Ich wurde ausgeraubt!

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Ich bin traurig.
Ich glaube, das beschreibt meine Stimmung noch am ehesten.
Ich bin nicht mehr wütend, ich bin nicht mehr verzweifelt oder verängstigt – ich bin einfach nur noch traurig.
 
Doch fangen wir vorne an:
Ich bin am Donnerstag mit Max nach Barcelona geflogen, um dort ein paar schöne Bilder zu schießen für ein bisschen mehr Abwechslung auf meinem Blog. Für mich ist Barcelona eine der schönsten Shootinglocations, weil die Stadt unheimlich vielseitig ist und einfach wunderschön. Insgesamt zehn Outfits hatte ich dabei und unser Plan schien voll aufzugehen, zumindest bis zum siebten Outfit. Denn als wir damit fertig waren und zum Auto zurückgingen, sahen wir nur, dass die Scheibe weg war.
„Hast du etwa das Fenster offengelassen?“ fragte ich Max noch
„Nein eigentlich nicht….“.
Dann verstand ich.

 
Der Moment, in dem man realisiert, dass man ausgeraubt wurde.
Der Moment, in dem man noch kurz die Hoffnung hat, dass nicht alles geklaut wurde.
Der Moment, in dem die Hoffnung erlischt.
Der Moment, in dem einem bewusst wird, was da eigentlich alles geklaut wurde.
Der Moment, in dem in einem kurzen Augenblick die Welt zusammenbricht.
Der Moment, in dem ich das Gefühl hatte keinen Atem mehr zu bekommen und vor lauter Tränen nichts mehr sah.
 
Ein einziger Moment, der eine schöne Reise zu einem Horrortrip macht.

 
Die Frage, die ich mir die ganze Zeit stelle ist schlichtweg: Habe ich einen Fehler gemacht?
Hätte ich vielleicht weniger Outfits shooten sollen? Hätte ich gewisse Dinge nicht mitnehmen dürfen? Doch am Ende lande ich immer wieder an derselben Stelle: Nein, ich bin nicht Schuld!
Wir waren keine 100 Meter vom Auto entfernt, waren vielleicht für 10 Minuten shooten und alles, was wertvoll aussah, hatte ich entweder im Kofferraum oder unterm Sitz versteckt. Klar, lagen zerknüllte Klamotten rum, aber deswegen in ein Auto (erst recht in einen Fiat 500) einzubrechen, hielt ich eben doch schon für etwas unwahrscheinlich, zumal mir die Gegend nicht gefährlich schien: ein paar Jogger mit Hunden, eine junge Studentin, die auf ihrem Musikinstrument übte und ein paar Angler weckten mein Misstrauen eben nicht. Tja, was soll ich sagen… ich habe mich geirrt – und wie!
 
Ich bin kein nachlässiger Mensch – im Gegenteil! Ich gehöre zu den Menschen die selbst, wenn sie nur kurz in den Späti reinhüpfen ihr Fahrrad abschließen. Ich gehöre zu den Menschen, die ein extra Schloss haben in ihre Wohnung einbauen lassen, das sie immer abschließen. Ich gehöre auch zu den Menschen, die nie irgendwas offen rumliegen lassen und ja ich gehöre auch zu den Menschen, die nie Pass und Ausweis mitnehmen, sondern immer nur eins davon.
Ich gehe eben ungern Risiken ein oder verliere die Kontrolle.

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„Ich habe dich schon seit vielen Jahren nicht mehr so weinen hören. Du darfst dir das nicht so zu Herzen nehmen, Masha.“
Mama
 
 
Doch das ist leichter gesagt als getan, schließlich verband ich mit vielen Stücken eine Erinnerung: da war beispielsweise meine allererste Designertasche, die ich mir gegönnt habe: die Celine Trio. Bis heute gehört sie zu meinen absoluten Lieblingstaschen und es verging seitdem kaum eine Woche, in der ich sie nicht mindestens einmal ausgeführt habe.
Dann war da diese absolut perfekt sitzende, graue Leinenhose von Renee Lezard, die genau die richtige Mischung war aus schick und bequem und die ich damals im Outlet geschossen habe. Oder die Fendi Tasche, die ich mir gegönnt habe, nachdem ich bis dato alle meine Steuer(nach)zahlungen von den letzten Jahren bis zum letzten Tag gezahlt habe und mir quasi selbst ein Geschenk gemacht habe zu diesem besonderen Anlass. Oder eben das Lieblingsshirt von Iron Maiden, das mich immer ein bisschen an mein „altes“ Ich erinnert hat. Oder das kostbare rote Kleid von Dawid Tomaszewski, das es nur einmal auf dieser Welt gibt und dem ich einen ganz besonderen Moment schenken wollte. Oder eben die ausgeliehene Goldkette von Georg Jensen, bei der ich hoch und heilig versprechen musste, dass ich sie nicht verliere, weil es ein Kampf war, dass ich sie mir überhaupt ausleihen durfte und für die ich einen wirklich ganz besonderen Look kreieren wollte, um sie bestmöglich in Szene zu setzen. Tja, daraus wird jetzt nichts mehr.
Die Liste ist gefühlt ewig lang.
Selbst meinen hautfarbenen (ebenfalls perfekt sitzenden!) BH haben sie mitgenommen und sogar mein Make-up?!
 
Ja, vielleicht waren es „nur“ Sachen, aber es waren eben auch Lieblingssachen und Sachen, die nicht nur einen einen hohen materiellen Wert hatten (über 30.000 EUR!), sondern eben auch einen emotionalen. Mit fast allen Dingen verbinde ich eben auch eine Erinnerung und sie alle waren in irgendeiner Form perfekt, schließlich wollte ich nur die allerschönsten Looks mitnehmen.
Und ja, es waren zwar nur Sachen, aber für mich waren sie eben mehr als das: es waren meine Erinnerungen und nicht selten auch meine Belohnungen.
 
Natürlich bin ich froh, dass uns nichts passiert ist, dass wir gesund sind und unversehrt.
Natürlich bin ich auch froh, dass den Menschen, die mir wichtig ist, nichts passiert ist.
Dennoch darf ich eben auch traurig sein über den Verlust meiner Lieblingssachen, oder nicht?
Wenigstens ganz kurz?
 
Denn am traurigsten macht mich die Tatsache, dass ich eigentlich keinen echten Fehler gemacht habe, aus dem ich hätte in Zukunft lernen können. Außer vielleicht, dass ich eine andere Versicherung brauche.
Tja und vielleicht ist eben das die Lehre, die ich daraus ziehen kann: dass ich es einfach so hinnehmen und weitermachen sollte.
Ja, die nächsten Tage und Wochen werde ich noch ein wenig traurig sein, aber so ist das eben im Leben. Mal hat man Glück, und ich zähle mich zu den Menschen, die sehr oft Glück haben, und manchmal hat man halt Pech. Es sind eben nicht immer die Anderen, denen so ein Scheiss passiert – manchmal ist man selbst derjenige. Shit happens wie es so schön heisst und jetzt bin ich an der Reihe Scheisse zu fressen.
Und ja, es kann jedem passieren. Wichtig ist nur, dass ich jetzt weitermache, nicht mehr allzu lange traurig bin und mich davon nicht negativ beeinflussen lasse. Ich will auch in Zukunft keine Angst haben oder Barcelona für immer mit dieser einen schlechten Erfahrung verbinden. Ich weigere mich wütend zu sein oder frustriert oder verängstigt.
Ich will kein Opfer sein, also bin ich keins.
 
Ja, Barcelona ist eine gefährliche Stadt, so viel weiss ich jetzt, doch sie ist dennoch wirklich wunderschön, vielseitig und ja, auch voller netter und herzlicher Menschen.
 
Übrigens: Einzig und allein meine Birkenstocks haben sie im Auto gelassen.
Jetzt grüble ich: Hatten sie doch Mitleid mit mir, als sie gesehen haben, wie unbequem meine Schuhe sind oder fanden sie die einfach nur zu uninteressant, so als Diebesgut?
Mich würde das ernsthaft interessieren, aber ich glaube, ich werde es niemals erfahren….

 
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Juni 12, 2016
Category - sonntagspost
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