Perpignan
Das bestgehütete Geheimnis Südfrankreichs
Die Reportage
Wo ist das
noch mal?
Zehn Tage zwischen Bergschluchten und Fischerdörfern — in einer Region, die Frankreich längst für sich entdeckt hat und der Rest Europas noch nicht.
Genau diese Reaktion habe ich bekommen, als ich erzählt habe, wo wir hinfahren. Kaum einer hat von diesem kleinen Ort im äußersten Süden Frankreichs gehört, kurz vor der spanischen Grenze. Und das ist, wie sich herausstellen sollte, sein größter Vorteil.
Das Beste an unserem Trip war nämlich, dass es nirgendwo zu voll war. Zumindest nicht mit ausländischen Touristen wie uns, sondern mit französischen. Die haben Perpignan und die ganze Region sehr wohl auf dem Schirm.
Dadurch mussten wir keine Tickets wochenlang im Voraus kaufen und uns keine Sorgen machen, ob der Parkplatz am Mittag schon voll ist. Das gab uns als Familie etwas, das im Urlaub mit Kind selten geworden ist: Raum für Spontanität. Wir sind morgens losgefahren, ohne genau zu wissen, wo wir mittags landen.
Ich befürchte nur, dass sich das ändern wird. Wenn sich erstmal rumgesprochen hat, wie schön es dort ist, findet der Massentourismus auch dahin seinen Weg. Insofern: Fahrt hin, solange es noch so ist.
Tatsächlich waren wir kaum in Perpignan — sondern die ganze Zeit drumherum.

I
Ins Wasser

Pyrenäen · frei zugänglich
Les Gorges du Gouleyrous
Kristallklares Bergwasser zwischen zwei steilen Wänden. Dieser Ort ist fast zu schön, um wahr zu sein — und man kommt einfach hin, parkt und geht rein. Keine Kasse, keine Schlange, kein Zeitfenster.
Es gibt flache Stellen für Kinder und tiefere Becken, in die die Mutigen von den Felsen springen. Das Wasser bleibt auch im Hochsommer frisch, was bei vierzig Grad im Schatten weniger ein Nachteil als der ganze Sinn der Sache ist.

Naturbad · frei zugänglich
Gorges du Verdouble
Felsige Flussbecken, klares Wasser und ganz viele kleine Wasserfälle. Für mich der entspanntere Zwilling der Gouleyrous: weniger Nervenkitzel, dafür mehr Ecken zum Sitzen, Planschen und Nichtstun.
Mit kleineren Kindern funktioniert das hier besser, weil man sich ein flaches Becken aussuchen und einfach dort bleiben kann. Es war der Ort, an dem wir am längsten geblieben sind, ohne es zu merken.



II
In die Dörfer

UNESCO-Welterbe
Villefranche-de-Conflent
Enge Gassen, kleine Läden, alle paar Meter etwas Neues zu entdecken und Hexen, die hier als Glücksbringer gelten und in jedem zweiten Schaufenster hängen. Das ist keine Halloween-Deko, sondern eine lokale Tradition. Wir haben eine betagte Frau gesehen, die mit ihrer schwarzen Katze Gassi ging. Passt natürlich gut ins Bild.
Für Kinder ist der Ort ideal, weil die Wege kurz sind und trotzdem ständig etwas passiert.

Küste · Fischerort
Collioure
Bunte Fassaden, blaue Fensterläden, Bougainvillea über jeder zweiten Tür. Der Ort hat Matisse zum Malen inspiriert, und wenn man einmal durch die Gassen gelaufen ist, versteht man sofort warum.
Von allen Orten, die wir gesehen haben, war das der einzige, an dem wirklich etwas los war. Trotzdem: keine Reisebusse, kein Gedränge.

Mittelmeer
Die Buchten
Entlang der Küste reiht sich eine kleine Bucht an die nächste: Kiesstrand, klares warmes Wasser und alte Mauern, an denen man Schatten findet und sich anlehnen kann.
Man braucht keinen Plan. Wir sind die Küstenstraße abgefahren und sind da rein, wo es gut aussah.







Fast jeder Tag endete irgendwo im Wasser — auch wenn das morgens nicht der Plan war.
III
Für die Kinder

Bauernhof
Discovery Farm Saint-André
Streichelzoo mit Lamas und Kaninchen, Ponyreiten, und Lämmchen, die man mit der Flasche füttern darf. Die Tiere sind entspannt und an Kinder gewöhnt. Das Füttern war, ohne jede Konkurrenz, das Highlight des ganzen Urlaubs.
Der Ort hat ein paar negative Bewertungen, weil er in die Jahre gekommen ist. Aber wen das stört, der darf keinen Fuß in einen Berliner Streichelzoo setzen. Die Mitarbeiter waren freundlich, der Eintritt günstig, das Ponyreiten hat vier Euro gekostet und das Füttern mit der Flasche war umsonst.

Schmetterlingshaus
Le Tropique du Papillon
Man läuft durch das Haus und die Gärten, und wenn man Glück hat, setzt sich einer auf die Hand. Bei mir hat es ungefähr zehn Minuten gedauert. Man kommt sehr nah dran und lernt dabei wirklich viel über Schmetterlinge.
Aber auch der Garten und die ganze Anlage sind schön und perfekt, um kurz runterzukommen.

Stadtrundfahrt
Le Petit Train de Perpignan
Die beste Möglichkeit, mit Kindern eine französische Stadt zu erkunden, ob Perpignan oder Collioure. Das Konzept gibt es fast überall, und ich mag es lieber als Hop-on-hop-off, weil es mehr Charme hat. Man sitzt, es fährt, die Altstadt zieht vorbei, statt drei Stunden zu verhandeln, wer noch laufen kann.
Bei uns war es leider so gemütlich, dass Amalia in meinem Arm fast eingeschlafen ist.

Kletterpark
Kap’Oupa Kap Parc Aventure
Ein liebevoll gemachter Abenteuerpark mitten in der Natur: Kletterparcours, Seilrutschen, Trampolin. Es gibt Strecken für ganz kleine Kinder und welche für Erwachsene.

Wasserpark
Aqualand Saint-Cyprien
In der Region gibt es mehrere große Wasserparks mit riesigen Rutschen für jedes Alter. Saint-Cyprien war einer davon. Der klassische Plan für den Tag, der einfach funktioniert, aber leider auch sehr teuer: Ohne Essen und Getränke, einfach nur für den Eintritt, haben wir für uns drei fast 100 Euro gezahlt.




Service
Dahinkommen
und wohnen
Anreise
Wir sind nach Barcelona geflogen und haben ein paar Tage dort verbracht, plus Zwischenstopps auf dem Weg hoch. Von Barcelona nach Perpignan sind es rund zwei Stunden mit dem Auto.
Mietwagen
Keine Option, sondern Voraussetzung. Alles Sehenswerte liegt verteilt in der Region, nicht in der Stadt.
Unterkunft
Für günstige Betten: HomeExchange oder Kindred. In der Ferienzeit sind Unterkünfte teuer — aber weil das vielen Familien so geht, gibt es genau dann besonders viele Tauschangebote.
Beste Zeit
Wir waren im Hochsommer und selbst da war es fast überall leer. Die Schluchten sind bei Hitze das perfekte Gegenmittel.
Alle Orte auf einer Karte
Fahrt hin, bevor alle hinfahren.
Jede Schlucht, jedes Dorf, jede Bucht und alles, was wir mit Kind gemacht haben — gesammelt in einer Google-Maps-Liste. Einmal speichern, und ihr habt die ganze Region im Handy.
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