Fremdwahrnehmung

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Masha Sedgwick | Blog | Germany Berlin | Self perception | revolve | outfit

Mein Handy blinkt und ich bekomme eine Nachricht auf Snapchat.
 
„Hi Maria hier ist Tina (Name geändert) aus deiner Stufe. Kennst du mich noch? Ich freue mich, dass du so erfolgreich geworden bist.“
 
In meinem Kopf macht sich ein großes Fragezeichen breit. Das erste Anzeichen eines sich ausbreitenden WTF-Gefühls.
 
Natürlich kannte ich Tina noch. Schließlich haben wir 8 Jahre gemeinsam geteilt, waren in einer Clique und auch wenn wir uns nicht so gut kannten, so vergisst man Menschen nicht, die du 1/3 deines Lebens regelmäßig gesehen hast. Ich kann mich noch an ihr Lachen erinnern und an Gestiken, die typisch für sie waren, nicht dagegen an bestimmte Momente, die wir geteilt haben, mehr so an ein Gefühl, das ich mit ihr verbinde.
 
Wieso sollte ich sie also nicht mehr kennen?

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Vielleicht war es grade dieser kleine Satz, der mich bei dieser Nachricht aufhorchen liess.
„Kennst du mich noch?“
 
Irgendwie brachte mich das zum Nachdenken.
Klar, mein Schulabschluss ist mittlerweile 10 Jahre her, ich wohne mittlerweile in Berlin und habe mich seither ziemlich verändert, optisch sowieso, aber auch emotional. Zwar habe ich mich weiterentwickelt in vielerlei Hinsicht, aber ich bin ja trotzdem kein komplett neuer Mensch mit ausgelöschten Erinnerungen. Ich bin ja noch immer die Masha, die ich damals auch schon war, oder?

Masha Sedgwick | Blog | Germany Berlin | Self perception | revolve | outfit

Vielleicht liegt ja darin das vorliegende Missverständnis:
Nur, weil ich jetzt scheinbar „eine Person des öffentlichen Lebens“ bin, denken die Menschen, dass ich dadurch ein komplett anderer Mensch bin.
 
Sie nehmen mich anders wahr, als ich mich selbst wahrnehme – und darin liegt das generelle Problem, das Menschen betrifft, die in der Öffentlichkeit stehen: Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung driften komplett auseinander oder auch: so wie du mich siehst, sehe ich mich nicht.

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Wo für meine Klassenkameradin Tina eine große Distanz herrscht, existiert für mich keine.
 
Ich bin ja nicht viel anders als sie und meiner Meinung nach gibt es keinen Grund mich auf ein imaginäres Podest zu stellen, denn genau das ist die Barriere, die eine Unterhaltung auf Augenhöhe auch so schwierig macht.
 
Bei mir ist es oft so, dass ich mich unwohl fühle in einer Runde, in der ich „Masha, die erfolgreiche Bloggerin“ bin, schlichtweg weil ich diesem Bild auch gerecht werden möchte und mich dadurch unter Leistungsdruck setze. Ich möchte einfach Niemanden enttäuschen, der große Erwartungen an mich hat und versuche daher mich von meiner besten Seite zu zeigen, was bisweilen sehr anstrengend sein kann.
 
Denn natürlich bin ich nicht nur „Masha, die erfolgreiche Bloggerin“, sondern auch Masha, die manchmal unsicher ist, Masha, die manchmal ziemlich erschöpft ist, Masha, die öfter mal auch ein bisschen neben der Spur steht, weil sie ziemlich zerstreut ist und Masha, die manchmal auch einfach lieber zuhört, statt selbst reden zu müssen. Ich will nicht an Erwartungen gebunden ist.
 
Diese Problematik ist auch oft der Grund, warum es mehr Promipaare gibt und warum sich „richtige“ Celebrities oft auch einsam fühlen, denn die sind es, die genau das Problem mit der Schere der Wahrnehmung haben und die gerne von einem Freund so wahrgenommen werden würden, wie sie sich selbst wahrnehmen und das Ganze bitte mit echten Gefühlen.

Sweater: ON the Road
Pants: X Revolve
Shoes: Raye
Bag: Fendi
Location: Café Hygge

Masha Sedgwick | Blog | Germany Berlin | Self perception | revolve | outfit

Jemand, bei dem sie einfach sie selbst sein können und nicht eben nicht die Person des öffentlichen Lebens, die an Erwartungen gekoppelt ist. Ich kenne so viele junge Frauen, die sehr bekannt sind – und sehr einsam. Denn am Ende – und ich wieß dieser Satz ist sehr abgedroschen, aber auch sehr wahr – sind wir alle nur Menschen.
Nicht mehr und nicht weniger.

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Januar 16, 2017

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1 Kommentar

  1. Ich habe gerade zufällig diesen Post hier wieder angeklickt, weil ich auch die älteren Posts gerne mal wieder nachlese. Und plötzlich hatte ich einen ganz neuen Gedanken: kennst du dieses Tool auf Apartmenttherapy.com, das dir anzeigt, welche Farben in den einzelnen Räumen in welchem Anteil „verbaut“ wurden? Das wird aus den Fotos der Räume zusammenanalysiert. Und genau das haben meine Augen gerade auch bei deinem Outfit gemacht! Irgendwie würd’s mich rasend interessieren, welche Farben und in welchen Anteilen so über’s Jahr gesehen auf deinem Blog getragen werden. Just for fun! :D