So geht es mit dem Influencer Marketing weiter.

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1. Wird sich die Spezialisierung der Branche (beispielsweise in Everyday Influencer, Micro-Influencer, Category Influencer, Star Influencer) noch weiter fortsetzen?
Da der Markt für Influencer immer gesättigter und dadurch immer unübersichtlicher wird, ist eine Spezialisierung und Einteilungen nicht nur für Influencer, sondern auch für mögliche Kooperationspartner wichtig. Grundsätzlich sollte man sich auch als Influencer über seine Nische klar sein, auch um seine Zielgruppe definieren zu können und sich in diesem Pool aus Influencer-Gesichtern abgrenzen zu können. Insofern wäre meine Prognose ein klares Ja.
 
2. Wird diese Art des Marketing nach den gängigen Segmenten wie Beauty, Mode, Lifestyle, Fitness etc. nun auch für weitere Branchen oder neue Bereiche wie B-to-B oder mittelständische Unternehmen interessant? Kommen vielleicht bereits vermehrt Anfragen aus Bereichen (Mittelständler, regionale Unternehmen), die sich bisher nicht an Influencer herangewagt hätten?
Selbstverständlich orientieren sich auch viele Unternehmen an ihren Konkurrenten und auch dank der Presse, die das Thema Influencer immer öfter aufgreift, haben Unternehmen die Bedeutung und die Chancen des modernen Influencer Marketings verstanden. Jedoch herrscht grade in diesem Bereich noch eine große Unsicherheit und viele Unternehmen haben zwar das Gefühl, sie „müssten jetzt auch mal was mit Influencern machen“, aber sind ziemlich orientierungslos. Gerade diese Unternehmen haben aber viel Potential durch Influencer-Marketing zu wachsen und eine starke Bindung aufzubauen. Für diese Unternehmen kann es Sinn machen, erste Schritte in Zusammenarbeit mit Agenturen zu machen, um sich an das Thema heranzutasten.
 
3. Die vielzitierte „Authentizität“ der Influencer wird von Kundenseite her bislang häufig von Faktoren wie zu strikten Vorgaben oder zu starkem Einfluss auf den Content geschmälert, der Sinn eines solchen Auftritts damit natürlich ad absurdum geführt. Wie stehen die Chancen, dass Influencer mehr Einfluss auf die Gestaltung des Contents ausüben dürfen, vielleicht auch schon zu einem früheren Stadium der Konzeptentwicklung hinzugezogen werden? Sind die Kunden möglicherweise auch inzwischen eher bereit, an Kontrolle abzugeben?
Authentizität ist das Zauberwort in der Branche und ähnlich wie viele Unternehmen mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis werben, tun Influencer das mit ihrer Authentizität. Leider ist es aber bei Influencern schwieriger zu prüfen, wie authentisch sie tatsächlich sind. Dafür müsste man überprüfen, wie die Reichweite aufgebaut wurde, wie hoch das Engagement der Follower ist, wie hoch die Sales sind und wie intensiv der Follower dem Influencer folgt. Da spielt aber auch Alter eine entscheidende Rolle. Doch grundsätzlich kann man sagen, dass der Influencer seine Follower am besten kennt und weiss, wie er sie von dem Produkt überzeugen kann. Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass der Influencer in seiner Sprache bleibt, führt aber auf der anderen Seite manchmal zu absurden oder teils auch lieblosen Umsetzungen. Deswegen ist es wichtig, dass beide Seiten von Anfang an gemeinsam an der optimalen Umsetzung arbeiten und sich gegenseitig Ideen zuspielen. Nur dann kann es zu einer erfolgreichen und fruchtbaren Kooperation kommen – für beide Seiten.
 
4. Allgemein: Wie wird sich das Honorargefüge im Influencer-Business entwickeln? Werden die Preise für die bekannten Namen weiter steigen? Und wie wird sich die Entlohnung der „kleineren“ Influencer entwickeln, die bislang ja häufig mit Produkten bezahlt werden? Ist hier ein Umdenken der Unternehmen zu bemerken?
Zwar werden die Budgets immer höher, da es immer mehr Influencer gibt, werden die Budgets für den einzelnen nicht immer weiter steigen, sondern vermutlich stagnieren bzw. fallen. Ich denke es wird bei der Budgetvergabe immer wichtiger werden, dass der Influencer auch wirklich zur Marke passt. Davon werden Microinfluencer, die vorher mit Produkten abgespeist wurden, stark profitieren, wohingegen große Namen vermutlich Einnahmen einbüßen müssen, da sie, wenn die reine Followerzahl nicht mehr im Vordergrund steht, etwas an Attraktivität für Brands verlieren.
 
5. Was bedeutet die zunehmende Professionalisierung für die Ausbildung der Influencer? Aktuelles Beispiel: Deichmann hat soeben einen „Influencer Club“ gegründet, der seinen Mitgliedern auch Workshops und Seminare anbieten will. Aber wären nicht auch unternehmensunabhängige Angebote wichtig, um künftigen Nachwuchs entsprechend auf die neuen Anforderungen vorzubereiten?
Prinzipiell finde ich es eine gute Idee Influencer, mit denen man zusammenarbeitet zu fördern und ihnen zu zeigen, wie sie ihren Content besser streuen können. Davon profitieren beide Seiten und es ist ein cleverer Schachzug von Deichmann, denn hier bauen sich zwei Seiten gegenseitig auf und lernen voneinander.
Was unternehmensunabhängige Seminare angeht, so haben diese Angebote zwar ihre Daseinsberechtigung, aber es sind auch viele fragwürdige Angebote dabei, die den Teilnehmern nur wenig nützliches Wissen vermitteln und nur ein wenig an der Oberfläche kratzen. Doch mit der Zeit wird sich auch hier die Spreu vom Weizen trennen. Ich führte mal einen Workshop in der AMD und meinen Studenten habe ich in erster Linie rechtliche Grundlagen beigebracht und Grundlagen in Sachen SEO und HTML – also eher grundlegendes Wissen, dass sie auch berufsübergreifend gut begreifen können und das oft unterschätzt wird.

 
6. „Reichweite“ ist bekanntlich ein zweischneidiges Schwert – zumal es die Algorithmen von Instagram & Co den Influencern wahrlich nicht leicht machen. Zählt Reichweite trotzdem bei den Kunden nach wie vor am meisten – oder setzt schon ein Umdenken ein?
Reichweite ist nach wie vor wichtig – und wird es auch bleiben. Doch genauso wichtig ist: wie kam die Reichweite zustande und welche Zielgruppe erreicht man überhaupt? Es ist klar, dass eine jüngere Zielgruppe mehr liked und sich intensiver mit seinem Idol beschäftigt als eine ältere Zielgruppe. Letztere hat dafür aber in der Regel eine höhere Kaufkraft und ist deswegen häufig relevanter für Marken und Werbetreibende. Neben der Größe der Zielgruppe ist auch ihr Interessenbereich entscheidend, sprich: interessiert sich der Follower auch für mein Produkt? Deswegen werden Micro- und Nischeninfluencer immer spannender für Unternehmen. Sie haben eine höhere Glaubwürdigkeit, ein hohes Engagement in ihrer Zielgruppe und können sich klar definieren. Dennoch wird der Faktor Reichweite immer wichtig bleiben, auch wenn er nicht mehr der alleinentscheidende Faktor für eine Kooperation ist.
 
7. Wie hat sich das Thema Kennzeichnungspflicht auf die Leserschaft ausgewirkt? Hat sich die Resonanz auf Posts seither verändert?
Ich habe die Erfahrung gemacht, die die Resonanz auf werbliche Posts genauso gut sein kann, wie auf persönliche Posts. Ich denke das lässt sich darauf zurückführen, dass mir meine Kooperationspartner viel Gestaltungsraum in der Umsetzung geben. Dadurch fügen sich auch diese Posts gut zwischen meinen anderen persönlichen Inhalten ein und kommen deswegen genauso gut an. Genau deswegen habe ich eingangs erwähnt, dass ich es für wichtig halte, dass Influencer möglichst frühzeitig in die kreative Kampagnenentwicklung eingebunden werden, um möglichst authentische Inhalte zu generieren.
 
Schwierig dagegen finde ich die Tatsache, dass es keine klare Regel der Kennzeichnung speziell für Influencer gibt. Dadurch herrscht eine große Unsicherheit in der Branche. Wie kennzeichnet man richtig? Was muss man kennzeichnen? Teilweise führt es dazu, dass einige Influencer einfach ALLES als Werbung kennzeichnen, egal in welchem Bezug sie zu dem Produkt stehen. Doch auch das ist eine negative Entwicklung, denn wenn welche Bedeutung hat die Markierung der Werbung noch, wenn alles Werbung ist, egal ob man für diese Kooperation bezahlt wurde oder sich das Produkt selbst gekauft hat? Auch Follower finden das mehr verwirrend als eindeutig. Es ist daher sehr wichtig, dass Influencer klare rechtliche Strukturen und Grenzen haben, in denen sie sich bewegen können.
→ zwar wird dieser Punkt nicht in Frage aufgegriffen, aber ich finde es ist trotzdem ein wichtiges Thema.
 
8. Allgemeine Einschätzung: Wird es mittelfristig „hauptberufliche“ Influencer geben, die von ihrem Job tatsächlich auch leben können – oder werden die meisten doch mehrgleisig fahren müssen?
Ich bin nun seit 5 Jahren hauptberufliche Influencerin und bin zuversichtlich, dass ich diesen Job noch einige weitere Jahre machen kann, deswegen bin ich überzeugt davon, dass es in Zukunft auch Andere geben wird, die auch mittelfristig den Job machen können. Aber um dauerhaft auf dem Markt zu bleiben, braucht es mehr als eine Präsenz auf Instagram. Man muss immer mit der Zeit gehen, Trends schnell begreifen und umsetzen können und sich breiter positionieren, sprich: Influencer auf Instagram ist in der Tat kein langfristiges Arbeitskonzept. Ich führe beispielsweise einen reichweitestarken Blog, habe einen Youtubekanal, einen Podcast und habe noch viele Ideen, um auch in Fernsehen und Print mehr Präsenz zu zeigen. Doch selbst dann ist die Langfristigkeit natürlich nicht garantiert, deswegen sollte sich jeder Influencer Gedanken machen, wie er auch über seine digitale Präsenz hinaus langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein will.
 
Natürlich gibt es keine Zauberformel für langfristigen Erfolg, denn am Ende ist die Tätigkeit eines Influencers auch nur eine Selbstständigkeit, die mit den entsprechenden Risiken verbunden ist, doch in Zeiten der Digitalisierung ist die Frage wer schon mit Sicherheit sagen kann, dass er in 15 Jahren noch denselben Job machen wird.
 
 
Danke W&V für das spannende Interview

März 6, 2018
Category - Unkategorisiert

9 Kommentare

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  1. Liebe Masha,
    ich habe einen Blog für die Ü40 Frau. Seit fast 6 Jahren schreibe ich über Fashion, Beauty und Dinge für die man sich als erwachsene Frau interessiert. Als ich mit meinem Blog gestartet habe, gab es kaum Ü40 Blog. Ebenso hat sich kaum eine Firma/Agentur für uns ,,alten“ Blogger interessiert. Zum Glück hat sich da in den letzten Jahren einiges getan. Auch Marken möchten mit uns zunehmend arbeiten. Leider noch nicht so, wie ich es mir wünsche. Obwohl die Zielgruppe der Labels eigentlich meine Generation ist, werben sie lieber mit jungen. Dabei haben haben wir eher das Geld und investieren in Luxusmarken. Hier wünsche ich mir noch mehr Umdenken.

    Ebenso würde ich mir wünschen, dass die Agenturen bei der Bloggerauswahl der Kooperationen näher hinschauen. Dank SocialBlade und likometer kann man gut erkennen wer Follower kauft. Das Erschreckende ist, dass es fast alle tun. Egal ob ein bescheidener Hausfrauen-Blog oder die ,,großen“ jungen Bloggerinnen, die bei der FashionWeek in der ersten Reihe sitzen. Für die Influencer auf Instagram, die ehrlich bleiben wohlen, gibt es fast kein Wachsen. Zumindest nicht im Verhältnis zu den Accounts, die alle paar Tage fleißig einkaufen. Doch zumindest kann ich auf meine Follower stolz sein, sie sind alle ,,echt“.
    Lieben Gruß Claudia

  2. Ein interessantes Interview ;-) Beruhigend, dass diese Instagram Filterblase eines Tages zu platzen droht. Ich habe mir neulich ein Tool angeschaut, wo man erkennen kann, wie engangiert diese sogenannten „Influencer“ auf Instagram tatsächlich sind.

    Viele der deutschen Influencer hatte ich noch nie gehört geschweige denn gesehen. Aber was man hier ganz klar erkennen konnte war, dass das fast alles Teenies waren! Ich dachte nur so: „Ojé, unsere Jugend wird nie wieder etwas Vernünftiges lernen, weil sie alle denken, dass sie mit Instagram reich & berühmt werden“

    LG, Franny

  3. Sehr interessante Gedanken! Ich lese irrsinnig gerne deine verlinkten Artikel in „branchentypischen“ Publikationen wie dem Business of Fashion, weil ich hier objektive Einschätzungen und Analysen finde. Sehr spannende Themen für mich!
    Ich finde übrigens deine Themenwahl für den Workshop, nämlich Recht, SEO und HTML, exzellent und essentiell – alles andere kann man sich auch selbst zusammensuchen, aber das sind echte Kernthemen, auf denen wirklich jede/r Teilnehmer/In firm sein sollte!