Grundsätze einer FreundschaftAll shades of friendshipО дружбе

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„In einer Freundschaft sollte man Prioritäten setzen. Mir sind meine Freunde wichtiger als mein Job. Ich würde auf jeden Fall einen wichtigen Job canceln, wenn ich wüsste, dass meiner Freundin ein Treffen mit mir wichtig ist und wir das schon ewig geplant haben!“
 
„Echt? Nein, ich würde den Job annehmen und das Treffen verschieben! Meine Priorität liegt ganz klar bei mir und meinem persönlichen Vorankommen und ich würde erwarten, dass meine Freundin Verständnis zeigt, so wie ich niemals erwarten würde, dass meine Freunde ihren Job oder eine tolle Gelegenheit sausen lassen für ein Treffen mit mir. Ich möchte, dass sie sich entfalten können und ihnen alle Freiheiten dafür geben und ihnen stattdessen lieber den Rücken stärken..“
 
„Ja, aber ich muss mich auf meine Freunde verlassen können. Das ist das Problem an unserer Gesellschaft: jeder sucht nur noch die nächstbeste Gelegenheit und keiner legt sich wirklich fest und hält seine Versprechen ein.“
 
„Naja, man kann ja befreundet sein ohne an Bedingungen geknüpft zu sein und stattdessen spontan bleiben. Ich würde in einer Freundschaft niemals meine persönlichen Bedürfnisse nach Nähe über die Freiheit und Entfaltung meiner Freunde stellen und erwarte wiederum, dass es es auch verstehen, wenn ich mir meine Freiheit nehme mich dahingehend zu entscheiden. Bin ich dadurch eine schlechte Freundin? Eine Freundschaft sollte nicht einengen, sondern auf gegenseitigem Verständnis beruhen. Ich will doch Niemanden zu etwas zwingen, wenn es grade nicht passt. “
 
„Hättest du auch unseren Trip einfach abgesagt?“
„Unter bestimmten Umständen?“

Ich sehe den Schock in ihren Augen. Sie ist sprachlos. Ich zucke die Schultern. Für mich ist das keine allzu große Sache. Hätte ich etwa lügen sollen? Ehrlichkeit ist schließlich auch so ein Baustein einer Freundschaft – vor allem dann, wenn sie einem nicht passt.
 
Jana und ich hatten gestern eine interessante Grundsatzdiskussion zum Thema Freundschaft und Prioritäten. Denn obwohl wir befreundet sind, ticken wir in vielerlei Hinsicht komplett unterschiedlich, ohne dass man sagen könnte, dass einer Recht hat bzw. der Andere Unrecht. Bestes Beispiel: Ich finde das Thema spannend – sie sagt es führt ins Nichts. Es ist beides richtig. Auch in Sachen Freundschaft sehen wir die Dinge teilweise unterschiedlich.
Automatisch poppt die Frage auf: Bin ich eine egoistische Freundin – oder ist sie es?

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Was mich angeht: ich habe meine Freunde früher immer an allererste Stelle gestellt, einfach alles gemacht – und wurde mehr als nur einmal enttäuscht. Dahingehend würde ich sagen habe ich mich einfach den Situationen angepasst, denn wenn man nichts erwartet wird man nicht enttäuscht und so hat auch jeder seine Freiheit. Ich genieße die Vorteile einer solchen Freundschaft mittlerweile sehr und könnte mit Niemandem befreundet sein, der nach viel Aufmerksamkeit verlangt. Eine Freundschaft hat für mich nichts mit Verpflichtungen zu tun. Mir sind dafür andere Dinge wesentlich wichtiger zB. Dankbarkeit (ich hasse es, wenn für Jemanden alles selbstverständlich ist), Ehrlichkeit und Loyalität. Das ist die für mich die Basis einer Freundschaft. Sagt mir eine Freundin spontan ab? Kein Problem! Auch dann, wenn es eine gemeinsame, bereits gebuchte Reise ist. Dinge passieren eben. Dann bucht man eben um und selbst wenn meine Freunde dann noch absagen würden, wäre ich nicht sauer, sondern wüsste für die Zukunft einfach nur: spontan buchen. Aber das mache ich ja eh schon. So ist mein Leben eben: es ergibt sich eine Gelegenheit nach der Anderen. Ob ich dadurch auch meine Freunde als Gelegenheiten betrachte? Absolut nicht.
 
Man muss vielleicht auch dazu sagen, dass sich meine Freundschaften auch dahingehend verändert haben: die meisten meiner Freunde sind ebenfalls selbstständig und haben einen unvorhersehbaren Lifestyle. Man lebt halt in den Tag hinein und schaut eben, dass man Zeit miteinander verbringt, wenn es grade passt. Meine Freunde und ich haben üblicherweise Verständnis für die Lebenssituation des Anderen und tatsächlich ist es nicht einfach solche Freunde zu finden – und zu halten. Aber es geht und deswegen bin ich auch besonders stolz auf meine Mädels, die jede Gelegenheit beim Schopf packen und das Beste draus machen. Ich begleite sie einfach dabei und sehe mich selbst als Backup. Trotzdem kann ich es verstehen, wenn Andere ihre Prioritäten anders setzen. Am Ende sind solche Diskussionen immer situationsabhängig, nur die Grenzen verschieben sich.
 
Ich glaube hier gibt es kein richtig oder falsch, nur ein entweder oder.
Wie seht ihr das?
Team Masha oder Team Jana?

‘In a friendship it’s important to set priorities. My friends are more important to me than my job. I would definitely cancel an important job if I knew that my friend would really love to meet me and that we have planned it for a long time!’
 
‘Really? No, I would take the job and move the meting! My priority is definitely my personal progress, and I would expect my friend to understand that. I would also never expect my friends to miss out on jobs or great opportunities just to meet up with me. I would like them to rally do their thing and give them the freedom to do so. I would support them.’
 
‘Ok, but I have to be able to rely on my friends. The problem in our society today is that everyone is chasing the next best opportunity, ad no one seems to be able to really commit to anything or toi keep promises anymore.’
 
‘Well, it’s also possible to be friends without tying that to conditions, you can remain spontaneous. I would never put my personal need for closeness above the freedom and development of my friends, and expect the same from them when I make a decision. Does that make me a bad friend? Friendship should not be restrictive, it should be built on mutual understanding. I wouldn’t want to force anyone to do anything that does not work for them.’
 
‘Would you also have cancelled our trip?’
‘Under certain circumstances?’

 
I see the shock in her eyes. She is speechless. I shrug my shoulders. Not that big a deal in my opinion. Should I have lied? Honesty is another one of those fundamental building blocks of friendship – especially when it’s difficult to tell the truth.

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Jana and I had an interesting discussion about some fundamental aspects of friendship and priorities yesterday. We are friends despite the fact that we are completely different in many respects. There’s no judgement involved here, we just work differently, no one is right or wrong. Best example is our discussion: for me it’s a super interesting subject to chat about – Jana says it leads nowhere. Both perspectives make sense. We also have different points of view regarding some aspects of friendship. And automatically the question pops up: am I an egoistic friend? Or is she?
 
As for me: I used to make my friends my absolute top priority, I walked through fire for them – and was disappointed more than once. In a way I guess I adjusted my outlook. Without expectations you can’t be disappointed, and everyone has their freedom. I enjoy the advantages of such friendships a lot, and at least right now I don’t think I could be friends with someone who constantly needs a lot of attention. Friendship and obligation are mutually exclusive for me. For me, other things are important, like gratitude and appreciation (I hate it when someone takes everything for granted), honesty and loyalty. Those aspects form the basis of friendship for me. My friend cancels our meeting last minute? No problem! Even if it’s a trip we planned together and that we already booked. Stuff happens. I change your booking, and when the friend cancels the next date as well I’ll know that it’s better to book spontaneously with her instead of planning ahead. My life is pretty much like that: opportunities pop up, one after the other. Does that mean I see my friends as disposable opportunities? No way!
 
I have to add that this is also reflected in my circle of friends, most of whom are self-employed as well and live unpredictable lives. You live your days and see when there’s an opportunity to hang out. My friends tend to understand each others situation pretty well. It’s not easy to find people like that and to keep them in your life. But it is possible, and that makes me even more proud of my girls who make the best of the opportunities that come up for them, and really go for it. I support them, and see myself as their backup. But I can also understand it when others set their priorities differently. In the end it always depends on the concrete situation, and the differences are more often gradual than fundamental.
 
I don’t think there’s a right or wrong in this. It’s either / or.
What’s your take on it all?
Team Masha or team Jana?

«В дружбе важно правильно расставить приоритеты. Для меня мои друзья важнее, чем моя работа. Я в любом случае отложила бы важную работу, если бы знала, что для моей подруги встреча со мной очень важна, и эту встречу мы запланировали уже целую вечность назад!»
 
«Правда? Нет, я бы выбрала работу и перенесла бы встречу. Мои приоритеты однозначно связаны с моим личным движением вперед, и я хотела бы, чтобы мои друзья это понимали – точно так же и я сама никогда не буду требовать, чтобы они отложили важную работу или отказались от какой-то замечательной возможности ради встречи со мной».
 
«Да, но я должна чувствовать, что могу положиться на своих друзей. Это проблема нашего общества: каждый хватается за любую возможность, и никто не держит свои обещания».
 
«Я думаю, что можно дружить с человеком и не связывать себя никакими условиями, оставаясь свободным. Дружба должна быть основана на взаимопонимании – я не хочу никого ни к чему принуждать».
 
«Ты хочешь сказать, что ты могла бы просто отказаться от нашей поездки?» «При определенных обстоятельствах».

Я вижу шок в ее глазах. Она просто не находит слов. Я пожимаю плечами. По-моему, я не сказала ничего особенного.
 
Вчера у нас с Яной состоялась интересная дискуссия о дружбе и приоритетах. Хотя мы дружим уже давно, на многие вещи мы смотрим совершенно по-разному – в том числе и на дружбу.
Это разговор заставил меня задуматься: Может быть, я эгоистичная подруга?

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Что касается меня, раньше я всегда ставила друзей на первое место и готова была сделать для них буквально все – и не раз разочаровывалась. Со временем я приспособилась к ситуации и поняла, что если ты ничего не ждешь от людей, ты не испытаешь разочарования, и при этом каждый сохраняет свою свободу. Сейчас я научилась наслаждаться преимуществами такой дружбы и не смогла бы дружить с кем-то, кто постоянно требует к себе внимания. Для меня дружба не имеет никакого отношения к обязательствам. Для меня более важны другие вещи – например, благодарность (ненавижу, когда люди принимают то, что ты для них делаешь, как нечто само собой разумеющееся), искренность и верность. Именно эти качества, на мой взгляд, лежат в основе дружбы. Если моя подруга внезапно откажется от уже забронированной совместной поездки, я отнесусь к этому с пониманием. В жизни случается всякое.
 
Большинство моих друзей столь же независимы, как и я, и их жизнь так же непредсказуема. При этом каждый из нас, как правило, понимает жизненную ситуацию другого. На самом деле, найти – и сохранить – таких друзей непросто. Но мне это удалось, и поэтому я особенно горжусь моими подругами, которые всегда готовы использовать любую возможность по максимуму. Несмотря на это, я отнесусь к ним с пониманием, если они определят для себя другие приоритеты. В конечном счете, все зависит от ситуации.
 
Я думаю, в данном случае нельзя точно сказать, кто прав, а кто заблуждается.
А вы как думаете?
На чью сторону вы бы встали в этом споре?


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in this picture:
pants: alice + olivia
top & poncho: Codello
jumpsuit: Cleobella

April 24, 2016
Category - personal
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34 Kommentare

  1. Hallo Masha,

    ich denke: weder Team Masha noch Team Jana oder ein anderes Team. Sondern: mein Ein-Personen-Team.

    Ihr habt beide eure Erfahrungen im Leben gemacht und aus Freundschaften gelernt, wodurch ihr genau diesen Blick auf eure persönlichen Freundschaften entwickelt habt. Und das ist immer subjektiv. Du kannst auch garnicht verlangen, dass jemand alle deine oder jene Einstellung zur Freundschaft teilen kann bzw. überhaupt versteht/verstehen will.
    Ich denke mir dabei: Ich tendiere auch eher in deine Richtung, Masha, da ich es nicht zu 100% unterschreiben kann, dass man sich stets für seine Freunde aufopfern müsste. (Das könnte man u.U. aus Janas Beschreibung herauslesen.) Am allerwichtigsten für mich ist, dass ich mit meinen Freunden verbindene Punkte habe, in denen wir uns einig sind: Dass wir unsere gemeinsame Zeit genießen, unsere Neuigkeiten austauschen und diskutieren, etc. Vielleicht hat man auch eine Person, mit der man halt nur Sport treibt oder abgefahrene lustige Sachen erlebt; die man sich allerdings garnicht in einem sentimentalen Gespräch vorstellen kann. Auch vollkommen okay.
    Ich finde, man muss seine Freunde auch einfach so sein lassen, wie sie sind. Von daher finde ich weder deine noch Janas Einstellung falsch, weil es für euch beide jeweils die richtige ist. Man kann ja garnicht verlangen, dass man mit seinen Freunden stets einer Meinung ist; das würde ja bedeuten, dass man ein und dieselbe Person sein müsste. Und das ist – denke ich zumindest – sehr schwierig ;)

    Liebe Grüße,
    die Irre

  2. Schwierige Frage. Als Selbständige ist es extrem einfach die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu verlieren. Wie heißt es: man ist selbst und ständig? Am Anfang habe ich jeder Gelegenheit hinterhergejagt und einige Verabredungen sausen lassen. Mittlerweile halte ich mir aber bestimmte Daten frei. Für meine Freunde, aber vor allem für mein Seelenheil. Würde da eine bestimmte Gelegenheit kommen für die ich lange gekämpft habe, würde ich aber immer noch absagen. Das verstehen meine Freunde Gott sei Dank.

    Charlotte
    von http://www.StyleByCharlotte.com

  3. Definitiv Team Jana!

    Bei Bekannten oder nicht so engen Freunden sehe ich es wie du und sage auch mal leichtfertiger ab, wenn etwas dazwischenkommt. Für meine wirklich guten Freunde würde ich alles stehen und liegen lassen – gleiches erwarte ich aber wiederum auch von ihnen.
    Das gehört für mich für eine gute Freundschaft einfach dazu, vor allem wenn es größere Dinge wie Reisen betrifft und nicht nur das gemeinsame Kaffeetrinken. Für eine Reise hat sich die andere Person ja auch Zeit eingeplant und evtl. andere Pläne verschoben oder abgesagt – da fände ich es schon sehr verletzend und frech, wenn man das nicht zu schätzen weiß und wegen Job oder anderen Dingen cancelt (Notfälle/Krankheit ausgenommen). Das hat auch einfach etwas mit Respekt und Zuverlässigkeit zu tun.

    Ich hoffe, dass Jana und du da weiterhin einen Weg finden, diese unterschiedlichen Einstellungen zu Freundschaft zu vereinbaren – denn dabei geht es schon um die grundsätzlichen Dinge. Und wenn die allzu weit auseinandergehen wird es meiner Erfahrung nach schwierig…

  4. Tendenziell würde ich Jana zustimmen, ich kann dich aber auch verstehen. Es kommt auf die Situation, auf die Freundschaft und auf die Häufigkeit an, trotzdem darf man Freunde nicht immer hinten an stellen. Es kann immer mal etwas dazwischen kommen und ich nehme es auch niemanden krumm, wenn er mal kurzfristig absagt. Wenn es eine Chance für die Freundin ist, dann ist das okay und ich freue mich für sie. Dennoch sollte das eher die Ausnahme bleiben, denn “die zweite Geige” spielen ist auf Dauer auch nicht schön. Man darf auch nicht vergessen, dass die andere Person auch ein Leben hat, eventuell einen Termin abgesagt hat und sich ein “freies Zeitfenster” geschaffen hat.
    Unsere Freunde haben die gleiche Zuverlässigkeit/Verbindlichkeit verdient, wie Geschäftspartner.

    Ich würde ein geplantes Treffen auch nicht als Einengung zu bezeichnen, sondern einfach als Treffen von zwei Menschen, die sich nahe stehen und Zeit miteinander verbringen möchten. Und wenn der Terminkalender das nur selten zulässt, dann muss man eben auch mal einen “Termin” eingehen und diesen auch einhalten. Wobei ich ein Treffen unter Freunden auch nicht als “Termin” bezeichnen würde.

    Wie gesagt, ich kann euch beide da gut verstehen, würde mich da aber eher Jana zuordnen.
    Interessanter Gedanke jedenfalls. Ich habe mich in der letzten Zeit auch verstärkt mit dem Thema Freundschaft auseinander gesetzt und einen Post dazu geschrieben, weil das einfach ein Punkt ist, der sich meiner Meinung nach stark verändert hat und der mir im Leben sehr fehlt.

    Liebe Grüße
    P.S. Die Fotos von euch beiden gefallen mir sehr gut und auch eure Looks sind klasse. Ihr seit zusammen ein tolles Team und ich liebe die Snaps, wenn ihr zusammen unterwegs seid ;).

  5. Hmmm… ich sage jetzt mein Lieblingswort und freue mich jedes Mal wie doof darüber, dass unsere Sprache dieses unglaubliche Wort hat: Jein!

    Ich bin fürchterlich spontan, und habe eine Abneigung gegen Termine. Das stresst mich, setzt mir ein Zeitfenster, dominiert mein Denken und engt mich ein. Auch wenn es um geplante Treffen mit Freunden geht. Deshalb ist für mich ein spontanes Treffen wie ein goldenes Leuchten im ganzen Tageslauf, ein helles Strahlen im Wochenfluss. Die reinste Freude! Und ich bin ebenso flexibel, wenn es um Absagen geht.
    Bei gemeinsam geplanten Aktionen (= Reise, Buchung) bin ich anders: wenn ein Termin steht, hat man sich auch daran zu halten. Der ist fix, da wird nichts verschoben, da hängt was dran. Das gilt natürlich und vor allem auch für mich. Wenn etwas mit einem Termin, einem festgelegten Datum, fixiert wird, klebt in meinem Kopf automatisch ein großer Zettel mit dem Wort “Wichtig!” darauf. Dann bemühe ich mich – selbst nicht die Zuverlässigkeit in Person und oft genug etwas schusselig – sehr um Verlässlichkeit und Einhaltung, und besonders auch um Pünktlichkeit, was mir immer etwas schwer fällt.

    Was für mich in einer Freundschaft, eigentlich in jeder Beziehung mit einem Menschen am Allermeisten zählt: ich will mit diesem Menschen befreit sein, frei sein.

    Dazu zählt für mich Aufmerksamkeit und unbedingte Unterstützung dieser tollen Person in ihrem persönlichen Wachstum, Freiraum, Respekt, Wertschätzung. Zu viel Aufmerksamkeit erschlägt mein Gegenüber und kann zum Klammern werden, das beeinträchtigt den Freiraum, aber auch den Respekt und die Achtung voreinander.
    Wenn ich spüre, ein Mensch, denn ich “Freund” nenne, braucht mich JETZT, überlege ich keine Sekunde und fahre zu ihm. Auch, wenn das drei Stunden Fahrzeit und eine durchwachte Nacht bedeutet – und ich am nächsten Tag arbeiten muss, und mit nur 2 h Schlaf ins Büro fahre. Das wünsche ich mir auch von meinen Freunden.

    Ein Nachteil an dieser starken Spontanität und auch meines sturen Egoismus (“ich mach’ das jetzt einfach trotzdem!”) ist aber, dass ich oft auch nicht auf meine Freunde zählen kann, weil sie eben nicht spontan alles für ein kurzentschlossenes, spaßiges Treffen liegen lassen, und das macht mich traurig. So habe ich z.B. gerade alle vier Tage des Crossing Europe Filmfestivals in meiner Stadt alleine erlebt. Nicht einmal Freitags oder Samstags kamen Freunde mit, um am Mediendeck mit den Darstellern, Regisseuren und der Bohéme zu feiern und zu tanzen, und so ich stand allein an der Glasfassade viele Meter über dem Festivalplatz, mitten im Partygetümmel, und schrieb einzeilige Gedichte und Gedanken. Dann fühle ich mich etwas alleingelassen.

  6. mh … einmal im herzen immer im herzen … zwei jahre nicht sehen und trotzdem einen (oder ien paar) tage miteinander haben können als lebt man seit 10 jahren seite an seite.

  7. Hallo Masha,

    toller Beitrag! Für mich wäre es wohl eher ein Mittelweg zwischen euren beiden Meinungen. Ich würde nicht sagen “Freunde gehen immer vor” oder “der Job geht immer vor” – sondern es kommt eben auf die Rahmenbedingungen an. Ich finde Freunde sind das wichtigste im Leben, aber man muss in erster Linie nach sich selbst schauen – Jobs bezahlen nun mal die Miete.

    Liebe Grüße aus München,
    Verena

  8. TeamMasha! Ich ticke da ganz ähnlich! Ich finde Verpflichtungen – wenn es auch nur das Gefühl einer Verpflichtung ist- sind in Freundschaften wirklich deplatziert! Dazu finde ich auch Flexibilität irre wichtig – ich denke jeder von uns hat schon genügend Termine und Verbindlichkeiten – da muss das in einer Freundschaft doch nicht auch noch sein! Ich weiß, dass es Menschen gibt, die eine solche Freundschaft dann als “oberflächlich” bezeichnen würden. Aber sowie es für diejenigen unverständlich ist, wie man so befreundet sein kann, ist es für mich unverständlich Freunde – wie du es auch gesagt hast – als Gelegenheit zu sehen.

    LG, Emma

    http://www.emmaemsn.com

  9. Team Masha!
    Mir geht es sehr ähnlich wie dir, Masha. Ich habe jaaahrelang auch immer alles für meine Freunde gemacht und wirklich gedankt wurde es mir nie. Daher hat sich auch mein “Freundschaftscharakter” stark verändert. Ich habe gelernt es nicht mehr so ernst zu nehmen, wenn z.B. ein Treffen abgesagt wird, das gleiche erwarte ich nun aber auch von meinen Freunden. Mittlerweile brauche ich es auch gar nicht mehr, dass mir ein Freund z.B. jeden Tag schreibt. Auch wenn sich mein Freundeskreis dadurch stark reduziert hat, weiß ich jetzt umso besser, wer wirklich Freund ist und wer nicht. Denn geistiger Verbundenheit, wahrer Freundschaft, kann es nichts anhaben, wenn man sich länger nicht beieinander meldet oder sich länger nicht sieht. Solange es, wenn man sich dann wiedersieht, noch genauso ist, als wäre man nie voneinander getrennt gewesen, ist doch alles gut.
    Ganz liebe Grüße an dich, Masha.
    Tammy

  10. Wahre Freundschaft ist so wichtig, dagegen sind 1000 Bekanntschaften nichts!
    Die Bilder von euch Beiden sind super schön geworden, so eine BFF-Shooting wäre auch mal was für mich und meine beste Freundin.

    Liebst,
    Nina von http://www.ninaconinaco.com

  11. Grundsätzlich bin ich eher Team Masha. Ausgenommen sind natürlich Situationen, in denen meine
    Freundinnen auf meine Unterstützung angewiesen sind. Ich finde, bei wirklich wichtigen Dingen sollte man sich dann aufeinander verlassen können. Aber ich denke, dass können sich auch Team Masha-Freundinnen auf jeden Fall.

    LG Charli
    http://frischgelesen.de

  12. Ohne Zweifel Team Jana. Mag daran liegen, dass eine der Eigenschaften, mit denen ich am allerwenigsten bei anderen Menschen zurechtkomme, Unzuverlässigkeit ist. Manche mögen diese Unzuverlässigkeit als “Spontanität” bezeichnen, aber wenn, dann ist das für mich eine sehr egoistische Form der Spontanität… es ist für mich einfach keine gesunde Basis für eine Freundschaft, wenn ich mir nicht mal sicher sein kann, ob die andere Person zu unseren Treffen auftaucht oder womöglich mehrere Male hintereinander kurzfristig absagt, nur weil plötzlich ein “wichtiges” Meeting dazwischenkommt. Klar, ab und zu kann sowas vorkommen, aber das als Grundposition zu nehmen, weil man die Freundschaft nicht an irgendwelche “Bedingungen” knüpfen will, wäre für mich absolut nicht der richtige Weg. Das erscheint mir eher ein Auswuchs von Bequemlichkeit zu sein und von mangelndem Willen, etwas in die Freundschaft zu investieren.

  13. Definitiv und absolut Team Jana. Ich sehe es zu 100 % genauso wie sie. Ich habe eine langjährige Freundin, die genauso tickt wie du, Masha. Das hat unsere Freundschaft vor 3 Jahren in eine Krise gestürzt. Und zwar nach genau so einer Situation, die du beschrieben ist. Eine besprochene Reise fand nicht statt mit mir, sondern mit einer anderen Freundin, weil ich nicht zu dem Zeitpunkt konnte, an dem sie die Reise unternehmen wollte. Beiläufig habe ich dann erfahren, dass sie den Trip mit einer anderen Freundin unternommen hat. Für mich ist es bis heute ein Unding in einer Freundschaft so zu handeln. Wir sind noch immer befreundet aber die Freundschaft hat sich für mich dahingehend verändert, dass ich sie nicht mehr so ernst nehme. Ich bin nun auch egoist und denke zuerst an mich. Damit fahre ich nun emotional besser aber für mich ist die Qualutät der Freundschaft nicht mehr so hoch, wie die, die ich mit Menschen habe, die ähnlich ticken wie ich.

    1. Hi Kucki,

      ja gut, aber das ist auch fies und fällt bei mir unter den Punkt: mangelnde Loyalität.
      Bei sowas würde ich auch einen Abschlussstrich ziehen. :/

  14. Ich kann euch beide verstehen, wäre aber vermutlich eher “Team Masha”. Jedoch kommt es für mich dabei auch sehr darauf an, wie der Umgang miteinander ist. Ich würde meiner Freundin nie das Gefühl geben wollen, dass ich mich in einem solchen Falle gegen sie entschieden habe. Überhaupt nicht gegen etwas, sonder eine Entscheidung für etwas, in diesem Falle vielleicht für eine Chance, die ich bekomme. Wenn es auf ein Datum oder einen Zeitraum fällt, in welchem man verabredet war, würde ich versuchen, ihn direkt zu verlegen – in dem Fall, dass der Termin im Job nicht zuverlegen ist.
    In einer Freundschaft ist es wichtig, dass man sich gegenseitig schätzt und respektiert, auch wenn man Entscheidungen fällt, die schwierig sind, bzw schwierig für die Freundschaft. So lange man aber deutlich macht, wie wichtig einem trotz allem die Freundschaft ist, man Dankbar bleibt und füreinander da, kann auch eine Freundschaft funktionieren, in welcher man sich manchmal für den Job entscheidet.

    Schöner Artikel!

  15. Der Grundsatz besteht ja auch irgendwie darin, was einem im Leben allgemein wichtiger ist oder? Wenn es meiner Freundin schlecht geht, dann verschiebe ich das Treffen nicht und zwar aus dem Grund: Freund > Job etc. ?! Aber ich persönlich empfinde es auch gar nicht als Verlust von Freiheit oder als Einengung, wenn ich mich auch einfach mal festlege. Sollte jemand mal absagen, wird man natürlich aber auch nicht gleich böse. Trotzdem: Was hat man denn von sozialen Kontakten,wenn irgendwie dann doch alles andere wichtiger ist und sie mehr als Belastung verstanden werden…

  16. Toller Artikel. Ich möchte dazu analog aus einem Nena Song (Liebe ist…) zitieren, weil ich es hier sehr passend finde:

    “Freundschaft fragt nicht, Freundschaft ist!”

    Ehrliche und echte Freundschaftschaft ist gepägt von Verständnis, sich aufeinander verlassen können (auch wenn man sich mal einige Zeit nicht gesehen hat) und von Vertrauen.

    BG

    Jörg

  17. Eher Team Jana. Ich sehe es schon als Verpflichtung, diese bringe ich aber nur sehr wenigen Menschen entgegen. Es liegt aber mitunter am Lifestyle wie du schon geschrieben hast, da muss man in deinem Fall bestimmt spontan(er) sein und kann nicht so gut planen. Ich bin nicht selbständig und habe feste Tagesabläufe, das ist mit Sicherheit ein komplett anderer Fall.

    LG Steffi / redseconals.com

  18. Ich kann beide Teams sehr gut verstehen. Es kommt wohl auch immer ein bisschen auf die Person drauf an, ich wiege da immer ab. Bei manchen Freundinnen weiß ich, dass sie mir eine spontane Absage nicht übel nehmen, andere hingegen schon. Es kommt auch wirklich darauf an, wie lange ich jemanden nicht gesehen habe, manchmal sieht man sich ja fast ein Jahr nicht, zumindest bei manchen Freundinnen, die weiter weg leben. Ich bin also wohl eine Mischung aus beidem, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann eher Team Masha.

    Hab noch einen schönen Sonntag!

    xx
    Kat

    http://www.teastoriesblog.com

  19. Team Jana.
    Scheiß auf die Gelegenheiten, wenn du sie nicht teilen kannst.
    Ich seh das so: klar kann man “unwichtige” Treffen wie den Kaffeeklatsch spontan absagen, aber wichtige Dinge nicht einfach so.
    Was bleibt dir denn von deinen tollem Gelegenheiten, wenn am Ende niemand da ist um sie mit dir zu teilen. Einfach weil alle gerade mal wieder in den Tag hinein gelebt haben und die tolle Gelegenheit nicht verpassen wollten.

    Freunde (ich meine echte Freunde) sind die beste Gelegenheit die einem passieren kann .
    Karriere ist wichtig aber macht meiner Meinung nach auch sehr einsam, wenn man sie über alles stellt.

    1. und was ist, wenn du wüsstest, dass der Kaffeeklatsch dieser Freundin wichtig ist, weil ihr euch schon lange nicht mehr gesehen habt?

      Es geht ja hierbei auch um die Priorität des anderen bzw. was dem Anderen wichtig ist, auch wenn es dir unwichtig erscheint.
      Ich habe zum Beispiel überhaupt nicht das Gefühl am Ende allein dazustehen, weil meine Freunde in Notfällen emotionaler Hinsicht für mich da wären. Allerdings könnte ich mir grade keinen solchen Notfall vorstellen, bei dem in Freunde auf lange Sicht an meiner “bräuchte”. Dafür mache ich am Ende zu viel mit mir selbst aus.

  20. Absolut Team Masha! Freunde, die von mir verlangen würden alles stehen und liegen zu lassen, könnte ich in meinem Leben nicht halten, weil ich sie nur enttäuschen würde. Deswegen bin ich auch sehr vorsichtig mit neuen Freundschaften, ich will ja niemanden enttäuschen, aber ändern würde ich mich auch nicht (mehr). Auch würde ich mich nicht für meine Lebensweise rechtfertigen wollen. Ich bin viel glücklicher damit, als ich es allen recht machen wollte, war ich immer nur unzufrieden.

    Dafür haben es meine Freunde vermutlich wahnsinnig leicht mit mir – wie du, Masha, nehme ich solche Absagen etc. nie übel… warum auch. :)

  21. Ich denke, die Mischung macht es …Selbstaufopferung nur für andere ist nicht gesund, genauso wie zu viel Unverbindlichkeit. Eine Freundschaft sollte auch etwas Verlass bieten und ich wäre persönlich schon sauer und traurig wenn eine Freundin aus mir nich nachvollziehbaren Gründen eine Reise absagt…die Frage ist hier: was ist nachvollziehbar. Wie in jeder Beziehung macht auch jede Freundschaft ihre eigenen Regeln und es ziehen sich eben auch Gegensätze an und beflügeln.

    Ich bin in eurer beiden Teams :)

    Liebst,

    http://www.madlenboheme.com

  22. Ich sehe es wie du. Allerdings musste ich erst lernen, dass man einen Freund – auch trotz Krankheit – nicht über alles andere stellt. Unsere Freundschaft bekam eine ungesunde Balance. Sie erwartete alles von mir und gab nichts zurück. War nicht mal beim Tod meiner Großeltern für mich da.
    Daran zerbrach die Freundschaft. Ich konnte nicht mehr.

  23. Liebe Masha, was für ein schöner Text! Ich denke, man muss einfach herausfinden, welche Freunde es wirklich wert sind alles für sie stehen und liegen zu lassen. Leider ist das nur allzu oft mit Enttäuschungen verbunden, da hast du recht. Es gibt aber auch Menschen, die verdienen es an erster Stelle zu stehen. Umso schöner, wenn das Gefühl beidseitig ist!
    Katharina || ktinka.com

  24. Liebe Masha,
    dein Text hat mich zum Nachdenken gebracht.
    Auch ich war wohl so, dass ich meistens alles Stehen und Liegen lasse für meine Freunde und dann oft enttäuscht wurde, wenn es einfach für selbstverständlich gehalten wurde oder nicht das gleiche für mich getan wurde. Das hat sich mit der Zeit geändert…ich weiß inzwischen, dass es mir niemand meiner wahren Freunde böse nimmt, wenn ich auch mal etwas nicht tue und nach mir schaue. Jeder hat auch sein eigenes Leben und Freunde sollten keine Verpflichtung darstellen, sondern eine Unterstützung. Daher ist es wohl wichtig, einfach zu schauen, dass es für alle Seiten angenehm ist sich zu sehen und nicht zur Pflicht wird. Da kann dann schonmal ein Treffen spontan abgesagt werden, weil ein wichtiger Geschäftstermin oder so dazwischen kommt. So etwas passiert im Leben. Dafür ist ein entspanntes Treffen mit den Freunden dann doch auch viel schöner, als wenn man zig andere Dinge im Hinterkopf hat :). Jedoch würde ich nach wie vor alles Absagen, wenn es einer Freundin richtig schlecht geht und ich merke dass sie mich wirklich braucht.

    Alles Liebe,
    Mel
    http://www.melooks.de