30 Jahre Mauerfall

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1989.
Fast 30 Jahre ist es nun her, dass die Mauer gefallen ist, doch die Spuren sind bis heute sichtbar.

Als ich nach Deutschland kam, stand die Mauer längst nicht mehr und auch als ich aufwuchs, sprach ich ihr keine allzu große Bedeutung zu. Ich bin im Ruhrgebiet, also im tiefsten Westen, aufgewachsen und die Unterscheidung zwischen Ost und West, war nichts, das in meinem Alltag stattfand. Selbst in der Schule wurde das Thema nur rudimentär behandelt und so verstand ich lange Zeit die Hintergründe nicht.

Ost und West – worin sollte der Unterschied liegen? Ist nicht beides einfach Deutschland?

So tief im Westen gab es einfach kaum Bezug zu der Mauer und zu Ostdeutschland generell und so rückte das Thema mehr in den Hintergrund. Ost und West – das existierte nur in meiner eigenen Identität, die tief durch die Sowjetunion geprägt ist. Ohne es damals zu ahnen, war ich den Ostdeutschen näher, als ich den Menschen im Westen je war. Ich bin mit russischen Nahrungsmitteln, russischen Kinderfilmen, russischen Märchen und natürlich der russischen Sprache und Mentalität aufgewachsen. Meine eigene Identität war in sich aufgeteilt in das, was mich familiär prägte und in das, wodurch meine Umwelt mich prägte.


Ich vermute mal, so ging es vielen Menschen aus dem Ostblock, die nach Westdeutschland emigrierten und damit in eine vollkommen andere Kultur, die stark von der Amerikanischen geprägt war und kaum ein gutes Haar an dem ließ, was mich persönlich prägte. Erst als ich nach Berlin kam, erkannte ich, dass es bis heute eine Unterteilung in Ost und West gibt. Es war auch das erste Mal, dass ich wirklich auf Ostdeutsche traf und erkannte, dass uns mehr verbindet, als uns trennt. Ich lernte die deutsche Art der Soljanka-Suppe kennen, zog nach Ostberlin und verliebte mich in Ostberliner – gleich zwei Mal.

Der Osten – er war plötzlich Teil meines Lebens. 
Doch obwohl die Mauer seit 30 Jahren nicht mehr steht, ist es erstaunlich wie wenig man die Unterteilung zwischen Ost und West heute in der Stadt sieht – und wie präsent sie bis heute in den Köpfen der Bewohner ist. Bis heute wird in Berlin zwischen Ost und West unterschieden und es wird eine imaginäre Grenze gezogen. Die Mauer stand 28 Jahre und selbst heute noch, 30 Jahre später, steht sie in manchen Köpfen noch immer. Und vielleicht ist genau das unser Problem.

Zwar feiern wir heute den Tag der Deutschen Einheit (3.10.1990), doch noch immer unterliegt Deutschland einer imaginären Grenze, bei der es oft ein Gegen- statt ein Miteinander ist.

Dabei ist ausgerechnet der Mauerfall einer der entscheidendsten Momente der (deutschen) Geschichte, der uns lernt, dass der Wunsch nach Freiheit und Gemeinschaft größer ist, als der Wunsch nach Abschottung. Dass es ein großer Fehler ist Mauern zu ziehen, Grenzen zu schaffen, um sich vermeintlich schützen zu wollen. Doch vor allem hat uns die Mauer eine Sache gelernt: Mauern sind dazu da, eingerissen zu werden.

Pünktlich zum 30-jährigen Mauerfall hat David Hasselhoff gemeinsam mit Audible ein Hörbuch herausgebracht: „Up Against The Wall – Mission Mauerfall“.

Dort beschreibt er seine Eindrücke und seinen Durchbruch ganz selbstironisch und lässt mit Absicht die Grenzen von Wahrheit und Fiktion verschwimmen. Anekdoten hat Hasselhoff allerdings einige zu erzählen, nicht zuletzt stand er auf der Mauer und sang „I’ve been looking for Freedom“. Wer weiß, ob er nicht wirklich etwas mit dem Mauerfall zu tun hatte? Es ist eine schöne, spannende und unterhaltsame Geschichte, die Ost- und Westberlin noch mal beleuchtet und in die Zeit vor 30 Jahren zurückversetzt. 

David Hasselhoff habe ich lange Zeit nicht wirklich ernst genommen. Ein Serien-Schauspieler, der diesen einen Superhit landete. Als ich dann David Hasselhoff persönlich kennenlernen durfte, habe ich alle Vorurteile über Bord geworfen und es war mir peinlich so oberflächlich gedacht zu haben. Tatsächlich habe ich David zwar einerseits als schillernde Persönlichkeit kennengelernt, doch eben auch als empathischen, tiefgründigen Menschen, der sich viele Gedanken macht über politische Geschehnisse und seine Verantwortung. Er liebt Berlin heiß und innig, verabscheut Grenzen und macht sich Sorgen um sein eigenes Land, wo das Thema „Grenzkultur“ aktueller ist, denn je. Auch darüber habe ich mit ihm gesprochen und mich für mein vorschnelles Urteil geschämt. Klug, reflektiert und bodenständig – so lässt sich mein Eindruck von David Hasselhoff heute zusammenfassen und es war mir eine Ehre ihn persönlich zu treffen und mich mit ihm austauschen zu können.


Gesprochen wird das Hörbuch übrigens von William Cohn, der seinerseits ein fantastischer Sprecher ist und bekannt durch Böhmermanns Neo Magazin Royale. Auch er hinterließ einen positiven, bleibenden Eindruck und ist die absolute Idealbesetzung für dieses Hörbuch.

Hier kommt ihr zum Hörbuch. 

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Oktober 3, 2019

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