Sorgen einer End-Zwanzigerin II.

DDR fashion Shooting | 50's, 60's and 70's style | location: East Berlin, museum vintage apartment | Masha Sedgwick, Fee-Gloria Groenemeyer, Marina Hoermanseder.

„These mountains that you are carrying, you were only supposed to climb.“

Najwa Zebian

Nachdem ich gestern bereits einige sehr persönliche Gedanken, Ängste und Sorgen formuliert habe, zumeist eher Sorgen die vor allem meiner Generation sehr vertraut sein dürften, kommen wir heute zum zweiten Teil.
 
Denn es gibt vieles, das mir heute ein wenig Bauchweh bereitet, doch anders, als bei dem gestrigen Beitrag weiss ich, dass unsere Generation vor diesen Sorgen nicht alleine steht, sondern dass diese Dinge schon meiner Mutter und Großmutter, aber eben auch Vater und Großvater Angst gemacht haben. Es sind typische Ängste einer ganz normalen Ende Zwanzig/Anfang Dreißig-Jährigen und manchmal sind eben die Menschen, die sie bereits durchlebt haben, die besten Ratgeber.
 
Nichtsdestotrotz – die Sorgen bleiben dennoch und jeder muss da durch.

1. Angst vorm Älterwerden

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Zugegeben, das ist eine sehr eitle Angst und manch‘ einer wird jetzt mit den Augen rollen, aber hey, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die Sache mit dem Älterwerden ganz gelassen nehme. Tatsächlich macht es mir irgendwie ein bisschen Panik.
Es ist nämlich so: Ich habe das Gefühl, dass ich grade auf meinem absoluten Höhepunkt bin und ab jetzt geht es nur noch bergab. Morgen beginnt dann der körperliche Verfall.
 
Zwar bin ich grade und in diesem Moment absolut happy, erwische mich aber regelmäßig dabei, wie ich mir häufiger die Frage stelle, wie denn Falten an mir aussehen würden und wie ich sie denn vermeiden kann. Ich persönlich finde mich heute zwar hübscher, als noch vor einigen Jahren, nicht nur weil ich zu mir selbst gefunden habe, sondern eben auch weil mir mein Alter einfach gut steht.
Aber wer weiss wie lange noch.
 
Zumal der Aspekt mit der Gesundheit immer mehr in den Vordergrund tritt. Mittlerweile ist kein Sport auch keine Option mehr und ich achte schon vermehrt darauf, dass ich keinen Müll esse. Dennoch geht es langsam los, dass ich öfter mal „Beschwerden“ habe, die ich früher locker weggesteckt habe. Aus Kopfschmerzen werden schon mal Migräneanfälle und Menstruationsbeschwerden werden zur Höllenqual. Zwar glaube ich, dass ich selbst mit 40 (jedenfalls, wenn ich an meine Mama denke) noch gut in Schuss bin, vorausgesetzt, dass ich auch mich achte, aber das ist ja auch keine Garantie.
Als Teenager habe ich mir bei manchen Stars und Vorbildern oft gedacht: „so will ich mal aussehen…“
Heute ist es eher ein: „besser als heute werde ich vielleicht nie mehr aussehen..“ und irgendwie finde ich den Gedanken ziemlich frustrierend.
Das ist ein bisschen so wie ein Countdown. Tick Tack.
Schließlich ist mein Gesicht auch mein Kapital.
Das kann einen ganz schön unter Druck setzen.
 
Doch am Ende scheint es keine befriedigende Lösung zu geben, außer die Zeit selbst. Die wird’s dann schon zeigen und so lange gebe ich einfach mein Bestes gesund zu bleiben.

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2. Angst vorm Scheitern

Wer kennt sie nicht?
 
Früher gab es immer so viel Zeit etwas Großartiges auf die Beine zu stellen (nur was?), doch zunehmend rinnt mir die Zeit zwischen den Fingern und der Abstand zwischen der Gegenwart und dem ich-will-zufrieden-auf-mein-Leben-zurückblicken-können-Moment wird immer geringer. Immer schneller dreht sich das Hamsterrad des Alltags und ich komme kaum noch dazu das Leben bewusst zu erleben und langfristig zu denken. Zwar bin ich hoffentlich noch lange nicht an dem Punkt, an dem ich auf mein Leben zurückblicken will, aber so langsam macht es schon Sinn sich damit auseinanderzusetzen.
 
Für mich steht fest: ich will die Welt zu einem etwas besseren Ort machen und nicht nach dem Motto leben: Nach mir die Sintflut.

Wir alle tragen nämlich eine gewisse Verantwortung, nicht nur für uns selbst, sondern auch für Andere und für die Umwelt. Doch oft vergessen wir in der Hektik des Alltags, dass unsere Kinder ernten, was wir säen, und deswegen mache ich mir immer mehr Gedanken darüber, welcher Mensch ich sein will und was ich eigentlich hinterlassen will.
 
Ich will mir selbst später in die Augen schauen können und ehrlich zu mir selbst sagen können: „Ich habe was Gutes hinterlassen. Jetzt kann ich in Ruhe sterben.“
Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

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3. Angst vor dem Verlust

Langsam komme ich in ein Alter, in dem einem nicht selten schmerzhaft bewusst wird, dass nicht nur man selbst, sondern auch die Eltern, Großeltern und natürlich andere Menschen, die einem lieb und teuer sind, älter werden.
 
Plötzlich werden aus kleinen Wehwechen ernsthafte Krankheiten und nicht selten liegt darin auch eine gewisse Endgültigkeit. Probleme, die einem früher so weit weg vorkamen, sind auf einmal ganz nah – zu nah. Doch es hilft nichts. Das Leben nimmt seinen Lauf und man kann nur hilflos zusehen – und vielleicht ist genau das meine größte Angst von allen.
 
Ich habe Angst davor, was passiert, wenn meine Familienmitglieder pflegebedürftig werden und angesichts der Tatsache, dass ich Einzelkind bin, macht mir das ehrlich gesagt noch mehr Angst. Eine Heidenangst um genau zu sein und alleine der Gedanke daran überfordert mich gänzlich.
Bis heute kümmert sich meine Mama beispielsweise liebevoll um mich und egal was passiert, ich weiss immer, dass ich auf sie zählen kann. Sie ist einfach immer da und immer zur Stelle, wenn ich mal in Not bin und einen Backup brauche. Was ist, wenn es mal andersrum sein wird?
Oder schlimmer: was ist, wenn es mal gar nicht mehr sein wird?

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Ich glaube am Ende wächst man an seinen Aufgaben und es macht keinen Sinn sich vor etwas zu fürchten, das sowieso unumgänglich ist.
 
Das Sinnvollste ist wohl die Zeit, die man gemeinsam hat zu genießen, möglichst viel davon zu verbringen und intensiv zu erleben, denn eine leise Stimme in meinem Kopf flüstert mir ins Ohr, dass diese Zeit nur begrenzt ist.

 

Also ruft eure Eltern mal wieder an, sagt ihnen, dass ihr sie liebt und geht sie mal wieder besuchen.
 
Wer weiss, wie lange wir diesen Luxus noch haben, selbst noch Kind sein zu dürfen.

Vielen lieben Dank liebe Fee-Gloria Groenemeyer für die wundervollen Fotos!

 

This post is also available in en ru



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