Mode Berufe: Modedesignerin

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Heute kommt der dritte Teil der Serie „Mode Berufe“, ein Blick hinter die Kulissen diverser Jobs der Fashion-Branche. Nachdem es schon Einblick gegeben hat in das Leben einer Beauty-Redakteurin und einer Marketing-Writerin, kommt heute die Modedesignerin.
 
Und nicht irgendeine, die Wahl-Berlinerin Marina Hoermanseder höchstpersönlich verrät, wie der Alltag einer Modedesignerin wirklich aussieht und welche Fähigkeiten man auf jeden Fall mitbringen muss.
Dabei gab es einen Einblick in ihr Atelier und wichtige Tipps für die richtige Bewerbung herausfinden.
 
Die gebürtige Österreicherin ging einige Umwege bis zu ihrem heutigen Job und würde fast noch auf Hawaii nach Fischen tauchen, wäre der Drang nach Mode nicht doch größer gewesen.

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Wie bist du zum Modedesign gekommen?

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Als ich 14 Jahre alt war, habe ich an der alten Pfaff Nähmaschine meiner Mutter nähen gelernt. Sie war natürlich kein Profi, aber hat uns immer zu Fasching jedes erdenkliche Kostüm genäht. Dadurch bin ich früh mit Stoffen und der Herstellung von Kleidung in Berührung gekommen.
 
Witziger weise habe ich vor ein paar Jahren erzählt bekommen, dass meine Urgroßmutter schon Haute Couture Schneiderin in Paris war. Offensichtlich liegt meine kreative Ader in meinen Genen.
Damals als Teenager habe ich natürlich keine Wunderwerke vollbracht, aber ich konnte lernen, wie aus einer Idee ein Kleidungsstück geschaffen werden kann. Wer weiß schon, wo ich gelandet wäre, wenn es nicht die Mode wäre? Wahrscheinlich hätte ich eine Tischler-Lehre gemacht.
 
Bis ich wirklich Mode gemacht habe, hab ich auch wirklich einige Umwege gehen müssen. Nach meiner Matura träumte ich von der Schauspielerei und begann ein Schauspiel Studium am Wiener Konservatorium. Ich habe aber schnell festgestellt, dass Fächer wie Bewegungslehre oder Pantomime nicht das war, was ich mir vorgestellt hatte.
 
Eine Alternative musste her. Ich ging mit meinem Vater einen Kompromiss ein, erst sollte ich etwas Gescheites lernen und danach durfte ich mich wieder der Kreativität zuwenden. Also absolvierte ich einen Bachelor in International Business. Damit fühlte ich mich aber noch nicht wirklich ausgebildet und hängte noch den Master dran. Es folgte ein zweiter Kompromiss mit meinem Vater: Ich durfte ein Auslandssemester auf Hawaii verbringen. Denn mein heimlicher Kindheitstraum war ein Meeresbiologie-Studium auf der pazifischen Insel. Das Studium war ein anderes, aber der Ort dennoch ein wahrgewordener Traum.
 
2010 beendete ich mein Wirtschaftsstudium und habe mich noch im selben Jahr nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung an der ESMOD nach Berlin gewagt. Drei Jahre lang konnte ich meiner Kreativität freien Lauf lassen und alles ausprobieren, was mein Ideensprudel hergab. Von geschmolzenen orangenen Plastiktüten über skurrile Designs, da war wirklich alles dabei. Für meine Abschlusskollektion verbrachte ich zwei Wochen bei einem Leder-Sattler, weil ich unbedingt ein orthopädisches Korsett aus Leder schaffen wollte. Um Erfolg mit dieser Kollektion zu haben, habe ich einfach jeden angerufen, den ich kannte. Schließlich hat Lady Gaga ein Teil getragen und sogar in London fanden meine Entwürfe mit Lederschnallen und -straps Anklang.
 
Ich bekam im September das Angebot auf der Mercedes Benz Fashion Week zu präsentieren und hatte nun drei Monate Zeit eine vollkommen neue Kollektion zu entwerfen. Damals hatte ich natürlich noch keine Mitarbeiter oder ein Alterier. Also musste ich mit viel, sehr viel Hilfe meiner Freunde in meiner Wohnung auf dem Küchenboden alle Teile selbst fertigen. Es gab keinen Fleck mehr in meinem bescheidenen Heim, an dem nicht gerade Stoff oder Leder lag. Die fertigen Teile haben mit mir im Bett geschlafen. Ich weiß heute nicht mehr wie, aber wir haben es irgendwie geschafft alles fertig zu bekommen. Ein Satz meines Vaters, den er damals ständig gesagt hat, ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. „Der Meister brilliert in der Knappheit der Ressourcen.“ Und das stimmte dann wohl. Im Januar 2014 kam dann die erste Show und danach ging es so richtig los.

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„Der Meister brilliert  in der Knappheit  der Ressourcen“

Was für Skills muss man auf jeden Fall als Designer mitbringen, die niemand erwartet?
Definitiv muss einem klar sein, dass die Selbständigkeit und eine wachsende Mitarbeiterzahl viele Manager-Qualitäten erfordert. Ohne Führungsqualitäten schafft man es nicht ein Team von zwanzig Kreativen zu koordinieren.
Allerdings war die wichtigste Eigenschafften, die mir auf meinem Weg enorm geholfen hat eine ganz bescheidene: Danke zu sagen.
 
Höflichkeit und Dankbarkeit sind leider in der Modebranche keine Selbstverständlichkeiten. Man darf nicht denken, nur weil man Designer ist, hat man schon alles gewonnen.

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Wie sieht dein Arbeitsalltag als Modedesignerin aus?

Das Coole an dem Beruf ist, dass kein Tag gleich ist. Normalerweise komme ich morgens ins Büro,mache eine Stunde Papierkram.
 
Im Anschluss nehme ich mir Zeit für meine Mitarbeiter. Dabei erkundige ich mich nach dem jeweiligen Stand, helfe bei Problemen und besorge Dinge, die noch fehlen.
 
Im Laufe des Tages kommen dann ständig irgendwelche Anfragen rein. Es ruft jemand an, Rihanna ist in der Stadt und sie braucht eine Korsage von dir, gleichzeitig kommt eine Lieferung und die muss irgendwohin gebracht werden, währenddessen muss alles aufgeräumt werden, weil ein Termin mit einem Einkäufer ansteht. Über den ganzen Tag verteilt passieren solche Dinge und plötzlich ist der Tag rum und ich bräuchte noch mal zwölf Stunden für meine eigene To-Do-Liste.
 
An einem geregelterem Arbeitstag arbeite ich noch, wobei es wahrscheinlich nichts für mich wäre, einen strikten 9 to 5 Job zu haben.

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Mein erstes Ausschlusskriterium ist, wenn jemand meinen Namen in der Anrede falsch schreibt. Generell sind fehlerhafte Bewerbungen und prinzipiell Anfragen über Facebook ein No-Go.
 
Mir ist wichtig, dass ich erkenne, warum der Bewerber in meiner Firma arbeiten möchte, das muss nicht in der aufwändigsten Bewerbung stehen, die auch noch Unmengen an Geld gekostet hat. Eine schöne, sorgfältige, kreative Bewerbung, mit einem gutem Portfolio mit fünf Lieblingsteilen statt 50, per Mail reicht vollkommen.
 
Ich habe auch meine Zweifel, ob der Fokus auf der Arbeit liegt, wenn man zu aufgedonnert beim Vorstellungsgespräch erscheint. Die Kreativität ist für mich viel entscheidender.

Welche Tipps würdest du   Modestudenten und Graduates für die Praktika und Jobsuche geben?

Wie stellst du dir die Zukunft für dein Label vor?
Ich arbeite gerade an einem neuem Konzept, dass allerdings noch in Kinderschuhen steckt. Marina Hoermanseder wird es genauso weitergeben, wie man es kennt. Hinzu wird voraussichtlich Ende des Jahres eine preisgünstigere Linie kommen, mit Dingen, die Freude machen und die man sich gerne kauft und vor allem leisten kann.
Die Kollektion wird unter Anderem aus T-Shirts, Pullis oder Schlüsselanhänger bestehen. Diese Teile wird es nicht auf der Show geben sondern nur Online. Ich möchte die Mädchen ansprechen, die uns bei Instagram oder Facebook folgen, aber denen unsere Stücke zu teuer sind. Das wird sich mit der Kollektion ändern.
 
Mein Traum ist es, die Marke in Zukunft somit teilweise zu demokratisieren, damit jeder, auch das Mädchen von nebenan, ein Teil vom Team Marina Hoermanseder sein kann.

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August 31, 2016
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