt ein bisschen wie eine schnelle Melodie aus dumpfen Holzbläsern. Dramatisch und trotzdem beruhigend.

Der Herbst steht vor der Tür.

Obwohl ich ihn erwartet habe, kam er überraschend schnell. Plötzlich war es deutlich früher dunkel, kälter, regnerischer und überhaupt verbringe ich jetzt viel mehr Zeit drinnen, als draußen.

Kurzum: ich liebe es.

Ein Lächeln huscht mir über die Lippen, als ich darüber nachdenke, nippe an meinem Tee und freue mich über die angebrochene Jahreszeit. Die Luft riecht anders, der Tee schmeckt anders und nicht zuletzt klingen auch die Geräusche der vorbeifahrenden Autos anders, während sie so über die nassen Strasse gleiten.

Ich atme tief durch und begreife, dass hier und jetzt der erste Moment ist, in dem ich diesen Herbst bewusst genieße. Der erste Moment, wo ich ganz bei mir bin und nicht grade gestresst, weil alle paar Sekunden irgendwas klingelt und ich mich überwältigt fühle von der Masse an Anforderungen und Gedanken in meinem Kopf, die täglich auf mich einprasseln wie diese Tropfen auf meine Fensterbank.


Gleichzeitig plagen mich in letzter Zeit berufliche Sorgen und Ängste. Ich habe es zwar mittlerweile akzeptiert im Mittelfeld zu spielen seit es Instagram gibt, doch in letzter Zeit plagt mich wirklich der Algorithmus. Wie sehr es mich nervt davon abhängig zu sein – ihr könnt es euch nicht vorstellen. Es ist manchmal ein bisschen so, als hätte man einen launischen Chef, der täglich seine Meinung ändert. Heute mag er dich, morgen nicht mehr. An manchen Tagen ist es mir egal, an Anderen macht es mich schier wahnsinnig.

Liegt es an mir?
Bin ich nicht gut genug?

Vielleicht bin ich zu politisch? Vielleicht zu werblich? Vielleicht zu unnahbar?

Ich schaue aus dem Fenster und versuche diese Frage ehrlich für mich zu beantworten. Woran es auch liegt, ich weiss es nicht. Oder vielleicht will ich es auch nicht wissen und stattdessen einfach nur weiterhin meinen Weg gehen ohne mich davon beeinflussen zu lassen. Vielleicht mache ich auch nichts falsch, sondern habe einfach nur: Pech. Das, gestehe ich mir ein, wäre allerdings auch zu einfach. Also verdränge ich die Problematik in meinem Kopf, darin bin ich schließlich ebenfalls Experte, öffne mein Twitter und widme mich stattdessen anderen Problemen. Davon gibt es schließlich auch genug.

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Gedacht:
Das Oktoberfest lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich glaube einerseits ist es richtig toll, vor allem mit Freunden und noch besser, wenn man von dort kommt und auf der Wiesn alte Freunde und Bekannte wieder sieht, gemeinsam trinkt und feiert. Dann macht es Spass einfach loszulassen, auf den Tischen zu tanzen und laut zu Schlager mitzusingen. Da ist auch viel Raum für Nostalgie.

Wenn man dagegen in der Vergangenheit nichts damit zu tun hatte und das Oktoberfest im Business Kontext kennenlernt, ist es erstmal ein Kulturschock. Kann ich mich in Gegenwart meiner Business-Kontakte so fallen lassen? Möchte ich wirklich die Grenze übertreten? An sich genieße ich es, wenn Menschen sich frei, lebendig und glücklich fühlen und ihre Hemmungen fallen lassen, doch durch den Alkohol schwankt es schnell ins andere Extrem um. Plötzlich wird aus der ausgelassenen Stimmung schnell eine sehr Aggressive, zudem hat die hemmungslose Atmosphäre häufig die Folge, dass Männer sich Frauen gegenüber unsittlich verhalten. Grapschattacken bis hin zum sexuellen Missbrauch ist auf den Wiesn Alltag. Ich glaube dieses Übertreten einer Grenze war das, was mich irgendwie abschreckte. Warum klettern manche Männer auf der Evolutionsleiter ein paar Stufen runter, wenn sie ein paar Bier mehr trinken? Muss das sein? Zu guter Letzt kommt die Tatsache, dass mich die Berge an Fleisch irgendwie anekeln, wohingegen der Kaiserschmarren einfach nur für eine Geschmacksexplosion sorgt. Wie ich das Oktoberfest also finde? Ich habe mich noch nicht entschieden, aber ich werde dem sicherlich noch einen weiteren Versuch geben. 2020 oder so.

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Gelesen:
„Ist unser Planet noch zu retten?“ von Frank Thelen
Ja, ich wundere mich selbst, dass ich grade diese Worte schreibe, aber dass es mittlerweile ziemlich ernst ist mit dem Klimawandel hat auch Frank Thelen verstanden und einen echt guten und ehrlichen Artikel auf LinkedIn gepostet, der sich mit der Sache auseinandersetzt und einiges noch mal auf den Punkt bringt. Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie reflektiert dieser Artikel war, aber freue mich natürlich über jeden, der sich des Problems annimmt. Gut finde ich vor allem, dass er sich relativ distanziert mit der Thematik auseinandersetzt und wirklich versucht das Problem zu verstehen. Generell finde ich es erstaunlich, wie viele gute Artikel ich zu dem Thema in letzter Zeit gelesen habe, von der Problematik der Menschen die Probleme zu akzeptieren bis hin zu innovativen Lösungsansätzen wie einer Methode CO2 aus der Luft zu filtern und zu Treibstoff zu verarbeiten und auch 3D-Druckern, die ganze Korallenriffe drucken sollen. Obwohl mir all diese Innovationen Hoffnung geben, dass wir doch noch die Kurve kriegen, bereitet es mir gleichzeitig Sorgen, dass es zu spät sein könnte. Obwohl es solche Ideen und Innovationen gibt, scheitert es oftmals am Geld, weil eben jene, die den Wandel nicht akzeptieren wollen, diejenigen sind, die oftmals über das nötige Kleingeld verfügen würden. Genau deswegen gibt mir der persönliche Ansatz von Frank Thelen eben so viel Hoffnung, denn Menschen wie er sind es, die oftmals darüber entscheiden in welche Richtung es mit unserer Welt geht. So oder so, wir leben in spannenden Zeiten und werden erst im Nachhinein die Frage beantworten können, ob wir in der Geschichte nun die erste oder die letzte Generation sind, oder wie es Kierkegaard so schön formuliert:

Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden

Gesehen:
„Once upon a time in Hollywood“ von Tarantino.
Ich habe das Kino wieder für mich entdeckt. Vor allem im Herbst macht es mir besonders Spass ins Kino zu gehen und meine Zeit in diesen kuscheligen Sitzen mit einer großen Tüte Popcorn zu verbringen. Zwar hat Netflix & Co den Kinobesuch teilweise für mich ersetzt, aber bei manchen Filmen finde ich es trotzdem schöner sie auf einer großen Leinwand zu betrachten und die Bilder auf mich wirken zu lassen. Außerdem lässt das Kino keine Ablenkung zu und deswegen wollte ich mir unbedingt Once Upon a Time in Hollywood im Kino anschauen. Der Film von Tarantino enthält meist nämlich fantastische Dialoge und verlangt von seinem Zuschauer Aufmerksamkeit auf die Details. Gar nicht so einfach in einer Welt, wo man alle zwei Sekunden aufs Handy schaut. Die Aufmerksamkeit hat sich übrigens auch voll gelohnt: der Film macht Spass und ist ein typischer Tarantino geworden mit klasse Besetzung (Leonardo Di’Caprio, Brad Pitt und Margot Robbie in einem Film!). Absolut empfehlenswert!

Gehört:
„Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig
Tom altert deutlich langsamer als die meisten Menschen, deswegen ist er bereits 400 Jahre alt, als dieses Buch spielt. Was erzählt uns die Lebensweisheit eines Menschen, der bereits so viele Jahre auf der Welt ist und für den der Tod in ferner Zukunft liegt? Das alles, was bereits bewiesen wurde, erneut widerlegt wird und andersherum. Das mag womöglich stimmen, doch vor allem findet Tom heraus, wie man die Zeit anhält. Wie wir alle die Zeit anhalten und einfangen können – wenn auch nur für einen Augenblick.
Es ist eine wunderschön geschriebene, langsam erzählte Geschichte mit vielen traurigen Momenten – und einem guten Ende. Es ist bisher mein Lieblingsbuch von Matt Haig, dessen Anspruch es ist, mit seinen fantasievollen Büchern zum Nachdenken zu bringen und die eigenen Tagträume zu beflügeln.

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Oktober 5, 2019
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11 Kommentare

  1. Zwei sehr schöne Varianten des Looks! Mir gefällt besonders die mit Gürtel und hohen Stiefeln.
    Ich mag den Herbst auch total gerne und bin sowas von ready für regnerische Tage, die man auf der Couch verbringt. Eingekuschelt in eine warme Decke und mit Tee oder – noch besser – Kinderpunsch.

    Das mit dem Instagram-Algorithmus ist wirklich nervig und ich blicke da kaum durch. Mal werden Bilder angezeigt, mal nicht… das soll mal einer verstehen!

    Ich habe es dieses Jahr wieder nicht aufs Oktoberfest geschafft… irgendwann muss es doch mal klappen! Ich möchte auf jeden Fall mal hin. Die Leute, die ich auf meinen Reisen treffe, sind immer ganz geschockt wenn sie hören, dass ich aus Deutschland komme und noch nie auf dem Oktoberfest war :D

    „Once Upon a Time in Hollywood“ habe ich mir neulich mit einer Freundin angeschaut. Sie – riesiger Tarantino-Fan – war begeistert. Ich – bisher nur durch „Kill Bill“ mit Tarantino-Filmen in Berührung gekommen – fand ihn eher weniger gut. Besonders das Ende fand ich… äußerst seltsam.

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    https://www.themarquisediamond.de/

    1. Beim Algorithmus finde ich es auch manchmal faszinierend, wie mir manchmal Bilder von Menschen in die Timeline gespült werden, die ich selbst längst vergessen habe. Ich finde das manchmal auch schade, weil ich diesen Accounts ja wegen eines bestimmten Grundes folge.
      Andersherum verstehe ich, dass vielen meine eigenen Bilder auch nicht mehr angezeigt werden. Schade!

      Bezüglich des Oktoberfests: in Berlin kenne ich zB kaum jemanden, der mal dort war. Mich nervt das eh, dass Menschen aus dem Ausland die Deutsche Kultur mit der Bayerischen gleichsetzen. Ich fühle mich beispielsweise sehr deutsch, bin aber mit den Bayerischen Traditionen nur wenig vertraut :(

  2. Ich liebe Monatsrückblicke, da ich es total toll finde mich durch „Was habe ich gelesen“, „Was habe ich gehört“ und „Was habe ich gesehen“ zu inspirieren. Ich kannte nichts was du vorgestellt hast. Ich liebe den Herbst und auch alles was jetzt kommt. Man kann entspannte Herbstspaziergänge machen und einfach mal wieder zu sich selbst finden.

    Auf den Oktoberfest war ich dieses Jahr nicht, aber ich wollte irgendwann mal dorthin nur um es mal gesehen zu haben. Ich denke, dass es sehr überbewertet wird, aber das man auch wirklich, wenn man mit seinen Freunden da ist, Spaß haben kann.

    Liebe Grüße
    Luisa von https://www.allaboutluisa.com/

    1. Hi Luisa,

      danke das freut mich sehr, wenn ich etwas Neues teilen konnte. Es ist auch ein Format, das ich bei Anderen total gerne mag :)

      Heute war ich bei bestem Herbstwetter laufen und habe mal wieder festgestellt wie gerne ich das mache. Es tut einfach der Seele gut!
      Hab noch einen schönen Herbst!

  3. Liebe Masha,

    Ich frage mich auch manchmal, warum du nicht mehr Follower hast oder mehr likes unter deinen Bildern. Das hättest du definitiv verdient, weil man die Arbeit und liebe spürt, die du in deine Bilder steckst.
    Beim lesen dieses Beitrags ist mir jedoch ein Gedanke gekommen: was dich von vielen unterscheidet ist, das deine likes unter deinen Bildern, wenigstens ehrlich sind und genauso von Herzen kommen, und keine flotten dubble tabs sind, wie bei sehr vielen anderen.
    Viel auf Instagram ist einfach nur noch schneller Konsum, dein Profil finde ich dazwischen immer entschleunigend und schaue mich dort gerne um und zeige es sogar meinen Freundinnen, die dich oft nicht kennen. Ich habe das Gefühl, deine Community ist vielleicht kleiner, dafür steckt da aber für uns eine ganz andere Verbundenheit hinter, die ehrlich interessiert an dir ist und nicht nur einem populären Trugbild nachrennt. Und das ist doch viel mehr wert, als eine hohe Zahl, oder?

    Liebe Grüße und viel Liebe,
    Steffi

    1. Hi Steffi,

      erstmal: vielen Dank, dass du mich sogar in deinem Freundeskreis supportest und für die lieben Gedanken, die du mir hinterlassen hast.
      Ich LIEBE meine Community und mir ist auch schon höufiger der Gedanke gekommen, dass ich stolz sein kann auf meine informierte und kluge Community, die sich nicht nur mit mir sondern allgemein wesentlich intensiver mit Themen auseinandersetzen. Das macht mich echt stolz.

      Das Problem ist auch weniger die Community oder die Zahl, sondern dass mein Content den Menschen, die mir bewusst folgen oft einfach nicht angezeigt wird – und das ärgert mich einfach :/ Ich bekomme häufig Nachrichten/Beschwerden, dass mein Content einfach nicht auftaucht und viele deswegen direkt auf mein Profil gehen. Wenn er nicht ausgespielt wird, kann er entsprechend auch nicht von Anderen entdeckt werden. Das nervt :(

      Ganz viel Liebe und vor allem Dankbarkeit zurück!

      xx
      Masha

  4. Hi Masha, ich kann deine Sorgen total nachvollziehen. Ich habe etwas gelernt: Der Vergleich mit anderen wird dich nie glücklich machen. Er kann dich vllt anspornen, aber oft läuft man Gefahr sich selbst schlecht zu fühlen oder dem anderen Gegenüber Neid. Der Ansatz der Stoiker hilft mir total: Sorge dich nur um das, was du kontrollieren kannst. Kannst du kontrollieren, wie erfolgreich andere sind? Nein. Kannst du kontrollieren, wie erfolgreich du bist? Nur bedingt. Bleib dir treu und du bist immer im Reinen mit dir. Wichtig ist, dass du gesund bist, deinen Partner hast und genug Geld um hoffentlich gut zu leben. Ich glaube, die 3 Dinge sind dir gegeben, also weitermachen:)

    1. Ja, es ist auch wirklich ein absolutes Luxusproblem und ich bin dankbar für unheimlich viele Dinge.

      Es ist halt einfach ärgerlich, weil einem das Gefühl vermittelt wird, man könne es durchaus kontrollieren, aber de facto ist man ausgeliefert. Und das nervt unheimlich!