Zurück zur Besinnung.

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“We are in the middle of a climate crisis, so we have to act now and act urgently,”

Cecilie Thorsmark, CEO of Copenhagen Fashion Week

Zwei Mal im Jahr steht bei mir Kopenhagen auf dem Kalender, selbst in Zeiten, in denen ich mich auch der Mode wieder mehr zurückziehe, freue ich mich immer wieder auf Kopenhagen als mein modisches Zuhause. Es wundert mich also nicht, dass ich ausgerechnet in Kopenhagen erneut festgestellt habe, wie sehr ich Mode doch liebe. Ich akzeptiere diesen Teil auch endlich wieder mehr bei mir, weil ich verstanden habe, dass er mich nicht definiert, sondern prägt.

Ist es wirklich so verwerflich sich für etwas so oberflächliches wie Mode zu interessieren und sogar begeistern zu können?

JA, ich schaue mir gerne schöne Kleidung an – und trage sie auch gern.

Das Problem an der Mode ist ja auch nicht die Kunstform an sich, sondern die Verschwendung von Ressourcen und der Schaden, den es für die Umwelt nimmt durch den unsinnigen Konsum und kurzlebigen Trends, die Mode in den letzten Jahren zu dem machten, wofür es eigentlich nie bestimmt war:
Ein Wegwerfprodukt.

Dies ist die Schattenseite der Mode, deswegen war ich umso entzückter, als ich mitbekommen habe, dass das Copenhagen Fashion Council beschlossen hat, dass Modelabels, die an der Fashion Week teilnehmen wollen, bis 2023 ambitionierte Ziele der Nachhaltigkeit erfüllen müssen, damit zumindest die dänische Mode die Umwelt nicht mehr belastet. Vieles wird von Labels wie Ganni, Baum & Pferdgarten bereits heute umgesetzt und auch Plastikflaschen sind in Copenhagen auf der FW verboten, doch mit dem 17-Punkte Plan* etabliert sich die CPHFW ganz offiziell als erste „grüne“ Fashion Week und weist damit den Weg in die Zukunft. Das ist ein fantastischer, neuer Ansatz und inspirierte mich, nicht nur in Zukunft selbst mehr auf nachhaltige Labels zu setzen, sondern vor allem auch auf Second Hand.

In den letzten Jahren habe ich mich kaum für Second Hand begeistern können, aber jetzt, wo sich gefühlt jedes Jahrzehnt zigmal wiederholt hat, ich meinen Stil nun gut kenne, habe ich plötzlich richtig Lust auf Vintage Mode bekommen. Das liegt nicht zuletzt am Zeitgeist:

Vintage ist Trend.

Diesen Trend haben nicht zuletzt auch Meghan Markle und Kim Kardashian geprägt, die bereits bei wichtigen Events wie der Fashion Week oder Awardsshows Second-Hand Pieces getragen haben und damit ein Signal gesetzt haben. Ob sie auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam machen wollten, halte ich persönlich nicht unbedingt für allzu wahrscheinlich, doch in jedem Fall hat es den positiven Effekt, dass das Vintage Image endlich mal entstaubt wurde. Ähnlich sieht es übrigens auch Off-White Designer Virgil Abloh.
Als man ihn nach der Zukunft der Streetwear fragte, sagte er:

„I would definitely say it is gonna die, you know? In my mind, how many more T-shirts can we own, how many more hoodies, how many sneakers? There are so many clothes that are cool that are in vintage shops and it’s just about wearing them.”

Das hat auch Edward Enninful erkannt, der Chefredakteur der British Vogue, der eine Vintage Chanel Jacke auf das Cover gestylt hat mit der Begründung:

“I wanted to put a vintage Chanel jacket on the cover of Vogue because I feel that, with the global climate crisis, we all have to do what we can to contribute to the conversation around sustainability,”.

Manche mögen das für nicht allzu innovativ halten, doch man darf nicht vergessen: Nichts ist so nachhaltig wie etwas weiterzuverwenden, das es bereits gibt, ergo ist Vintage Fashion die nachhaltigste Form der Mode. Mich inspirierte das selbst auch ein bisschen zu graben und so wanderte eine Vintage Chanel Tasche und eine Vintage Chanel Wollhose in meinen Besitz, nachdem ich mich einige Monate zuvor für eine Vintage Rolex und einen Vintage Celine Mantel erwärmen konnte.
Diese Teile sind absolut zeitlos und damit nie out of Fashion und das gute Gefühl etwas für die eigene Umweltbilanz getan zu haben und zugleich ein exklusives Schnäppchen gemacht zu haben, bekommt man obendrauf.

Dass nun ausgerechnet Vintage der neue Trend ist, finde ich deswegen umso besser, wenn auch irgendwie paradox.

Doch vermutlich ist es genau das, was mich an der Mode immer wieder fasziniert: sie wird nie langweilig.

*17-Punkte Plan

Februar 16, 2020

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3 Kommentare

  1. Liebe Masha,

    Danke für diesen Beitrag! Ich finde es super, dass es eine Fashion Week gibt, die sich dem Thema annimmt und versucht umweltbewusst und nachhaltig zu sein. Gerade bei solchen Großveranstaltungen ist das nicht einfach.
    Ich finde es auch nicht schlimm, sich für „so etwas oberflächliches“ wie Mode zu begeistern. Das heißt ja nicht, dass man sich nur mit oberflächlichem beschäftigt. UND Mode kann ja auch tiefer gehen, wenn man auf Produktionsbedingungen achtet und so weiter…
    Vintage / Second Hand ist seit Jahren meine liebste Einkaufsart für Kleidung. Man kann richtige Schätze entdecken und ich freue mich immer besonders ein schönes Teil ergattert zu haben.

    Liebe Grüße,
    Fiona

  2. Liebe Masha
    Wenn Du wirklich etwas für die Umwelt tun willst, dann lass Dein altes Leben hinter Dir. Heuer im nächsten Supermarkt an und probier mal damit Deine Rechnungen zu bezahlen. Du bist in den letzten Jahren So viel geflogen hast so viel konsumiert wie ich und die meisten Deiner Leser es in Ihrem ganzen Leben nicht schaffen.
    Also zieh nen Schlußstrich und tu was für Deine Umwelt. Das Leben, dass Du lebst hat nichts aber auch gar nichts umweltbewusstes an sich.
    Du schriebst mal “ Hey ich flieg jetzt nicht mehr 50 mal sondern nur noch 30 mal Pro Jahr “ ( So oder so ähnlich — Die Message aber die da hinter steckt ist das eigentliche Problem. ) Du bist so boniert geworden, dass ich kotzten könnte.

    So und nun verabschiede ich mich von Deinen Blog, den ich in den letzten Jahren so geliebt hab ! Du wirst mich hier NIE wieder sehen.
    Steffi

    1. Liebe Steffi,

      schade, dass du das so siehst. Am Ende sind es Kommentare wie dieser, die einen wieder mutlos machen und das Gefühl geben, dass man, egal wie man es macht, macht man es doch nicht richtig. Soll man also gar nicht über das Thema Nachhaltigkeit sprechen? Es wäre sicherlich der einfachere Weg. Ich bin mir sicher, du machst es viel besser als ich, verzichtest mehr, verreist nicht, isst vegan und produzierst keinen Müll und fährst mit dem Fahrrad und arbeitest für einen fairen Arbeitgeber. An diesem Punkt bin ich in der Tat noch nicht, aber boniert oder nicht, ich arbeite daran mit vielen bewussten Entscheidungen, die ich im Alltag fälle. Aber ja, ich denke, wenn DAS dein Anspruch ist, dann kann ich ihm nicht gerecht werden und dann ist mein Blog für dich der falsche Ort. Alles Gute für die Zukunft!