Über Verzicht und BewusstseinOn sacrifice and effortОб отказе и осознании

Fee-Gloria Groenemeyer | photographer based in Berlin, New York and Paris | fashion photography | Paris | Parisienne
photos: Fee-Gloria Groenemeyer
 
 

Vor vier Tagen hörte mein Handy auf zu funktionieren.
Ich verbrachte das Wochenende gerade in Deutschland, um einen Auftritt meiner Schwester zu sehen, und war sechs Stunden aus Österreich angereist, um ihr Musical “Anatevka” zu besuchen. Sobald wir die Grenze hinter uns gelassen hatte, blinkte das Gerät “SIM-Karte für dieses Netz gesperrt” (dabei waren Handy und SIM völlig in Ordnung), und weigerte sich, etwas anderes anzuzeigen, selbst, als wir wieder zurück in Österreich waren. Ich konnte vier Tage lang keine SMS senden und empfangen, Telefonieren war nicht möglich, da ich kein Netz bekam, nur WLAN funktionierte noch – doch in der Ferienwohnung hatten wir keines.
Mein Handy war vier Tage lang tot.
 
Für die Meisten wäre das die erste Stufe des Weltuntergangs, eine kleine Vorhölle, eine Horrorvorstellung deluxe gewesen; Ich fand es eigentlich gar nicht so schlimm.
Sicher, ein paar Telefonate hätte ich machen sollen, aber die ließen sich auch verschieben. Die paar verpassten SMS waren auch nicht so wichtig, und in den Telegram-Chats wurde eh nur Belangloses gequatscht. Es war ein bisschen wie Urlaub: ich bin jetzt nicht erreichbar, nur eben unabsichtlich. Nur eines ließ mir keine Ruhe und ließ rastlos in der Wohnung herumtigern: ich wollte die Stimme meines Freundes hören. Er wohnt hunderte Kilometer entfernt, wir sehen uns nur an den Wochenenden, wir sind verliebt, wir vermissen uns – und nun können wir noch nicht einmal telefonieren.

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Da das im-Kreis-laufen offenbar die Denkfähigkeit anregt, kam mir eine Idee: Na klar, ein Münzfernsprecher!
Wie romantisch. Aber gibt es die überhaupt noch?
 
Ich suchte im Kopf die ganze Stadtkarte nach ihnen ab, konnte mich konkret an eine einzige erinnern, aber ob die überhaupt noch da war? Ich zermarterte mir den Kopf nach weiteren Telefonzellen, und nach ein paar weiteren gelaufenen Kreisen fielen mir noch ein, zwei weitere ein. Ich beschloss auf der Stelle, um zehn Uhr abends, das Experiment zu starten, setzte mich in mein Auto und fuhr alle Orte ab, an denen ich Telefonzellen vermutete. Die erste war entfernt worden. In der zweiten hing eine derart imposante Kreuzspinne, dass ich mich partout nicht hineintraute, ihr aufwändiges Netz aber auch nicht mit einem Stock zerstören wollte, nur weil ich zur Tussi mutierte und es keine zehn Minuten neben einem Vieh aushielt, das viel kleiner war als ich.
Die dritte Telefonzelle war spinnenfrei und funktionierte. Ich fühlte mich nervös wie damals, als ich als Schülerin von so einem Telefon aus meinen Eltern beichten musste, dass ich den letzten Bus verpasst hatte, und sie mich abholen mussten. (Für die Eltern von Landkindern kann das großen Aufwand bedeuten, schon allein, weil das Heu dann im Dunkeln eingebracht werden muss, oder im Winter erst die Garageneinfahrt mühsam von den Schneemassen freigeschaufelt werden muss.)

 

Ich warf eine Münze ein, tippte mit klopfendem Herzen auf die metallenen Zahlentasten (nur ja nicht vertippen, es gibt keine “löschen”-Taste!) und wartete auf sein rauchiges “Na hallo!”. “Guten Tag, die Nummer, die Sie gerade gewählt haben…” – Mailbox! Wenn ich jetzt auflege, ist nich nur die Münze weg – er hätte einen anonymen Anruf ohne Nummer auf dem Handy. Und zurückrufen geht ja wohl kaum. Also begann ich, seine Mailbox etwas verlegen vollzureden, und erzählte, bis der Zeitablauf mein Gezwitscher abbrach.
Am nächsten Tag versuchte er, meine Schwester anzurufen. Um mir das mitzuteilen, fuhr sie von ihrer Wohnung den ganzen Weg bis zu meiner Wohnung, und hängte mir von innen einen Zettel an die Wohnungstüre, auf den sie ebendas geschrieben hatte. Als ich den Zettel fand, lief ich sofort wieder zur Telefonzelle, dieses Mal mit mehr Münzen, und er und ich konnten selige Minuten lang unser Ohr mit der geliebten Stimme fluten. Selten haben mich Glücksgefühle beim simplen telefonieren so durchrauscht wie da, in dieser kahlen Telefonzelle.
Da erst begriff ich, wie wertvoll diese Telefonate mit ihm waren: es war, als ob wir uns in den Armen liegen würden, hunderte Kilometer von einander entfernt.

 

Jedes Wort eine Umarmung, jeder Atemzug ein Kuss.

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Am vierten Tag, nachdem mein Handy aufgehört hatte, zu funktionieren, wurde es im Handyshop wieder zum Laufen gebracht. Ich konnte wieder telefonieren, SMS schreiben, alles, was ich wollte. Die Flut an Nachrichten brach wieder los.
Aber irgendwie war es die Tage davor schöner gewesen.
 
Ich war kreativer gewesen, sogar mein Umfeld war, um mit mir in Kontakt zu treten, kreativer geworden und meine Schwester hatte noch dazu Aufwand auf sich genommen. Ich war entspannter gewesen, fokussierter, und ich hatte mir überlegt, was ich zu sagen hatte und wie, um wertvolle Zeit nicht zu vergeuden. Ich war, wenn man so will, in meiner Kommunikation klarer, und wesentlich effektiver gewesen.
 
Ich hatte besser erkannt, was mir wichtig war, und insbesondere, wer mir wichtig war.
Ich hatte Aufwand und Umständlichkeiten auf mich genommen, ohne auch nur einen Wimpernschlag lang darüber nachzudenken.
Ich hatte besser erkannt, wer mir die Zeit, den Aufwand und die Umstände wert war.
Ich hatte meine Zeit nicht nicht mit Belanglosigkeiten und billigen Ablenkungen gefüllt.
Ich war – bewusster gewesen.

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Und dieses Bewusstsein, diese Klarheit, die ist es, die uns oft fehlt.
 
Wir merken es oft nicht einmal, weil wir müde sind, meinen, beschäftigt zu sein, oder weil wir einfach der Meinung sind, uns jetzt entspannen zu wollen, und deshalb unsere Aufmerksamkeit von billigen, aufmerksamkeitsheischenden Ablenkungen so bereitwillig auf sich ziehen lassen. Ich bin wohl nicht die einzige, die – eigentlich müde – die halbe Nacht vor Youtube oder mit dem Durchklicken von Bildern verbracht hat, dem Ausfüllen wertloser Psychotest-Spielchen oder im Pinterest-Meer beinahe fortgeschwemmt worden wäre.
 
Wenn uns Dinge wichtig sind, sind wir bereit, dafür großen Aufwand und beträchtliche Unbequemlichkeiten, einige Anstrengung und total Umständliches hinzunehmen. Wir bemessen die Wichtigkeit, den Wert, die es für uns hat, und richten das Maß unserer Anstrengungen danach aus.
Mehr Wichtigkeit ergibt mehr Anstrengung.
 
Oft fällt uns dabei gar nicht auf, dass der Wert des Menschen oder der Sache für uns steigt, je mehr wir hineininvestieren – mehr Mühe erzeugt mehr subjektiven Wert, also auch mehr Wertschätzung! Je mehr wir also in den Menschen, die Sache (die Prüfung, den Blog, den Wettkampf,…) investieren, desto wichtiger und wertvoller erscheint er/sie/es uns.
Immer, wenn sich die Anstrengung „auszahlt“, freuen wir uns viel mehr als sonst darüber: je höher die Anstrengung, desto schöner, stärker und wertiger ist dieser, unser Erfolg.
Sei stolz darauf, du hast es geschafft!
Und ja – sogar dieser Stolz ist größer.
 
 
Vivien

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Über die Autorin:
Vivien, 28, aus Österreich, wollte eigentlich Kunst studieren, eine Modeschule besuchen und nebenbei noch Tschechisch-Dolmetscherin werden. Nachdem sie aber die Kriminalistik am allermeisten liebt, wurde sie Polizistin und arbeitet als operative Kriminalanalytikerin. Sie mag Literatur und Sprachspielerei, schreibt unvollendete Alltagsgeschichten und hat ein Problem damit, sich kurz zu fassen, was sie Masha in ihren ausgedehnten Outfitanalysen spüren lässt.
Sie träumt von Ann Demeulemeester und Barbara I Gongini, würde sich am liebsten täglich von Kopf bis Fuß in Schwarz und Grau wickeln, investiert in Lena Hoschek und geht darin freudestrahlend in die Arbeit. Sie trägt, was ihr gefällt, und ist damit wie sie ist: ein bisschen verrückt, ein bisschen mutig, ein bisschen unkonventionell, und immer voller fröhlicher Ideen. Vielleicht startet sie doch irgendwann noch einen Blog – zum Beispiel über Mode, Morde und den Stil der Mörderjäger?

 


Über die Fotografin:
Fee-Gloria Groenemeyer ist gebürtig aus Wiesbaden und ist zum Modeln (ja, sie sieht auch noch gut aus!) nach NYC gezogen, wo sie ihre Leidenschaft für die Fotografie und Mode entdeckt hat. Nach NYC ist sie nach Paris gezogen, wo sie Mode Management studiert hat und sich parallel auf die Fotografie fokussierte. Mittlerweile ist sie hauptberufliche Fotografin, fotografiert am liebsten stimmungsvolle Portraits und pendelt zwischen Berlin, New York und Paris. Der kreative Kopf liebt das Reisen und Erkunden und baut zur Zeit ein Netzwerk aus Stylisten, Visagisten und Künstlern, mit denen sie gemeinsam coole neue Projekte umsetzt. Sie hat eine wirklich beeindruckende Biographie und das mit (Achtung!) grade mal 22 Jahren! Sie ist also so ziemlich das, was man ein Wunderkind nennen würde und ich bin mir sicher, dass wir noch einiges von ihr hören werden! Hier geht’s lang zu ihrem Instagram.

Four days ago my phone stopped working.
I was in Germany for the weekend, took the six hour ride from my home in Austria to see my sister perform in her musical ‘Anatevka’. As we crossed the border, I received a notification on my phone: ‘SIM card locked for this region’ (phone and SIM were completely fine though). The message never disappeared during my stay in Germany, and it remained all my screen showed me even once I was back home. For four days, I could not send or receive text messages, and was unable to make calls. Only the internet worked – but we had no wifi in the flat we stayed at.
My phone was dead for four entire days.
 
For most people I know, this would have been torture, the first circle of hell, a horror scenario. I didn’t mind it all that much. Sure, would have been good to be able to make certain calls, but I knew that they could wait. The few text messages I missed were also not the end of the world, and the various chats I was engaged in were all about trivial stuff. It was, in fact, a bit like being on holiday: I didn’t plan it, but as it was, you couldn’t reach me, and that was that. There was only one thing that made me pace around my flat restlessly: I wanted to hear my boyfriend’s voice. We live in different different towns, several hundred kilometres apart from each other, and we only get to meet on weekends. We are in love, and we miss each other – and now we couldn’t even chat on the phone.

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All the pacing must have invigorated my brain.
In a moment of clarity, I had a brilliant idea. Public payphones. Of course! Super romantic.
But do they even exist still? I racked my brain and visualized every street I could think of. The memory of one single payphone started to take shape in my head, but would it still be there? Some more thinking, and I came up with a couple of potential alternatives, so I decided to go for it. It was 10pm, but that didn’t stop me. I got in my car and drove to the places I suspected payphones at. Arriving at the first, I saw that the public phone had been removed. The second booth was occupied by a gigantic spider, which made it impossible for me to get in. Also, remembering I didn’t actually have anything to fear from an insect so much tinier than myself, shame prevented me from destroying the spider’s web with a stick. The third phone was not occupied by creatures of any description, and – it worked.
 
I felt nervous like on that distant day when, still in school, I had to call my parents from a similar phone to confess that I had missed the last bus and that they’d need to get me. (For parents of kids living on the countryside this can be a considerable hassle. It can mean that work like bringing in the hay will have to be done in pitch black darkness, in winter it can mean having to clear the driveway from masses of snow before being able to drive out).
I inserted a coin, dialled the number with a beating heart (don’t get it wrong girl, no erase button on these old things and waited to hear his smokey ‘hello’. ‘The number you have dialled is currently…’ – Mailbox! If I hang up now, the phone will swallow my coin and my boyfriend will later see a missed call from an anonymous number on his phone. Waiting for a callback was no option for obvious reasons. A bit embarrassed, I waited for the beep and started talking. I babbled away until I was cut off once my coin dropped. The next day he tried to call my sister. She drove all the way over to my flat just to let me know with a written message she left on my door. When I got home and saw the message I went straight back to the phone booth, this time equipped with more coins than the first time around. I reached him, and at good last, we could talk. For a couple of blissful moments, I had his beloved voice in my ear. spartan and confined as the booth was, I don’t think a phone call has ever made me so happy before. It was only then that I fully realized how important my phone conversations with him are for me: with all the distance between us, it felt almost as if we were lying in each others arms

 

Every word an embrace, every breath a kiss.

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The fourth day after my phone stopped working, I finally had it fixed in a mobile phone store. I could finally call, text and chat again as much as I wanted. The stream of messages engulfed me again. And I realized that life had somehow been beautiful without in the days before.
 
I had been more creative, even my friends were forced to be more creative just to get in touch with me. My sister had gone out of her way to deliver a message to me.
Somehow, I had been more relaxed, more focussed, and I had thought about what I wanted to say on the phone, lest I wasted precious time.
I realized that my communication in general had been much clearer and more effective.
It was a bit easier to see what was – and, above all, who – was important to me.
I took up with hassle and inconveniences without thinking twice.
It was easier to see which communication was worth my time and effort.
My attention was not clogged up with trivialities and ultimately pointless distraction –
I had entered a somehow more conscious state of mind. .

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We often lack this sense of self, this sense of clarity in our lives. We don’t even realize that we’re missing something, we’re too tired to notice, or too convinced that we’re busy. Often we fall into the trap of believing that consuming all this empty, disposable distraction is a way of relaxing. I’m sure I’m not the only one sometimes spending half the night watching stuff on youtube, flicking through photos, filling out pointless questionnaire-games or slowly drowning in the ocean we call Pinterest – despite the fact that I’m tired and need sleep.
 
If something is important to us, we are ready to overcome big obstacles and to put up with major hassle. We are ready to invest our energy, to make an effort. We asses the importance these cherished things have for us, and then allocate the energy necessary to get it. Sometimes, the more important things are for us, the bigger the effort is that we have to make.
 
Often we don’t even realize that people and things become valuable to us because we gift them our time and energy. The value increases along with the effort we make, and the more energy and time we invest the more we cherish the object of our desire! If we invest more in a person or a thing (like an exam, a blog, a competition), we appreciate her/him/it more.
And whenever our efforts ‘pay off’, we are that much happier about it. The higher the obstacle was that we needed to overcome, the more beautiful and valuable attaining our goal becomes.
Be proud, you did it!
And even our feeling of pride is so much bigger than it would have been.
 
 
Vivien

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About the author:
At some point, Vivien, 28 years old and Austrian, wanted to study art, to enrol in a fashion course and to become a Czech interpreter. But her love for criminology proved to be her strongest passion, so she joined the police and now works as operative criminal analyst. She loves literature and wordplay, writes unfinished stories taken from daily life and sometimes struggles to keep it short, as Masha knows from many a thorough outfit analysis.
Vivien dreams of Ann Demeulemeester and Barbara I Gongini. If she always had it her way, she’d wrap herself in black and grey every day. She also invests in Lena Hoschek and walks to work with a happy smile. She wears what she likes, and she feels her fashion represents her: a little over the top, a little brave sometimes, a bit unconventional and always full of cheerful ideas. Maybe she’ll start her own blog one day after all, about fashion, murderers and the fashion of crime-hunters?

 


Über die Fotografin:
Fee-Gloria Groenemeyer ist gebürtig aus Wiesbaden und ist zum Modeln (ja, sie sieht auch noch gut aus!) nach NYC gezogen, wo sie ihre Leidenschaft für die Fotografie und Mode entdeckt hat. Nach NYC ist sie nach Paris gezogen, wo sie Mode Management studiert hat und sich parallel auf die Fotografie fokussierte. Mittlerweile ist sie hauptberufliche Fotografin, fotografiert am liebsten stimmungsvolle Portraits und pendelt zwischen Berlin, New York und Paris. Der kreative Kopf liebt das Reisen und Erkunden und baut zur Zeit ein Netzwerk aus Stylisten, Visagisten und Künstlern, mit denen sie gemeinsam coole neue Projekte umsetzt. Sie hat eine wirklich beeindruckende Biographie und das mit (Achtung!) grade mal 22 Jahren! Sie ist also so ziemlich das, was man ein Wunderkind nennen würde und ich bin mir sicher, dass wir noch einiges von ihr hören werden! Hier geht’s lang zu ihrem Instagram.

Четыре дня назад мой телефон внезапно перестал работать.
Дело было так: я приехала на выходные в Германию, проделав 6-часовой путь из Австрии, чтобы посмотреть на выступление моей сестры – она играла одну из ролей в мюзикле «Скрипач на крыше». Как только мы пересекли границу, на экране моего смартфона высветилось сообщение «SIM-карта заблокирована для данной сети» (хотя и с телефоном, и с SIM-картой все было в порядке). На протяжении последующих четырех дней я не могла ни отправлять, ни получать СМС; позвонить кому-либо тоже было невозможно, поскольку телефон не мог подключиться к сети.
Мой телефон был мертв в течение четырех дней.
 
Большинство людей восприняли бы эту ситуацию как начало Апокалипсиса, но я решила, что это, собственно говоря, не так уж плохо. Конечно, мне нужно было сделать пару телефонных звонков, но они могли и подождать. Несколько пропущенных СМС – это тоже не так уж важно. Это было что-то вроде незапланированного отпуска: я внезапно оказалась недоступна для всех.
Только одна вещь не давала мне покоя и заставляла беспокойно метаться по квартире: я хотела услышать голос моего друга. Он живет за сотни километров от меня, мы видимся только по выходным, мы влюблены и скучаем друг по другу – и теперь мы не могли даже созвониться.

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Очевидно, ходьба по кругу стимулирует мыслительные способности, поскольку мне в голову внезапно пришла идея: конечно же, таксофон!
Как романтично! Но существуют ли они в наши дни?
 
Я мысленно представила себе карту города и вспомнила об одном таксофоне, но остался ли он на том месте, где я его когда-то видела? Покопавшись в памяти, я припомнила еще пару телефонных будок, которые в свое время попадались мне на глаза. Несмотря на то, что было уже 10 часов вечера, я решила немедленно начать свой эксперимент и села в машину с целью объехать все те места, где предположительно могли находиться таксофоны. Первого из них уже не было. Во второй телефонной будке сплел паутину огромный паук, который не внушал мне особого доверия. А вот третья телефонная будка оказалась свободна, и даже телефон был в рабочем состоянии.

 

Я бросила в щель монету и с бьющимся сердцем стала нажимать металлические клавиши, ожидая услышать его хриплое «Алло». «Добрый день, номер, который вы набрали…» Автоответчик! Но я не могла положить трубку – ведь он не сможет мне перезвонить! Мне ничего не оставалось, как начать рассказывать свою историю, и я говорила до тех пор, пока у меня не кончилось время.
На следующий день он попытался позвонить моей сестре. Чтобы сообщить мне об этом, она доехала до моей квартиры и оставила записку на двери. Прочитав записку, я сразу же побежала к телефонной будке, захватив с собой побольше монет, и мы смогли насладиться голосами друг друга в течение нескольких блаженных минут. По-моему, еще никогда простой телефонный разговор не делал меня такой счастливой!
В эти минуты я впервые поняла, насколько важны для меня эти телефонные разговоры: мы как будто обнимали друг друга, находясь на расстоянии в сотни километров.

 

Каждое слово – как объятие, каждый вдох – как поцелуй.

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На четвертый день мой телефон отремонтировали. Я снова могла звонить, писать СМС – все, что душе угодно.
Но те дни, когда мой телефон не работал, были лучше.
Я стала более спокойной, более сосредоточенной, я тщательно обдумывала, что мне нужно сказать и как, чтобы не тратить впустую драгоценное время.
Я осознала, что для меня важно, и в особенности – кто для меня важен.

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Именно этой осознанности, этой ясности, нам так часто не хватает.
 
Мы часто не замечаем, что ценность людей или вещей становится для нас тем выше, чем больше сил мы в них вкладываем – затраченные усилия повышают их субъективную ценность для нас. И каждый раз, когда эти усилия «окупаются», это радует нас гораздо больше, чем если бы мы достигли результата без особого труда: чем больше трудностей, тем более ценным и важным становится наш успех.
Ты можешь гордиться собой – тебе это удалось!
И действительно – тем больше у нас становится поводов для гордости!
 
 
Vivien

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Об авторе:
Вивьен 28 лет, она живет в Австрии. Первоначально она хотела заниматься искусством, поступить в школу моды и, ко всему прочему, стать переводчиком с чешского языка. Но однажды Вивьен поняла, что больше всего ей нравится криминалистика, и выбрала работу в полиции. Сейчас она работает криминалистом-аналитиком. Она увлекается литературой и сама пишет незавершенные рассказы, посвященные повседневной жизни. Возможно, в один прекрасный день она тоже создаст свой собственный блог – например, о моде и убийствах?

 


О фотографе:
Fee-Gloria Groenemeyer родилась в Висбадене, но впоследствии переехала в Нью-Йорк, чтобы работать моделью. Именно там впервые проявилась ее страсть к фотографии и моде. Через некоторое время она отправилась в Париж, где училась по специальности «Менеджмент в сфере моды» и параллельно занималась фотографией. Сейчас она является профессиональным фотографом и специализируется на портретных снимках.



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29 Comments


  1. Frage:
    Gilt es als vorsätzliche Straftat, wenn ich hier und jetzt äußere, besagte Blogbetreiberin und Gastautorin als angehende Modedesignerin, sehr sehr gerne entführen zu wollen?!? *Kopfkino*
    Wenn ja, bekenne ich mich hier und jetzt schuldig, ja wohl!
    Mein Radius dürfte durch die IP bekannt sein.
    Bitte keine Festnahme in der Uni.;) Pendeln sei dank… Wollen den Hatern ja kein Kavier servieren.;)

    Himmel, Handschellen und Stift! Und ich schmunzele jedes Mal, beim lesen jener pathetisch predigenden CC’s. @Vivienne Noir ;)

    Hochachtungsvoll
    Die mit den Stoffen und Co tanzt

    Reply

    1. Nun ja, ich würde sagen, solange du dir noch kein Entführungs”Werkzeug” und -Fahrzeug besorgt hast, sind wir noch nicht in der strafbaren Vorbereitungshandlung – aber du stehst natürlich ab sofort unter strengster polizeilicher Observation! Auch in der Uni – dein neuer Sitznachbar ist dir zuvor noch nicht aufgefallen, oder? *grins* der schaut manchmal auch so zu dir rüber…

      Masha und ich als Geiseln – ich glaube, wir hätten so viel zu quatschen und lachen, dass jeder Entführer entnervt aufgeben und uns wieder freilassen würde!

      …mir war bisher nicht bewusst, wie viele meine spontanen Outfitanalysen lesen! Ich dachte immer, nur Masha guckt sie sich an :)

      Reply

      1. Verstehe. Dann ist meine Tarnung à la : Ich-Hülle-mich-von-Kopf-bis-Fuß-in-Schwarz Manier umsonst gewesen.;)
        Naja, ich “verfolge”? (Die Strafakte wird wohl dicker mit jeder Zeile) Masha auch schon seit langem, kenne die Gothbraut in ihr, die noch in irgend welchen Gefilden tief schlummert xD (auch wenn ich fast gar nicht mehr posten kann), weswegen ich schätze, dass eher die mutmaßliche Entführerin ihre Geiseln mit ihrer pathetisch predigenden Laberei ohne jegliche Chemie ins Schlummer-Schlummerland befördern würde.;) Falls ihr sie “Big Bang Theorie” kennt und euch Dr. Sheldon Lee Cooper was sagt, wie : wusstet ihr, dass…;)

        Also ja, so selten ich auch vorbei schauen kann, da ließt immer wer mit.;)

        Ps. Aus den zusätzlichen Buchstaben, “n und e” wird eine Buchstabensuppe gekocht.;)

        Reply

  2. Ein richtig toller Gastbeitrag! So ging es mir auch erst vor ein paar Wochen. Ich war in Schweden unterwegs und plötzlich hat mein Handy den Geist aufgegeben. Irgendwie war es blöd, aber andererseits hab ich es total genossen. Man hat plötzlich sooo viel Zeit! Unglaublich. Und das obwohl ich im Urlaub eh kaum am Handy hänge. Aber vor allem merkt man, was und wer einem am wichtigsten ist. Denn dass mein Handy kaputt ist und sie sich bitte keine Sorgen machen sollen, wenn ich mich nicht melde, habe ich eigentlich nur drei Leuten (irgendwie und umständlich) mitgeteilt. Der Rest konnte warten.

    Reply

  3. Wie schön dass du hier jungen Talenten so eine Plattform bietest, ich bin von dem Schreibtalent und der Fotografin ganz begeistert!

    Reply

  4. Sehr guter Gastbeitrag! Danke Vivien!

    Reply

  5. Mann Masha,

    Du haust mich gerade aus den Socken!!? War ich ein paar Wochen nicht auf deiner Seite, weil es mich in dem Moment irgendwie weniger ansprach; hab ich heute mal wieder reingeschaut und mir ehrlich gesagt einen Artikel nach dem anderen durchgelesen. Du beantwortest so “mal eben” lässig eine Frage nach dem anderen, die in letzter Zeit so in meinem Kopf rumschwirrt (Undone Hair, Kaffee Peeling, wie stylt man Jumpsuits mit einem zu tiefen Ausschnitt (meine bisherige Lösung nicht kaufen), bewusster leben / mit seiner Zeit umgehen,etc). Ich bin beeindruckt!! ? Hat meinem Sonntag viel Input und Inspiration gegeben.

    Mach weiter so und damn you look better than ever!!!

    Reply

  6. Toller Text! Ich hatte das im Frühjahr auch mal, dass mein Handy nicht mehr ging. Es war sowohl eine Erleichterung und Entstressung des Alltags, als auch eine Herausforderung. Aber da wir ein Festnetztelefon haben war es halb so schlimm ;)

    Die Fotos sind übrigens auch große Klasse!

    Viele Grüße,
    Fiona

    Reply

  7. Oh, natürlich sind die Fotos auch wunderschön. Das habe ich bei meinem eigentlich schon viel zu langem Kommentar vergessen. Sie passen perfekt und sind wahnsinnig stimmungsvoll. Und das Alter der Fotografin hat mich schon überrascht.

    LG von Charli

    Reply

  8. OMG, was für ein wunderschöner Gastbeitrag! Der Text ist richtig inspirierend
    und die Fotos sind einfach nur Kunstwerke! Jedes hat so viel Ausstrahlung und
    erzählt eine eigene Geschichte! Total schön! ♥♥♥

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

    Reply

  9. Da habe ich also richtig gelegen mit meiner Vermutung, dass es sich bei der im gestrigen Post angekündigten talentierten Blog-Leserin um die Verfasserin der schönen Outfit-Analysen handelt.

    Schön, dass man (ich) nun auch ein bisschen was über die Autorin erfahren hat. Ich habe mir ja immer versucht vorzustellen, wer hinter diesen wortgewandten Kommentaren steckt und ich bin gar nicht mal so überrascht. Kriminalistik passt irgendwie zu den detaillierten Modebeschreibungen, Profiler für Modeträger sozusagen. Ich hatte immer so Bilder von PJ Harvey, Imogene Heep und Annie Clark im Kopf, vielleicht passt das ja…

    Und nun zeigt der Text noch eine ganz andere Seite, jetzt bin ganz verwirrt. ;) Natürlich im positiven Sinne.

    Meine Frau Mama plant auch so eine handy-computerfreie Zone im Haus ein, weil sie denkt, dass sich die ständige Präsenz dieser Dinge negativ auf vieles auswirkt. Sie ist z.B. auch der Meinung, dass wir Teens Schwierigkeiten haben konkret Dinge abzusprechen und ich muss ihr wirklich teilweise Recht geben. Obwohl wir alle ständig miteinander “verbunden” sind, oder gerade deswegen, schaffen wir es nie beim ersten Versuch einen Termin auszumachen. Es heißt immer: “Ich rufe dich nochmal an…Ich melde mich nochmal…”. Das passt auf viele Bereiche, wie ich finde. Ohne Handy müsste man eben viel verbindlicher sein, auch schon als Teenager. Schade eigentlich, dass man sich dennoch erst zwingen muss.

    Danke für den Denkanstoß!
    LG Charli

    Reply

    1. Liebe Charli,
      auf deinen Kommentar war ich schon ganz gespannt. Wie schön, dass ich dich ein bisschen überraschen konnte! Ich umkreise deinen Blog schon ein kleines Weilchen, und vielleicht ploppt da auch bald ein kleiner Kommentar von mir auf! Wer weiß? :)

      Reply

  10. Wow, was für ein toller Text! Richtig interessant, mal einen Gastbeitrag auf deinem Blog zu lesen. :)
    Die Bilder haben wirklich ein unglaublich poetische Atmosphäre und die Wort passen einfach perfekt dazu.
    Liebe Grüße
    S.
    http://www.cappuccinocouture.blogspot.de/

    Reply

  11. Sehr schöner Gastbeitrag und tolle, emotionale Fotos! :)
    Mir ist es persönlich sehr wichtig, regelmäßig “Verzicht zu üben”, ich finde das Thema wird in der heutigen Zeit leider oft vergessen….

    Großes Lob :)

    Liebste Grüße
    Mina von Minamia

    Reply

  12. Sehr toller Text und inhaltlich absolut auf den Punkt getroffen! Ich finde es auch immer wieder faszinierend, wie so simple Sachen (kaputtes Handy) so zum Nachdenken anregen und man spürt, wie viel doch eigentlich falsch läuft, wenn “eigentlich vom Anschein her” alles richtig läuft – zumindest vom ersten Gedanken her…

    Reply
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