Nein heisst Nein!

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Ich bin wütend. So wütend sogar, dass mir fast die Worte fehlen, angesichts der Ungerechtigkeit, die aktuell in Berlin passiert.
Ich weiss grade gar nicht, ob ihr es mitbekommen habt, aber zur Zeit findet der Prozess um Gina Lisa und ihrer mutmasslichen Vergewaltigung statt. Der Prozess zog sich jahrelang hin, nun hat das Gericht das Opfer der Vergewaltigung wegen Falschaussage bestraft und zu einer Geldstrafe verdonnert. So weit, so schlecht. Wenn da nicht noch eine Sache wäre…
Von dieser „angeblichen Vergewaltigung“ existiert ein Video, das man sich auf einschlägigen Seiten noch immer anschauen kann. Und für mich ist die Sache klar: in dem kurzen Video sagt sie „Hör auf“, dann etwas deutlicher „Hör auf!“, den Männern scheint das egal zu sein. Sie machen einfach weiter. „Laber nisch rum!“ meinte der eine nur noch. Dann versuchen sie, sie auf andere Weise zum Schweigen zu bringen.
 
Klar, Frau Lohfink hat nicht grade den besten Ruf vorzuweisen, doch für mich bestehen an dem „Hör auf!“ (und in den 30 Sekunden sagt sie es immerhin 2 Mal!) keine Zweifel, denn „Hör auf!“ bedeutet nun mal, dass die Männer aufhören sollen, sowie „Nein!“ eben „Nein!“ bedeutet in solch einem Fall. Schlechter Ruf hin oder her, aufreizende Kleidung oder Pornomesse macht sie (und jede andere Frau) nicht gleich zu Freiwild.
Oder wie war das noch mal mit der selbstbestimmten Sexualität?

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Traurig aber wahr:

Tatsache ist, dass nur 8% der Anzeigen auch zu einer Verurteilung führen. 8 Prozent! Von 100 vergewaltigten Frauen werden nur 8 Täter verurteilt – und das nicht grade aufs Härteste.
 
Liebe Strafverfolgung, ist das euer Ernst??
 
Nicht selten steht die Frau als Lügnerin da – wie im Falle der Gina Lisa. Aber jeder mit ein bisschen Verstand sieht doch noch, wie sie ihren Kopf versucht wegzudrehen und „Hör auf“ sagt, als einer der Typen versucht ihr seinen Penis zwischen die Zähne zu schieben. Für mich sieht der Akt nicht nach Einverständnis aus, sondern tatsächlich eher so, als wäre sie nicht ganz da gewesen, wie benommen, aber eben auch wissend, dass sie den Akt sicherlich nicht will. Doch scheinbar sieht die Staatsanwältin anders. Einen sarkastischen Spruch spare ich mir besser an dieser Stelle.
 
Ich frage mich, wie ein „Hör auf“, aufgenommen auf einem demütigenden Video nicht als Beweis reichen kann? Wie kann es denn sein, dass das Opfer erstmal nachweisen muss, dass es tatsächlich Opfer geworden ist? Was ist, wenn das Opfer durch KO-Tropfen oder aus einem anderen Grund nicht in der Lage war sich zu wehren?
Dadurch ist es nicht weniger eine Vergewaltigung! Und sollte sich das Opfer wehren, damit es nicht zur Vergewaltigung kommt, ist es dann noch Notwehr oder schon Körperverletzung, die Richter als nicht angemessen betrachten? Ok, diesen sarkastischen Spruch konnte ich mir nun nicht mehr verkneifen.
 
Schließlich gilt auch bei Vergewaltigungsvorwürfen „im Zweifel für den Angeklagten“, doch welcher Zweifel besteht denn bitte noch bei einem Videobeweis und einer vorangegangenen Klage der sexuellen Nötigung bei einem der Angeklagten?
Wenn selbst in solchen Fällen zugunsten des Angeklagten entschieden wird, dann sehe ich schwarz für unser Rechtssystem. Schließlich sind grade Vergewaltigungsfälle ein besonders sensibles Thema, und man sollte bedenken, dass sich viele Frauen gar nicht erst zur Polizei trauen, vielleicht aus Angst vor der Demütigung, vielleicht aus Angst vor dem Täter. Wenn jetzt Frauen in Zukunft sogar Angst haben müssen selbst bestraft zu werden, wird die Dunkelziffer vermutlich noch viel höher werden.

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Nein heisst Nein
Das Problem ist das Gesetz: Eine Vergewaltigung wird erst als solche akzeptiert, wenn es nachvollziehbare Spuren gibt, beispielsweise Anzeichen, dass sich das Opfer gewehrt hat oder klare Anzeichen, die mit Körperverletzung einhergehen.
Frauenrechtlerinnen kämpfen seit Jahren für ein schärferes Gesetz, sodass in Zukunft ein klares Nein ausreicht, um den sexuellen Akt abzulehnen – und stoßen bis heute auf viel Gegenwehr, auch wenn mit etwas Glück ein neues, moderneres Gesetz von der EU verabschiedet wird. Irgendwann. Vielleicht.
Dennoch: wir leben im Jahr 2016! In Deutschland!!
Man müsste sich doch eher fragen: warum wurde so ein Gesetz noch längst nicht verabschiedet? Warum muss man erst, wie im Mittelalter, mit körperlicher Gegenwehr, bekunden, dass man etwas nicht möchte? Warum reicht ein klares NEIN noch nicht aus?
 
Angela Doe, Julia Schramm und viele Andere hatte damals auf das Thema schon mal aufmerksam gemacht und obwohl Frauen immer wieder daran erinnern, stößt das Thema noch immer auf taube Ohren. So wie es scheinbar ein Nein noch zu häufig tut.
Denn so lange nicht härter durchgegriffen wird, so lange ist unser Land ein Paradies für Vergewaltiger.
So lange werden Vorfälle wie in Köln straffrei bleiben.
So lange werden sich Frauen noch immer die Schuld für eine Vergewaltigung selbst geben.
So lange ist keine von uns sicher, weder die Freundin, die Frau oder die Tochter.
So lange werden sich diejenigen mit ihren Taten brüsten und am Stammtisch von diesem einem Mädel erzählen, dass sich am Anfang etwas zierte, aber am Ende doch Gefallen daran fand und der er es so richtig gezeigt hat.
So lange es keinen öffentlichen Druck gibt!

 
 
Gina Lisa, ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut die kommende Zeit durchzustehen!
Halte durch! Wir alle sind mehr als nur Puppen!

 
#NeinheisstNein

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Juni 5, 2016
Category - sonntagspost

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