Liebe Mode,…

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Ich mache mir Sorgen um dich.
Ich weiss, in letzter Zeit hattest du es nicht allzu einfach: Erst die Digitalisierung, dann der Wettbewerbskampf und nun dieser ganze Trend mit der Nachhaltigkeit und Transparenz.
Darauf warst du nicht vorbereitet.

Zu allem Übel kommt noch hinzu, dass du, naja, selbst ein bisschen aus der Mode gekommen bist. Du hast dich an den Wohlstand gewöhnt und vielleicht auch ein bisschen an die bequeme Position dich stets aus der Verantwortung ziehen zu können. Es war nicht dein Problem. Du bist nur für die schönen Dinge verantwortlich. Um die wirklich wichtigen Themen – darum sollen sich die anderen kümmern.
Du hast immer nur auf dich geschaut, immer nur den neusten Trend im Blick und während dein Blick immer nur nach vorn gerichtet war, hast du nie auch mal nach rechts und links geschaut. Dann hättest du vielleicht bemerkt, wie deine Unterstützer immer weiter auf der Strecke bleiben. Wie sie sich gegenseitig stützen müssen, weil sie sonst ganz auf der Strecke bleiben.
Du dagegen bist deinen Weg gegangen, immer weiter, bis du nun in einer Sackgasse gelandet bist.

Liebe Mode, es ist Zeit umzudrehen.

Sei nicht traurig darüber, wir alle verirren uns manchmal, treffen falsche Entscheidungen und wachsen im besten Fall anschließend über uns hinaus.
Doch in allererster Linie müssen wir diese Fehler einsehen.

Liebe Mode, ich muss es dir jetzt mal ganz klar sagen:
Mehr ist nicht gleich mehr.

„Mehr ist Mehr“ hat dazu geführt, dass Menschen von dir übersättigt sind.
„Mehr ist Mehr“ hat dazu geführt, dass du deinen Glanz, den du einst inne hattest, verloren hast.
Und nicht zuletzt kostet „Mehr ist Mehr“ Menschenleben, weil deine Methoden immer dreckiger wurden.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht:
Es ist noch nicht zu spät.

Wenn du jetzt umdrehst, könntest du einen neuen Pfad einschlagen, einen, der viel schöner ist. Du müsstest dich nicht so hetzen, wärst nicht ständig so außer Atem. Stattdessen könntest du dir wieder Zeit nehmen, würdest langsamer gehen, besser planen und die grüne und vielfältige Landschaft genießen. Wie wäre es damit?
Vielleicht wärst du dann wieder das, was du schon immer gerne warst:
Ein Vorreiter.

Liebe Mode, es ist jetzt wirklich Zeit sich zu ändern.


Habt ihr schon meinen LinkedIn Artikel zu der Zukunft der Mode gelesen?

This post is also available in EN

Juli 14, 2019
Category - sonntagspost

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9 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben liebe Masha! Ich finde es übrigens super, dass du dich auf deinem Blog und den sozialen Medien für Slow Fashion/Nachhaltigkeit bzw. eine Veränderung der Modewelt einsetzt. Du nutzt deine Vorbildfunktion genau richtig! <3

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    https://www.themarquisediamond.de/

  2. Hallo Masha,

    gruselige Bilder. Das hat nichts mit Mode zu tun. Und wer entscheidet darüber was Mode ist? Niemand. Jede Kollektion ist völlig daneben. Es hat sich viel geändert bei den Designer. Früher war Mode viel schöner und es gab eben nur vier. Heute ist das schon Massenhaft.
    Ich bin kein Mensch der sich danach richtet. Nachhaltige Mode okay. Aber müssen die Leute sich durch Mode definieren? Nein! Genau wie keine Frau sich durch das Alter definieren sollte. Es ist nur eine Zahl und die sagt gar nichts über den Menschen aus. Außer wann er oder sie geboren wurden.
    Vielleicht kommen so einige auf die Erkenntnis, dass Mode nicht alles ist. Nur das Wesentliche zählt.
    Danke für diesen Bericht.

    Liebe Grüße

    Laura T.

  3. Ich wünsche mir…

    Ich wünsche mir insgesamt weniger Modeschauen. Mit weniger Kollektionen, mit weniger Druck und dafür vielleicht mehreren Marken gemeinsam, und mehr Models. Mit mehr Menschen, die zusammenhelfen und zusammenarbeiten, die den Models in mehr Ruhe beim Anziehen helfen, und mehr Menschen, die beim Schminken und den Haaren in einem menschlichen Tempo arbeiten können. Ich wünsche mir eine angenehme Atmosphäre ohne Hektik.

    Was ich mir tatsächlich wünsche, ist viel mehr Langsamkeit.
    Langsamere Neuheitenlancierungen. Langsamere Wechsel von Saisonen, Kollektionen, Trends. Langsamere Lieferzeiten, viel längere Wartezeiten. Wer etwas wirklich will, lässt sich gerne auf Wartezeiten ein. Sogar auf Wartelisten. Warten, wie damals aufs Christkind. Wer sich nicht darauf einlassen will, will das Objekt gar nicht wirklich. Geht nicht schon vor dem „Haben“ eine Beziehung dazu ein. Ist nicht bereit, es im Gegenzug lange zu haben und bis zum Ende zu lieben. Diese Beziehungslosigkeit ist symptomatisch in vielen Bereichen unserer Gesellschaft. Uns fehlt der Bezug zu Dingen. Zu Menschen. Zu uns selbst. Und es äußert sich auch in einer alle Gefühle überdeckenden, immer andauernden Jagd nach dem Neuen, Billigen, Schnell verfügbaren. Wie Fastfood – doch es nährt weder den Körper, noch die Seele. Diese schnelle Kleidung bedeckt zwar den Körper, hält Blicke auf das Allerprivateste ab, und doch fühlt sich der Körper nicht davon berührt. Die Seele erst recht nicht.

    Ich habe kürzlich einen sehr interessanten Vergleich gelesen: wenn wir in menschlicher Geschwindigkeit reisen, das heißt, so schnell, wie wir uns selbst fortzubewegen zu vermögen, zu Fuß oder mit dem Rad, kommen wir zu uns selbst zurück.
    Diese über-menschlich schnelle Fortbewegung stresst uns mehr, als sie uns durch Zeitersparnis entspannt. So ist es, habe ich das Gefühl, auch mit der Mode. Wir werden ständig überfordert damit, und es zieht sich durch – von Produzenten bis zum Endverbraucher. Designer brennen aus, Näherinnen können nicht mehr, die Läden sind brechend voll, doch kommt schon die nächste Kollektion und was letzte Woche noch neu war, ist heute alt und ungewollt. Der Konsument erstickt in Bergen ungetragener Stofffetzen.

    Ich wünsche mir menschliche Langsamkeit. Aber nachdem ich mir das alles immer noch wünschen muss, weil es noch immer nicht eingetreten ist, steige ich aus diesem Karussel aus. Ich boykottiere, kaufe kaum je mehr neu, und wenn, achte ich sehr auf Nachhaltigkeit. Und trage meine Dinge und liebe meine Dinge bis zum Ende.

  4. Zu ungenau, ich kann Deinem Gedanken dieses Mal leider gar nicht folgen. Zudem zu viele Wortwiederholungen, die das flüssige Lesen erschweren. Außerdem fehlt eine Aussicht. Wie würdest Du Dir einen Umbruch, ein Undenken vorstellen.

    Twaja,
    Nastka

    1. Hi liebe Nastja,

      schade, dass du den Text diesmal nicht so mochtest. Er unterscheidet sich in seiner Form tatsächlich ein bisschen von den Anderen. :)

      Wie ich mir einen Umbruch vorstelle bzw. was ich für wichtig halte, habe ich versucht in diesem Text zusammenzufassen:
      https://www.linkedin.com/pulse/die-mode-ist-im-umbruch-maria-astor/

      Dort habe ich versucht die nötigen Maßnahmen in nur 3 Punkten zusammenzufassen: Haltung, Storytelling und Nachhaltigkeit :)

      Wie findest du die Ansätze?

      xx

  5. Danke. Hoffentlich wird dieser Text von vielen Menschen gelesen. Von den Konsumenten, Bloggern, Designern, Managern in der Textilbranche und Aktivisten.