Persönliche Gedanken zu Corona

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Wenn ich aus dem Fenster schaue, ist alles wie immer. Menschen spazieren draußen auf den Straßen, warten auf ihre Bahn oder gönnen sich draußen in der Sonne einen Kaffee. Die Sonne scheint, „Kaiserwetter“ nennt man das. Doch das gute Wetter ist trügerisch, denn eine unsichtbare Gefahr begleitet diesen schönen Frühlingstag.
Corona.

Was wir gerade erleben ist ein Tornado in Zeitlupe. Eine Krise, wie wir sie vielleicht noch nie hatten und deren Auswirkungen wir möglicherweise nicht nur für wenige Wochen spüren werden, sondern die sich über mehrere Monate ziehen könnte und uns die Schwächen in unserer Gesellschaft vor Augen führen wird.

Denn wir sind darauf nicht vorbereitet.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, als es das erste Mal Thema in meinem Freundeskreis war. Ende Januar saßen wir in Kopenhagen und eine Freundin meinte besorgt, ob es noch eine gute Idee sei zu fliegen, jetzt, wo so ein gefährlicher Virus unterwegs sei.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir bereits einige Expertenberichte durchgelesen und sagte abwinkend „Mach dir keine Sorgen! Der Virus ist für uns nicht gefährlich und unser Gesundheitssystem ist gut aufgestellt.“ Das war vor mehr als einem Monat. Aus dem Schulterzucken und Belächeln wurde immer mehr ein Realisierung über den Ernst der Lage.

Vor einer Woche beschloss ich freiwillig, nicht mehr unnötig rauszugehen und selbst auf den Besuch ins Fitnessstudio zu verzichten. „Du übertreibst!“ war da noch die gängige Antwort. Es ist erschreckend, wie sich die Welt innerhalb dieser Woche verändert hat – und gleichzeitig gar nicht. Die Fitnessstudios und Bars sind geschlossen, aber wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich, die Bahnen sind voll und die Cafés sind gut besucht. Ich frage mich zunehmend, was mit den Menschen los ist. Womit hängt die Verweigerungshaltung der Berliner zusammen?

Warum denken so viele, sie wären dieser Krankheit überlegen? Warum nehmen sie keine Rücksicht?

Das Tückische an dem Virus ist, dass es tagelang unerkannt im Körper schlummern kann, bei jungen Menschen teilweise sogar symptomfrei abläuft und stattdessen die Menschen in unserer Gesellschaft trifft, die am verwundbarsten sind: Alte Menschen und Menschen mit einem schwachen Immunsystem.

Hier zeigt sich unsere Gesellschaft von ihrer hässlichsten Seite, denn schon vor der Ausbreitung des Virus war unser Gesundheitssystem fragil: Unterbezahltes und überlastetes Personal, zu wenig Geld für Krankenhäuser und wirkungslose Pillen sollen bei echten Krankheiten helfen. Gepaart mit einer deutschen Arbeitsmoral sich auch krank noch zur Arbeit zu schleppen, um am Ende des Jahres die Boni zu bekommen. Immerhin besser als in Großbritannien, wo man sich offenbar gegen schützende Maßnahmen entscheidet, um sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Der Preis wird womöglich das Leben vieler Menschen sein.

Die kaltherzige Überzeugung, dass es „eh zu viele Menschen auf Welt gibt“ greift um sich, denn klar Menschen sind nur dann etwas wert, wenn sie arbeiten und einzahlen und nicht wenn sie den Staat kosten.

Die Kosten der Krise werden nicht nur gesundheitlicher, sondern auch wirtschaftlicher Natur sein. Auch hier offenbaren sich Lücken im sozialen Sicherheitsnetz. Menschen, die in der Verantstaltungs- und Eventbranche, aber auch in der Gastronomie oder im Tourismus arbeiten, Freischaffende, Künstler*innen, Freiberufler und Selbstständige sind besonders betroffen und viele haben nicht die finanziellen Rücklagen, die es braucht, um die wegbrechende Auftragslage abzufangen.

Diese Krise wird eine gesundheitliche und wirtschaftliche Herausforderung für uns, der wir nur mit gesellschaftlicher Solidarität begegnen können, um sie zu meistern.

Das bedeutet einerseits achtsam zu sein und sein Bestes zu geben das Virus nicht weiterzutragen, um die Schwächsten zu schützen.
Das bedeutet andererseits aber auch finanziell denen zu helfen, die gerade um ihre Existenzgrundlage kämpfen.

Deswegen meine Bitte an euch: Wascht euch die Hände, versucht soziale Kontakte zu meiden und wenn ihr es euch leisten könnt, verlangt nicht euer Geld zurück, für Shows, die nicht stattfinden können, kauft Bücher & Tonträger, gebt großzügiges Trinkgeld, und kauft beim Lokalhelden eures Vertrauens Gutscheine, die ihr später einlösen könnt.

Und ja, bitte habt auch Verständnis für uns Influencer. Ich weiss, die Werbung nervt euch manchmal und zur Zeit scheint sie für manche nicht angebracht, aber so wie viele kein Home-Office machen können, können wir nicht unsere Verträge platzen lassen und sind auf die Kunden angewiesen, die ihre Aufträge nicht stornieren. Deswegen bitte ich euch um ein bisschen Verständnis. Wir sind nicht blind für die Situation, aber Kommentare wie „Dann arbeite doch was Richtiges!“ sind aktuell auch nicht allzu zielführend in dieser Situation. Generell braucht es in diesen Zeiten mehr Zusammenhalt und ausdrücklich KEINE Hamsterkäufe. Passt auf euch und eure Lieben auf.

Dieser Virus ist mehr als nur eine schwere Grippe.
Es ist ein Test für unsere Gesellschaft.

Sinnvolle Artikel zu dem Thema:
Die Wucht der großen Zahl via Süddeutsche
Ist Covid-19 wirklich gefährlicher als die Grippe?
Herd immunity: will the UK’s coronavirus strategy work?
Lebe so, dass die Alten überleben


März 15, 2020
Category - sonntagspost

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8 Kommentare

  1. Ich bin froh ein Umfeld zu haben welches so wie ich und so wie du denkt. Ich verstehe vor allem nicht warum viele in Extreme übergehen statt den Mittelweg zu gehen. Die einen Hamstern ohne Ende und nehmen danach eine Desinfiktionsdusche und die anderen sehen gar nicht ein etwas zu ändern. Kurz nach der Schulschließung hier in Bayern habe ich eine Gruppe Mütter gesehen die mit ihren min. 8 Kids in der Stadt unterwegs waren und Müll sammelten. An sich ja super aber vielleicht nicht zur jetzigen Zeit. Bei unserem Aldi hat man für die Kassierer eine Plexiglasscheibe aufgebaut und noch Kartons hingelegt damit die Kunden automatisch einen Abstand halten,…ein Mann dessen Kauf auf „nur“ 5 Liter Milch begrenzt ist dann hinter die Scheibe und hat die Kassiererin mit Absicht angehustet. Positiv muss ich sagen, ich als introvertierte fühle diesen Lebensstil gerade sehr. :D In meiner Stadt ist es absolut ruhig, ein Traum da zur Arbeit zu laufen.

  2. Liebe Masha.

    Ich habe es kommen sehen. Danke für dein Beitrag. In dieser schweren Zeit zeigt sich wie die Bevölkerun g aufgestellt ist. Rücksich und einmal sich zusammenzureißen Fehlanzeige. Dieser Virus wird und sehr lange beschäftigen. Menschen sollten nachdenken ob sie ständig Reisen müssen. Aber vor allem „Zuende Denken“, was vielen offensichtlich schwer fällt. Das CoronaVirus ist die Antwort auf Globalisierung.
    Ich sehe sehr schwere Zeiten auf uns zukommen. Und er wird noch schlimmer kommen, wenn die Menschen nicht ihr ständiges Wachstum hinterherrennen reduzieren.
    Die Freiheit wird sie nicht mehr geben wie wir sie bisher gekannt haben.
    Unser Leben wird nicht mehr wie vorher sein. Globalisierung bedeutet Abhängigkeit. Wie man es jetzt erlebt, weil Deutschland die Schutzkleidung in Asien produzieren lässt anstatt bei uns. Asien liefert keine mehr.

    Mich macht diese ganze Sche Traurig und wütend zugleich.

    Lieber Gruß

    Laura T.

    1. Ja und Nein. Ich glaube an sich ist die Globalisierung eine gute Sache. Sich nicht von der Außenwelt abzuschotten und Prozesse effizienter zu gestalten, halte ich für sinnvoll. Ich finde, dass Reisen an sich wichtig für die persönliche Entwicklung sind und Bewusstsein für Andere schaffen. Gleichzeitig bin ich bei dir, dass stetiges Wirtschaftswachstum und Berufsreisen keine langfristige Lösung sind und uns zu Gefangenen machen. Aber die Globalisierung zu verteufeln halte ich für schwierig. Ich persönlich bin froh, dass es offene Grenzen gibt und dass manche Länder einen wirtschaftlichen Schwerpunkt haben (Deutschland stellt Autos her, Portugal Kleidung, Frankreich Kosmetik, etc.)

      1. Unser Gesundheitssystem mag gut aufgestellt sein, aber bei einer Pandemie wie wir sie haben bricht sie zusammen. Es betrifft immer mehr Junge Leute, dass wurde unterschätzt. Da der Virus noch sehr unbekannt ist wird es nach einer Zeit zeigen welche Nebenwirkungen die „angeblichen geheilte“ zeigen werden. So ein Virus ist nicht ohne da dieser die Lunge befällt. Unser empfindlichster Organ – ohne Sauerstoff kein Leben.
        Ich hatte einen Albtraum im Oktober 2015. Es war der Horror! Jetzt ist mein Albtraum wahr geworden.
        Eine persönliche weiterentwicklung durch Reisen? Für die persönliche Entwicklung gelten andere Maßstäbe und zwar nach Innen. Wenn die Menschen in dieser Krise immer noch nicht verstanden haben, dann erwartet uns die nächte Pandemie, aber dann werden Menschenleben vernichtet. Denk an meine Worte.

        Liebe Grüße

        Laura T.

        1. Liebe Laura,

          alles hat doch am Ende immer zwei Seiten und ich denke, man sollte in keinem Fall übersehen, welche Vorteile wir durch die Globalisierung haben und hatten. Klar hat diese Pandemie einige negative der Globalisierung sichtbar gemacht. Am Ende kann aber auch niemand sagen wie die letzten 80 Jahre ohne die Entwicklung hin zu einer globalisierten Welt verlaufen wären. Vielleicht wäre es zu einem anderen Zeitpunkt zu einer anderen Krise gekommen? Gesellschaft ist Entwicklung und nicht vorhersehbar und planbar. Ich vergleiche das gerne mit dem eigenen Leben, nur dass es sich dabei um ein viel trägeres und komplexeres System handelt. Unsere Generation muss jetzt mit der Corona-Krise umgehen und auch diese wird in irgendeiner Form Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft nehmen.

      2. Liebe Masha,
        persönliche Weiterentwicklung ist in meinen Augen ein tiefes Verständnis für dich selbst und deinen eigenen Kern. Dabei legst du step by step die ganzen Filter und Schichten ab, die du dir über Jahre aufgrund von Erfahrungen, Erwartungen anderer und dir selbst auferlegt hast. Diese Filter und Schichten können bspw. Ängste und “innere Überzeugungen” (also Glaubenssätze) sein.

        Wenn du dir deine Ängste und deine inneren Überzeugungen bewusst machst und loslässt, begrenzt du dich nicht mehr selbst, sondern bist voller Kraft, Stärke und Klarheit. Das ist deine Superpower, die nur darauf wartet, dass du sie lebst!

        Liebe Grüße
        Laura T,