New York..nicht.

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.Why I weren't in New York for Fashion Week | outfit style: casual, french, cute, basic, effortless chic | other stuff featured: cafe, cola, Berlin, macbook, work

„Warst du jetzt gar nicht in New York?“

Ich glaube das war so mit die häufigste Frage, die ich in letzter Zeit gestellt bekam.
„Aber jeder ist doch grade in New York…!“
Ja, und vielleicht ist das das Problem.
Jeder ist in New York.
 
Ich übe mich gern in Verweigerung, manchmal auch nur aus Prinzip und vielleicht auch der guten, alten Tradition wegen.
Weil ich einfach nicht anders kann.
 
Ich weiss gar nicht, wann das angefangen hat, dass ich nicht mit dem Strom schwimmen wollte. Vermutlich entstand das irgendwann während der Schulzeit aus der Not, als ich festgestellt habe, dass ich scheinbar unfähig bin Teil einer Clique zu sein, jedenfalls nicht auf Dauer. Nicht weil ich nicht wollte, nein im Gegenteil – ich wollte so gerne Teil von Etwas sein, aber irgendwie passte es einfach nicht. Ich habe mich schon immer wie ein Puzzlestück gefühlt, das ein Ende zu viel hat. Ich passte überall ein bisschen, aber nirgends so ganz rein, also versuchte ich es gar nicht weiter und machte aus meiner Not eine Tugend: ich lernte Einzelkämpfer zu sein und verband mich stattdessen mit anderen Einzelstücken.

Why I weren't in New York for Fashion Week | outfit style: casual, french, cute, basic, effortless chic | other stuff featured: cafe, cola, Berlin, macbook, work

The Look
Sweatshirt: Hugo
Jeans: One Teaspoon
Blazer: Kala Berlin
Schuhe: Minna Parikka
Tasche: MCM

In der Mode ist es nicht anders. Ich liebe die Mode, ich liebe es meine Andersartigkeit durch die Mode auszudrücken, aber will ich auch zu der (internationalen) Fashion Crowd gehören? Zu den ‚Üblichen Verdächtigen‘, die sich auf jeder Fashion Week tummeln?
Eigentlich nicht.
 
Es ist keine kluge Entscheidung, keine, die mein Kopf trifft, aber dafür mein Herz.
Vielleicht wäre es klüger, sich an die it-girls der Szene dranzuhängen, sich auf den Shows und den angesagten Partys blicken zu lassen frei nach dem Motto: „Heyyy, ich bin eine von euch und ich bin jetzt auch in New York.“

Die Wahrheit ist aber: ich bin keine von euch.

Why I weren't in New York for Fashion Week | outfit style: casual, french, cute, basic, effortless chic | other stuff featured: cafe, cola, Berlin, macbook, work

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Glaubt ihr wirklich, dass die meisten Freundschaften in der Szene überhaupt existieren könnten, wenn man sich nicht ständig auf Events sehen würde? Wenn es keine Reichweite gäbe, die einen verbinden würde und keine Reichweite, die auch das sonderlichste Verhalten rechtfertigen würde?
 
Denn scheinbar gehören nach Augen vieler Follower mittlerweile zu den Charaktereigenschaften eines Bloggers, ähnlich wie Geld. Es heisst Geld macht nicht glücklich, und vermutlich gilt das genauso für Follower. Hat man viel Geld/Follower gibt es immer welche, die sich einschleimen, genauso wie welche, die deswegen einfach neidisch sind. Hier spalten sich die Charaktere: manche schwimmen gerne als kleiner Fisch im großen Teich und andere sind eben lieber ein Hai im kleinen Becken.
 
Ich will von meinen Freunden behaupten können, dass es mir absolut egal ist, wie viele Follower sie haben und das bedeutet eben auch, dass es mir egal ist, ob sie weniger Follower haben, sondern auch ob sie auch mehr haben. Idfc

Why I weren't in New York for Fashion Week | outfit style: casual, french, cute, basic, effortless chic | other stuff featured: cafe, cola, Berlin, macbook, work

Grade in New York kommt einem der menschliche Abgrund besondern tief vor und wenn ich dort stehe und runterschaue wird mir ganz schwindelig und ich habe Angst zu fallen und in diesem dunklen Modeloch zu versinken.
Und vielleicht würde ich das auch, wenn ich nicht den Rückhalt meiner Freunde und Familie hätte. Einen Anker in der Realität.
 
Doch zur Fashion Week in New York zu sein stellt mich jedes Mal aufs Neue vor den Abgrund.
Ich habe ja gehört, manche schaffen niemals mehr den Sprung zurück in die Realität.
 
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, muss ich mir eingestehen, dass ich wirklich nicht die deutsche Chiara Ferragni werden will – und kann, denn dazu hänge ich einfach zu sehr an meinem Alltag und meiner neuen Work-Life Balance.
Denn jeden Tag Von Ort zu Ort zu jetten und im Modezirkus gefangen zu sein ist nur für Außenstehende inspirierend.

 

Ich habe am Ende tatsächlich das bekommen, was ich mir schon immer gewünscht habe: einen Platz im Leben, an dem ich mich wohl fühle. Und der muss nicht immer in der Front-Row sein.
Und erst recht nicht in New York.

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September 21, 2016
Category - Mode, sonntagspost

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