Ich bin…

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Fashion Editorial in Ireland | beige corduroy two piece from Gestuz | style: moody, dark, edgy, comfy, nature, wild, emotional, portrait
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Wer bin ich?

Ist das nicht die Frage, die sich jeder von uns stellt und nach dessen Antwort er sich ein Leben lang sehnt?
Ich habe das Gefühl, je älter ich werde, desto besser kann ich sie für mich beantworten.

Doch liegt es wirklich nur an den Erfahrungen, die mich prägen oder ist es nicht viel mehr so, dass jede Erfahrung von mir geprägt wird, basierend auf dem Filter, was ich kann und was ich nicht kann, meinen Angsten und vor allem, was meine charakterlichen Stärken und Schwächen sind?

Als ich vor Kurzem ein Gespräch mit meiner Mutter hatte, gestand sie mir, dass sie damals niemals erwartet hätte, dass ich mich in die Richtung entwickeln würde, in die ich mich entwickelt habe. Natürlich geht jeder Mensch durch unterschiedliche Phasen und hat viele Facetten, doch als Kind war ich einfach ein komplett anderer Charakter. Als ich nämlich noch ein Kind war, war ich introvertiert und schüchtern. Ich war leise, angepasst und sicherlich keine Idealbesetzung für eine Karriere in der Öffentlichkeit. Ich war nicht viel unter Menschen, war sehr zurückhaltend und verbrachte lieber viel Zeit in den Fantasiewelten, in die ich floh und die ich in meinem Zimmer mit meinen Barbies nachstellte. Doch selbst in jungen Jahren begleitet einen die Frage nach der eigenen Identität.

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Doch was weiss man schon als Kind über sich, außer dass man ein Kind ist?

Wenn man nicht weiss, wer man ist, begibt man sich auf die Suche nach sich selbst. Sowas lässt sich, das habe ich schon früh erkannt, anhand von Fakten am besten ermitteln. So wusste ich, dass ich Maria heisse. So ein Name sagt viel aus, doch was genau? In meinem Fall: „Die Widerspenstige“.

Außerdem kannte ich mein Sternzeichen: Widder. Damit kannte ich auch schon die Eigenschaften, die mir die Astrologie zuschreibt. Leider traf nichts davon auf mich wirklich zu – jedenfalls damals nicht.

Bis ich Teenager war, hätte ich nicht weiter weg von den Beschreibungen sein können, die ich über mich las. Und trotzdem glaubte ich den Persönlichkeitseigenschaften eines Sternzeichens mehr, als ich mir selbst glaubte. Wenn es dort steht, wird es ja wohl stimmen?

Ähnlich ging es mir mit den Beschreibungen, die meine Mutter für mich wählte.

Beispielsweise sagte mir immer, dass ich ein besonders hübsches Kind sei – und ich glaubte ihr, ohne mich selbst herausragend schön zu finden. Andersherum sagte meine Mutter mir aber auch schon früh, dass ich weder tanzen könne, noch irgendwie Rhythmusgefühl besäße oder in irgendeiner Form musikalisch wäre. Ich weiss nicht, woraus sie das schloss, doch auch das habe ich ihr geglaubt. Und wenn ich Angst hatte, redete sie mir ein, ich könne keine Angst haben, weil Mut bei uns in der Familie läge und ich deswegen immer meine Ängste überwinden könne. Dann wird es wohl so sein, dachte ich mir.

Und so wurde ich erst zu Maria, einer waschechten Vertreterin ihres Sternzeichens. Bis heute fühle ich mich ziemlich selbstsicher, was mein Äußeres betrifft und erlaube meinen Ängsten nicht die Oberhand zu haben. Gleichzeitig stehe ich heute an einem Punkt, an dem ich nicht weiter von einer musikalischen Karriere entfernt sein könnte und bin bis heute jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn mich jemand für meine Stimme lobt.

Ich frage mich manchmal, wer ich als Sophie, Sternzeichen Skorpion, geworden wäre? Oder Linda, Sternzeichen Waage? Hätte ich dann dieselbe Entwicklung durchgemacht?

Wenn wir für uns nicht definieren, wer wir sind, tun es Andere.

Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass wir uns positive Eigenschaften so lange suggerieren können, bis wir sie internalisieren.

Wir können uns Dinge sagen, wie:
Ich bin stark.
Ich bin glücklich.
Ich bin dankbar.
Ich bin schön.
Ich bin fröhlich.
Ich bin mutig.
Ich bin unabhängig.
Ich bin erfolgreich.
Ich bin zufrieden.
Ich bin optimistisch.
Ich bin genug.

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Es ist ein bisschen wie mit dem gezwungenem Lachen, das sich in echtes Lachen verwandelt und für positive Effekte für Körper und Geist sorgt. Wir tricksen uns aus, indem wir lachen, auch wenn wir traurig sind und geben dem Körper eindeutige Signale, der wiederum für eine bessere Immunabwehr und eine Ausschüttung von Endorphinen sorgt. So fühlen wir uns auch automatisch wieder besser. Es gibt hierzu übrigens eine ganze Wissenschaft, die sich mit dem Thema beschäftigt: Gelotologie. Wer das mit dem Lachen nicht kennt, der wird mit der Technik des ruhigen Atmens in stressigen Situationen vertraut sein. Einmal tief durchatmen – schon ist man gleich viel ruhiger, auch wenn sich an der Situation erstmal nichts verändert hat.

Und ganz ähnlich funktioniert das Prinzip bei der Autosuggestion. Selbst wenn wir uns selbst anfangs nicht glauben, dass wir schön, stark und glücklich sind, verinnerlichen wir irgendwann diese Attribute und machen sie uns irgendwann doch zu Eigen, wenn wir sie wie ein Mantra immer wiederholen. Und spätestens wenn uns jemand ein Kompliment dafür macht, wie schön, stark und optimistisch wir sind, übernehmen wir diese Eigenschaften als Teil unserer Persönlichkeit.

Was mich angeht: ich habe mich in meiner Persönlichkeit nicht nur um 180° gedreht, sondern habe vor einigen Jahren mal eher zum Spass gesagt, dass ich ziemlich stressresistent sei. Das stimmte zu dem Zeitpunkt gar nicht, aber ich habe es mir eingeredet. Seitdem kratzte ich schon an dem ein oder anderen Burnout, aber es ging noch, denn ich bin ziemlich stressresistent. Davon bin ich heute absolut überzeugt.

Letztes Jahr habe ich mir gesagt, dass ich ein Optimist sein will. Was soll ich sagen? Ich glaube, es hat ganz gut funktioniert.

Was wolltet ihr schon immer mal sein?

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6 Kommentare

  1. Ich hatte zwei, drei Momente beim lesen an denen ich mein Handy zuckte und den Text vom Bildschirm fotografierte um mich später daran zu erinnern. Paar mal schluckte ich und dachte, ja man! Und mit dem gesamten Text hast du mich gerade wieder ein bisschen geerdet und das habe ich gebraucht. Danke du hast es wunderbar geschrieben.

    1. Danke liebe Katja! Das freut mich unendlich zu hören! Es ist immer wieder schön zu lesen, dass man nicht alleine ist mit seinen Gedanken und andere Menschen das nachempfinden können. :)

  2. Liebe Masha,

    das ist ein richtig guter und wichtiger Post! Auto-Visualisierung ist so ein mächtiges Werkzeug. In dem wir jeden Tag uns vorstellen wer wir sein wollen und unsere Wünsche konkret beschreiben können, fällt es uns leichter diese zu realisieren.
    Man kann sich auch auf Sätzen wie „ich bin halt so“ ausruhen. Oder aber man ändert Kleinigkeiten, Einstellungen und Ansichten. Jeden Tag ein bisschen :)

    1. Danke für dein Kompliment! Ich finde Sätze wie „Ich bin halt so“ auch immer ganz furchtbar. Es spiegelt häufig die mangelnde Bereitschaft wider an sich selbst zu arbeiten. Dabei kann eine erneute Kalibrierung nicht schaden und man entdeckt dabei immer so viel herrlich Neues. Wäre doch schade, wenn man das verpasst :)

      xx