Thin Privilege – ist Dünnsein ein Privileg?

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Es gibt ein Thema, das mich seit einigen Wochen nicht mehr loslässt – und wie ich häufig feststellen musste, euch auch nicht. Denn obwohl ich jetzt wochenlang über dieses Thema gegrübelt und diskutiert habe, kann ich mich nicht festlegen. Es geht um das Thema Thin Privilege – und ob „Dünnsein“ wirklich ein Privileg ist.

Wenn es um den Körper geht, wird es schnell kompliziert. Das fängt tatsächlich schon bei der Frage der Definition an:

Was ist dick? Was ist dünn?

Wie definiert man, ob jemand dick oder dünn ist? Spielt der BMI mit rein? Oder Kleidergrößen? Ist man bis zu einer Kleidergröße 42 dünn? Und ist man ab einem BMI von 25 bereits dick? Allein hier wird es bereits kompliziert, denn wie Dicksein definiert wird, steht in keinem Duden. Das entscheidet jeder individuell. Die Bewertung unserer Körper ist eine sehr persönlichen Sache, die nahezu jede_n beschäftigt und durch Social Media immer wieder neu befeuert wird. Nur eins kann man sagen: so wie jeder Mensch unterschiedlich ist, unterscheiden sich auch unsere Körper. Allein deswegen hat die Frage nach dem Thin Privilege explosives Potenzial.

So wie bei der Definition von dick und dünn die Grenzen verschwimmen, ist es auch beim Begriff des Privilegs. Ich frage mich also zu allererst:

Was ist ein Privileg?

Bei Wikipedia steht:
„Ein Privileg ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird.“

Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff Thin Privilege?

Thin Privilege beschreibt die Bevorzugungen von schlanken Menschen gegenüber dicken Menschen. Es beinhaltet nicht nur die Probleme, die dicke Menschen beim Kauf von Kleidung haben, sondern auch die Stigmatisierungen und Diskriminierungen von Ärzten, Freunden und Begegnungen des Alltags, sowie die strukturelle Ausgrenzung in Mode und Medienlandschaft, die unsere Wahrnehmung hinsichtlich eines Schönheitsideals enorm prägt.

Wenn ihr mich fragt, so ist das keine besonders eindeutige Aussage, denn es würde bedeuten, dass jede_r, auch Minderheiten, in irgendeiner gewisser Weise ein Privileg haben, wenn man das mal auseinandernimmt. So sind Westdeutsche gegenüber Ostdeutschen privilegiert, Verheiratete gegenüber Singles, Extrovertierte gegenüber Introvertierten, Menschen mit der Blutgruppe AB+ gegenüber Menschen mit Blutgruppe 0-. Das Ganze kann man unendlich weiterführen und das macht die Frage, was denn nun genau ein Privileg ist, für mich so schwer zu beantworten.

Die meisten Menschen, die ich kenne und vermutlich auch die, die diesen Artikel hier lesen, sind privilegiert. Dafür spricht allein schon, dass ihr diesen Artikel hier auf Deutsch lest und so mit hoher Wahrscheinlichkeit im DACH-Gebiet lebt. Im deutschsprachigem Raum zu leben ist bereits ein Privileg.
Ich als normschöne, weisse Cis Frau bin dabei in vielerlei Hinsicht mehrfach privilegiert. „Check your privileges“ hiess es ins letzter Zeit häufiger und es stimmt. Die meisten Privilegien nehmen wir als selbstverständlich wahr, deswegen sollte es als privilegierter Mensch, finde ich, das Mindeste sein, sich dieser Privilegien bewusst zu sein und sich für Menschen einzusetzen, die diese Privilegien nicht genießen. Wenn wir mal ganz ehrlich zu uns selbst sind, wissen wir auch, dass wir hier und da ziemlich viel Glück mit unseren Grundvoraussetzungen gehabt haben. Doch gerade weil viele meiner offensichtlichen Privilegien mein Leben im Vergleich zu anderen so viel einfacher gestaltet haben, fällt es mir selbst schwer, meinen Körper, den ich mir mit viel Disziplin erarbeitet habe und stetig daran arbeite, zu einem dieser Privilegien zu zählen.

Oder um es deutlicher zu formulieren: ich finde den Begriff „Privileg“ in diesem Zusammenhang schwierig.

Wenn ich an das Wort bzw. den Begriff „Privileg“ denke, dann denke ich automatisch an angeborene oder zumindest nicht im klassischen Sinne verdiente Vorteile, die im Umkehrschluss an soziale Ungerechtigkeiten gekoppelt sind, die jene ausgrenzen, die nicht mit diesen Vorteilen geboren wurden. Solche Privilegien sind für mich meistens eng verknüpft mit der Hautfarbe, der Sexualität, der Religion, der sozialen Herkunft oder dem Geschlecht, Stichwort: white, male Privilege.

In diesem Fall werden Menschen, die weniger privilegiert sind, im Voraus negativer beurteilt aufgrund unveränderbarer Merkmale. Sie werden häufiger Opfer von Gewalt, bekommen eine Wohnung oder einen Job nicht, obwohl sie nachweislich kompetenter sind (höheres Einkommen, besserer Abschluss, etc.) und haben schlichtweg nicht dieselben Chancen, ob im Beruf, Bildungszugang oder der Wohnungssuche. Diese Form der Ausgrenzung beginnt meist schon im frühen Alter. In meinen Augen sind das strukturelle Probleme, die wir nur gemeinsam als Gesellschaft angehen können und die aktiv bekämpft müssen, vorrangig von Menschen, die selbst privilegiert sind.

Denn das Aufgeben der eigenen Privilegien, bedeutet nicht, dass man benachteiligt wird, sondern schlicht nicht mehr ungerecht bevorzugt wird. Natürlich bin ich nicht so naiv, dass ich annehme, wir könnten tatsächlich eine reine Form der Meritokratie in unserer Gesellschaft etablieren, aber zumindest sollten wir uns bemühen der Gleichberechtigung näher zu kommen, als wir aktuell stehen.

Zugegeben, es mag meine persönliche Auffassung von „Privileg“ sein, die das Angeborene und Unveränderliche mit sich bringt, aber es ist auch ein Grund, warum ich mich mit dem Begriff „Thin Privilege“ in diesem Zusammenhang so schwer tue.

Zum Einen impliziert „Thin Privilege“, dass dünne Menschen grundlegend privilegiert sind und keine Diskriminierung aufgrund ihres Dünnseins empfinden. Das deckt sich jedoch in keinster Weise mit den Erfahrungsberichten und persönlichen Lebensgeschichten, die ich in zahlreicher Form zugeschickt bekommen habe. Dünne Frauen werden oft als „unweiblich“ wahrgenommen und aufgrund ihrer Figur diskriminiert, haben öfter Probleme Kinder zu bekommen, werden von Ärzt_innen nicht ordentlich untersucht und selbst der Kleiderkauf stellt sich für manche als schwierig heraus. Sie müssen sich abfällige Kommentare anhören und nicht wenige leiden unter ihrer Figur und würden gerne zunehmen. Sie empfinden ihr Dünnsein nicht als Privileg, doch Thin Privilege spricht ihnen diese Erfahrungen ab.

Gleichzeitig sind die Diskriminierungen und Benachteiligungen, die dicke Menschen ungleich stärker betreffen, als dünne Menschen, ebenfalls absolut real und man sollte sie nicht kleinreden. Dicke Menschen werden nicht ernst genommen von Ärzt_innen, sie werden in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Kleiderkauf diskriminiert und auch im Arbeitsumfeld. Eine Studie der Universität Leipzig mit 3.000 Teilnehmer_innen belegte 2016 beispielsweise, dass fast 50 Prozent aller als adipös gelesenen Menschen im Arbeitsumfeld oder bei der Wohnungssuche diskriminiert werden. Zweifelsfrei sind diese Erfahrungen für Betroffene schlimm und traumatisierend und es liegt auch nicht an mir zu urteilen, was sich für wen wie schlimm anfühlt. Dass dicke Menschen benachteiligt werden und stigmatisiert werden, dafür braucht man keine Statistiken, sondern dafür reicht schon der gesunde Menschenverstand. Dicke Menschen werden von der Gesellschaft diskriminiert. Punkt.

Der Satz „Dann nimm doch ab, wenn es dich so sehr stört“ ist in meinen Augen genauso falsch wie „Dann nimm halt zu.“, denn für Betroffene gestaltet es sich oft nicht ganz so einfach, oder, wie ich es sehr treffend in einer Kolumne der Süddeutschen gelesen habe: „nicht in jedem dicken Menschen steckt ein dünner.“

Faktoren wie Gene, Gesundheit, Einkommen und Stress entscheiden mindestens genauso über das Gewicht eines Menschen wie Sport und Ernährung.
Selbst mit viel Sport und einer perfekten Ernährung würde ich niemals aussehen wie ein schlankes Supermodel und du vielleicht nicht wie ich. Wir sind einfach verschieden. Unsere Körper sind verschieden. Und hier sind wir wieder bei der Anfangsfrage: Wo hört dünn auf und wo fängt dick an?

Dennoch – es wäre in meinen Augen zu einfach zu sagen, dass das Gewicht ein angeborenes Privileg ist, denn die meisten Menschen (wie oben erwähnt: nicht alle, denn Krankheit und Gene spielen eine entscheidende Rolle) können innerhalb eines bestimmten Spektrums ihre Figur beeinflussen. Sport und Ernährung spielen nun mal eine wichtige Rolle in Sachen Körper. Natürlich spielen auch andere Faktoren wie Gene und Gesundheit eine Rolle, aber wenn die meisten Menschen auf eine gute und gesunde Ernährung setzen würden und sich ausreichend bewegen würden, gäbe es sicherlich weniger Übergewicht. Das bedeutet nicht, dass Menschen sich für das Übergewicht entscheiden, aber sicherlich gehört der Körper zu den Dingen, über die wir noch am ehesten entscheiden können. Dass wir uns nicht ausreichend bewegen, wurde übrigens auch vor kurzem in einer Studie der WHO nachgewiesen: Rund 2 Milliarden Menschen – mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung – bewegen sich zu wenig. In Deutschland ist sogar fast jeder Zweite zu inaktiv und erreicht nicht die Empfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation. Das hat Folgen: Laut RKI sind Zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und die Hälfte der Frauen (53 Prozent) in Deutschland übergewichtig und ein Viertel aller Erwachsenen ist sogar stark übergewichtig. Über Die Hälfte! Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir hier nicht von einer Minderheit reden, die diesen Diskriminierungen ausgesetzt ist, sondern von der Mehrheit.

Doch obwohl die Diskriminierungen belastend sein können für die Betroffenen, möchte ich gerne ein Gedankenexperiment ausführen:

  1. Es stehen zwei Bewerber_innen für einen Job zur Auswahl: eine schwarze, schlanke Frau oder eine dicke, weiße Frau. Beide haben die gleichen Qualifikationen.
    Wer bekommt eher den Job?
  2. Es stehen zwei Bewerber_innen für eine Wohnung zur Auswahl: eine schlanke Frau mit Hijab und eine dicke Frau christlichen Glaubens. Beide haben das gleiche Einkommen.
    Wer bekommt eher die Wohnung?
  3. Es stehen zwei Bewerber_innen zur Auswahl für einen Ausbildungsplatz. Eine Bewerber_in hat einen Namen, der auf einen anderen Kulturkreis deutet, die andere Bewerber_in hat einen typisch deutschen Namen. Beide haben den gleichen Notenschnitt.
    Wer wird zum Bewerbungsgespräch eingeladen?

Manche Diskriminierungen wiegen schwerer, als andere.

Können Privilegien einer dünnen Person, tatsächlich mit unveränderbaren Privilegien wie Hautfarbe oder Geschlecht verglichen werden?
Ich finde: nicht.
Doch genau das passiert, wenn wir diese Privilegien in eine Reihe stellen. Wir relativieren. Zumindest nach meinem Empfinden, denn wie bereits erwähnt, kann ich als privilegierte Frau nur versuchen mich gedanklich in eine Situation reinzudenken, ich kann nicht aus eigener Erfahrung sprechen.
Das macht es für mich so schwer, mich klar zu positionieren, weil mein Gefühl mir sagt, dass ich als Nicht-Betroffene kein Recht habe, darüber zu urteilen und mich an dieser Debatte zu beteiligen, doch ich finde es zugleich wichtig in einen offenen Austausch zu gehen, beide Seiten besser zu verstehen und mich auch gerne überzeugen zu lassen, wenn ich falsch liege.

Mein aktueller Stand der Überlegungen ist, dass der Begriff „Thin Privilege“ schwere, strukturelle Ungerechtigkeiten relativiert, dünnen Frauen negative Erfahrungen abspricht – doch vor allem: er spaltet uns und sorgt für weniger Zusammenhalt unter uns Frauen.
Und das ist das größte Problem in meinen Augen. Vor allem ist es alles andere als feministisch und gleichberechtigt.

Denn während für die meisten Männer der Begriff des „Thin Privilege“ schlichtweg nicht existiert, sind es wieder nur die Frauen, die nach ihrem Körper bewertet werden. Frauen, die „zu dünn“ oder „zu dick“ sind. Frauen, denen suggeriert wird, auf eine bestimmte Art aussehen müssen, um erfolgreich zu sein. Frauenmagazine, die immer wieder neue Diäten formulieren und Schönheit mit Erfolg gleichsetzen. Sich als Frau zu definieren, ist in unserer Gesellschaft grundsätzlich erstmal kein Privileg, ganz unabhängig vom Gewicht. Frauen untereinander Privilegien zuzusprechen ist deswegen eine clevere Taktik den Zusammenhalt unter Frauen zu schwächen, Ausgrenzung unter Frauen weiter zu befeuern und damit das Male Privilege weiter zu verstärken, ganz nach dem Motto: „Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte.“ Schließlich sind es oft Männer, die das weibliche Schönheitsideal definieren. Oder würdest du dir das Getränk oder das Auto kaufen, nur weil daneben eine halbnackte, normschöne Frau abgebildet ist?

Was wir deswegen nicht mehr brauchen sind allgemein Schönheitsideale und Einteilungen des Körpers in Schön oder Hässlich. Erst recht will ich nicht, dass jemand Anders über meinen Körper befindet und ihn definiert, sondern ich will ihn finden dürfen, wie ich will.

Intersektionalität in Sachen Diskriminierung verkompliziert das Problem zusätzlich. Doch darauf werde ich jetzt nicht eingehen, weil es den Text noch weiter verkomplizieren würde und ich denke es ist für jeden logisch, dass je weniger Privilegien ein Mensch genießt, desto häufiger wird es Diskriminierungen ausgesetzt.

Es ist mein Körper und damit auch einzig und allein mein Recht ihm Attribute zuzuschreiben. Ich bin schließlich diejenige, die in diesem Körper lebt.

Nachtrag:
Ich finde ein besserer Begriff für dieses Dilemma wäre übrigens das englische Pendant „Weight Stigma“ zu verwenden – das würde sowohl die Benachteiligung dicker Menschen, so wie die Erfahrungen sehr dünner Menschen einschließen.

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27 Kommentare

  1. Jeder ist auf seine Art schön. Niemand hat ein Privileg auf irgendetwas. Wir können von Glück reden wenn wir Sauerstoff einantmen können, Gesund zu sein und vor allem ist dieses abwägen, wer was hat, wer viel wo ….etc.
    Menschen sollten langsam sich auf das Wesentliche konzentrieren. Nicht mehr und nicht weniger.
    Übrigens habe ich eine Freundin die schöner mit ihren Pfunde ausschaut als vor ihrer Diät. Beispiel Adele. Sie schaute vorher viel besser aus (mag sein aus gesundheitlichen gründen folgte die abnahme) und weiblicher. Ich mag solche Frauen lieber als Salzstangenfigur. Bedauerlicherweise machen es die Medien nur noch schlimmer das Menschen in diesen Denkmuster fallen.
    Jeder ist schön auf seine Art, betone es noch einmal.

    Liebe Grüße

    Laura T.

  2. Mich erinnern deine Vergleiche ein bisschen an die BLM Debatte. Stichwort: „Wenn ein Haus brennt, sage ich nicht, dass man mein Haus in diesem Moment doch bitte auch beachten soll…“

    Bei der Thin Privilege Debatte geht es NICHT um die Diskriminierung, die durchaus auch normschönen aka dünnen Frauen entgegenkommt, sondern eben einfach um die Anderen! Das spricht dünnen Frauen ihre Erfahrungen nicht ab – genauso wie man weißen Menschen (zieht man den Vergleich) nicht ihre Diskriminierungserfahrungen abspricht, wenn man sich auf die der BIPoc konzentriert. Da wird der Diskurs für mich irgendwie verschoben.

    Ja, dünne Frauen können auch schlechte Erfahrungen machen, im Allgemeinen ist die Benachteiligung für Dicke in unserer Gesellschaft aber VIEL höher!

    1. Dann hast du meinen Text offenbar falsch verstanden, denn meine Kritik ist ja eben, dass das Wort Privileg diese Erfahrungen abspricht. Im Text erwähne ich ebenfalls, dass die Benachteiligung für Dicke höher ist :)

      1. Aber wenn du ja auch selbst sagst, dass die Benachteiligung für Dicke deutlich höher ist, dann kann man doch trotzdem von einem generellen Privileg sprechen oder? Es besteht doch unbestritten ein Vorteil für schlanke Menschen in der Berufswelt, der Mode etc. Dünne Menschen können diskriminiert werden, werden es aber nicht von einee gesamten Gesellschaft.

        Ich würde diese Probleme und die Diskrimierung dünner Menschen vielleicht unter den Sammelbegriff „weight stigma“ bringen, aber „thin privilege“ trotzdem als solches stehen lassen, weil es de facto einfach existiert. Fasst du es zu einem Problem zusammen, geht – meiner Meinung nach – verloren, dass die Diskriminierung auf Seiten der Dicken DEUTLICH höher ist und ein gesellschaftliches Problem darstellt.
        LG:)

  3. Ich habe eben den Artikel gelesen und fand ihn mega! Du hast mir so aus der Seele gesprochen! Ich habe durch meinen angeborenen Herzfehler schon seit meiner Kindheit Probleme zuzunehmen. Meine Mutter musste mich immer mesten und hat immer sehr kalorienreich gekocht als ich noch bei ihr gelebt habe.Heute habe ich meine eigene Wohnung und bin 24 Jahre alt. Meine Gewichtszunahme hat mal gute und mal schlechte Phasen momentan tut mir die freiwilige Quarantäne aus Sicherheitsgründen gerade sehr gut , weil ich mich momentan natürlich wesentlich weniger bewege als sonst. Aber natürlich habe ich mir auch schon die ein oder andere Diskriminierung anhören müssen. Als Diskriminierung gehört für mich schon die Frage “ Bist du magersüchtig?“. Nur, weil man so dünn ist heist es nicht gleich, dass man eine Krankheit hat. “ Hach ich hätte auch gerne so eine dünne Figur wie du. “ Ist zwar als Kompliment gemeint, verstehe ich aber nicht als solches. Ich freue mich viel mehr über Kommentare wie:
    “ Hast du zugenommen?“ , dann weiß ich, dass die harte Arbeit in den letzten Monaten sichtbar ist und sich gelohnt hat. Und wenn ich von Arbeit spreche mein ich, dass auch so. Es gibt viele die denken zunehmen wäre leichter als abnehmen. Aber so einfach kann man, dass nicht pauschalisieren. Der Satz „Dann is halt mehr wenn du zu nehmen willst , stell dich nicht so an“ hängt mir schon aus den Ohren raus. Und mittlerweile werde ich auch ein bisschen zickig wenn jemand das zu mir sagt, weil ich diesen Satz einfach nicht mehr hören kann. 😅Für betroffene ist eben nicht so einfach wie andere Leute gerne denken. Ich freue mich über jeden Gramm den ich zunehem und wenn ich feststelle, dass ich wieder ein paar Gramm verloren habe ist für mich der Rest des Tages hinüber. Und deshalb kann ich bei solchen Kommentaren nicht mehr freundlich reagieren, weil es langsam einfach nervt und solche Leute nicht verstehen wie hart es für Betroffene ist.

  4. Übergewicht kann zwar anders als Geschlecht und Hautfarbe abgestriffen werden – manchmal; dennoch suchen sich die Menschen es sich in unserem Kulturkreis selten bewusst aus.
    Menschen mit Übergewicht wird häufig unterstellt, dass sie affektgetrieben und nicht verstandesgeleitet sich willensschwach durch das eigene Leben fressen, animalischer und somit minderwertiger sind.
    Selten wird bei der Wahrnehmung eines dicken Menschen sein Leidensdruck berücksichtigt und die Tatsache, dass dieser Mensch vielleicht gerade keinen anderen Weg findet, um mit dem psychischen Leid umzugehen, wenn es sich denn bei dem Übergewicht überhaupt um Kummerspeck handelt. Essen ist tatsächlich oft der verzweifelte Versuch, den eigenen Energie-Gedanken- und Gefühlsstatus zu verändern, oder ganz zu entkommen – sich kurz lebendig fühlen und sich „etwas Gutes“ tun, wenn für etwas Konstruktiveres die Kraft fehlt. Ich rede da aus Erfahrung, ich selbst leide unter meinem Übergewicht, das definitv angefressen ist.
    Andersherum Dünnsein als Privileg zu bezeichnen, finde ich auch schwierig, weil es in vielen Fällen hart erkämpft ist und oft mit Verzicht und sportlicher Disziplin verbunden ist und dem Aushalten von Gefühlen und Gedanken.
    Auch hier spreche ich aus Erfahrung, auch ich war einmal dünn und musste dafür viel tun.
    Genausowenig wie Dicksein allein ein Symptom des Hedonismus und der Willensschwäche ist, handelt es sich beim Schlanksein um ein Privileg der guten Gene

    1. Da bin ich ganz bei dir. Danke für deinen Kommentar und auch dass du deine persönlichen Erfahrungen mit mir/uns teilst. Ich muss zugeben, bis auf meine Familienmitglieder habe ich nicht so viele dicke Menschen in meinem persönlichen Umfeld, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass die Berliner Mode- und Kreativindustrie sehr ausgrenzend sein kann und da ist eine sehr einseitige Sichtweise vertreten wenn es um die Bewertung des Körpers geht. Dennoch würde es mir nie einfallen, dicke Menschen als willensschwach oder faul zu sehen. Allein schon, weil die Frauen in meiner Familie alles andere als das sind. Genauso würde ich es mir wünschen, nicht automatisch als dumm und oberrflächlich bewertet zu werden. Das mit Frustessen ist klingt belastend. Bei mir ist es genau andersherum: wenn ich so richtig traurig bin, dann bekomme ich nichts runter und habe schnell das Gefühl, ich müsse mich übergeben. Ich habe dann zwar irgendwann Hunger, aber keinen Appetit und kann mich nur schwer überwinden zu essen :(

  5. Ich finde jetzt nicht, dass du mit diesem Beitrag irgendwas (konstruktiv) neues zur Debatte beigetragen hast, wenn ich ehrlich bin. Und, ähnlich wie anderen Kommentatorinnen, spüre ich beim lesen diese Relativierung (vor allem der Abschnitt, wo du dicke Frauen und Frauen, die aufgrund ihrer Religion/Hautfarbe etc in den Vergleich ziehst – verstehe nicht so ganz was der Sinn dahinter ist) – es hört sich alles nach „Ja aber andere Leute haben auch Probleme“ an.
    Es geht nicht darum dicke Mädchen gegen dünne Mädchen aufzuspielen, genauso geht es bei „Thin privilege“ nicht um die unfreiwillig dünnen, kranken, Mädels, die sich ihre Portion an Kommentaren anhören können – auf keinen Fall. Es geht darum, dass normschöne Menschen (wie z.b. Du) Begriffe nutzen (wie das Wort „Röllchen“) um was negatives damit auszudrücken oder ein existierendes Merkmal am Körper als problematisch/negativ sehen. Das nehmen Menschen, zu deren (hart erarbeiteten) positiven Einstellung zu ihrem Körper eben diese Röllchen dazu gehören, als beleidigend und diskriminierend wahr – denn ein Problem sollte es nicht sein. Und wenn du gerade in dem Moment nicht zufrieden mit deinem Körper bist und dich nicht wohl fühlst, dann kannst du es ja genauso sagen – ich fühle mich unwohl mit meinem Körper und möchte mehr dafür tun, dass es mir besser geht, sei es Sport, essensumstellung oder was auch immer.

  6. Liebe Masha, ein sehr interessanter Blogbeitrag! Ich finde es ganz gut, dass du auch deine Unsicherheit schon zu „Papier“ bringst, weil solche Beiträge ja eigentlich erst entstehen, wenn man sich schon gefestigt in der eigenen Position fühlt. Falls es dich interessiert, könntest du dir die Accounts von @drjoshuawolrich und @madalingiorgetta anschauen. Die beschäftigen sich viel mit dem Thema und haben super Ressources zum Nachlesen. Gerade die Untersuchungen zum Thema „gesunde Ernährung“ finde ich sehr spannend, weil ich immer der Meinung war, dass jeder, wenn er will, sich zumindest gesund ernähren kann. Tatsächlich aber sogenannte Food Deserts und die Preisgestaltung von kaloriendichten Lebensmitteln im Vergleich zu Obst und Gemüse ein anderes Bild zeichnen. Vielleicht ist das ja auch für dich ganz interessant.

    Übrigens habe ich das Gefühl, dass der Begriff „thin privilege“ im Deutschen deutlich präsenter ist als in den englischsprachigen Diskussionen dazu. Da wird meist von „Weight Stigma“ gesprochen. Das finde ich tatsächlich die treffendere Bezeichnung, weil es die Diskriminierung von Menschen, die nicht straight sized sind, verdeutlicht, ohne dabei die Erlebnisse sehr dünner Menschen zu invalidieren. Unter Weight Stigma kann man auf beiden Seiten des Gewichts-Spektrums leiden.

  7. Hallo Masha,

    man merkt, dass du noch ein bisschen gespalten bist bei diesem Post, deswegen würde ich auch gerne einen Kommentar hier lassen.

    Wie einige andere Kommentare schon angemerkt haben finde auch ich nicht, dass das Wort Privileg andere Privilege relativiert.

    Dass es auch skinny shaming gibt schliesst nicht aus, dass es auch skinny privilege gibt. Für mich ist der Unterschied die Basis. Ich finde skinny shaming findet auf einer sehr individuellen Basis statt im Sinne von „Iss mal etwas, du bist magersüchtig, etc“ wohingegen fat shaming etwas gesellschaftliches ist. Wie du und andere schon geschrieben haben, werden dicke Menschen dadurch nicht nur von einzelnen Personen diskriminiert (was schlimm ist, bitte nicht falsch verstehen) sondern es zieht sich durch viele Bereiche des Lebens wie Jobsuche, passende modische Klamotten finden, Repräsentation in Filmen wo die dicke Person nicht nur die lustige Person ist oder in der Mode, und v.a. wie oben jemand erwähnt hat eine komplette Diät Industrie.

  8. Ein toller Beitrag! Mich würde interessieren, wer sich dafür berechtigt erklärt solche Begriffe überhaupt definieren zu dürfen – denn da fängt schon das Problem wie du beschrieben hast an. Ich musste beim Lesen an deine Unshared Folge mit Charlotte Kurt denken, wo ihr euch über das Gefühls vom eigenen Körper unterhaltet habt.

    Als dünne Frau, die gerne doch ein paar Kilo noch drauf hätte und trotz gesunder Ernährung und ausreichend Sport es doch nicht hinbekommt und das mal anspricht, bekomme ich oft zu hören „du hast doch nicht alle Tassen im Schrank! Wofür denn?“. Man wird auch oft auf der Straße angepfiffen – ist das ein Privileg? Eher Belästigung, die einen dazu bewegt seinen Körper zu verstecken. Schönheit ist von Grund auf eine subjektive Wahrnehmung, so genießt auch „Privileg“ nicht unbedingt den besten Ruf.

    1. Ehrlich gesagt muss ich daran auch häufiger denken, wenn man mir sagt, dass mein Aussehen in jeder Hinsicht ein Privileg ist. Ja, es ist ein großer Vorteil, aber ich wurde auch sehr früh objektifiziert, sexuell belästigt und auch schon missbraucht. Ich muss mich immer mehr beweisen, weil Menschen denken, ich wäre „eh nichts im Kopf“ und werde in Diskussionen nicht ernst genommen. Mein Aussehen öffnet mir Türen, aber manche dringen auch gewaltsam in meine Schutzzone ein.

  9. Ich finde das Thema sehr interessant und ebenso schwierig wie du, Masha. Es besteht kein Zweifel daran, dass Menschen, die dem Schönheitsideal unserer Gesellschaft entsprechen, von dieser auch bevorzugt werden. Und es ist klar, dass dicke Menschen (um den wertenden Begriff „übergewichtig“ bewusst zu vermeiden) strukturell benachteiligt werden. Ich finde dabei übrigens gerade die Information, dass es sich bei den Betroffenen keineswegs um eine Minderheit handelt, sehr interessant. Denn wie seltsam ist es, dass die Hälfte einer Gesellschaft diskriminiert wird? Und von derselben Gesellschaft. Ich glaube, ein weiterer Aspekt, den man in diesem Zusammenhang noch anschauen anlöte, ist die Diät- und Abnehmindustrie, die sicherlich mehr als interessiert daran ist, dass es beim Status quo bleibt, denn mit Dicken, nein, unzufriedenen Dicken verdienen sie ihr Geld. Deshalb geht es meiner Meinung nach hier um mehr als die Empfindungen und Präferenzen einer Gesellschaft, sondern um eine Art flächendeckendes aggressives Marketing. Ein letzter Punkt, den ich gerne noch ansprechen würde, ist das „Privileg“ an sich, weil sich auch ein anderer Kommentar an deiner Auslegung gestört hat. Privileg ist relativ. Du bist dünn? Andere Leute sind dick. Du machst Sport? Anderen Menschen fehlen Gliedmaße, die können nicht trainieren. Du hast einen Rohrbruch in der Wohnung? Andere Leute haben nicht mal ein Rohr. Und bei Thin Privilege ist es genauso. Als Kind bekam ich von meiner Verwandtschaft immer vermittelt, dass ich zu dick sei, und fühlte mich dadurch unheimlich schlecht. Dass es meine Schwester damals genauso belastet hat, dass man ihr immer wieder vorwarf, sie wäre zu mager und würde zu wenig essen, erfuhr ich erst zehn Jahre später. Danke, Masha, für deinen Beitrag zu diesem Thema, das doch so schwer einzuordnen ist.

  10. Meiner Meinung nach werden stark adipöse Menschen auf jeden Fall benachteiligt – Frauen mehr als Männer. Sie sind einfach Vorurteilen ausgesetzt. Aus ihrem Gewicht wird beispielsweise geschlossen, sie seien generell
    wenig diszipliniert. Auch werden sie mehr angestarrt bzw. kriegen in der Öffentlichkeit Sprüche zu hören. Sicherlich ist das nicht bei Kleidergröße 40/42 der Fall, aber da gibt es dann beispielsweise verletzende Kommentare von Familienmitgliedern – von weiblichen und männlichen Angehörigen. Ich habe mal erlebt, wie eine Frau geweint hat, weil ihr Bruder heranwürdigend gesagt hat, sie hätte zugenommen. Sie hatte sowieso schon sie ganze Zeit Angst, dass ein Spruch kommt. Sie hatte zu dem Zeitpunkt vielleicht Größe 42 – maximal und war sehr sportlich. Ich selbst durfte mir mit Anfang 20 und Kleidergröße 38 von mir fast unbekannten Männern anhören, meine Figur sei noch optimierungsbedürftig. Damals hat es mich auch immer super mitgenommen, wenn schlanke Frauen an sich rumgemäkelt haben, weil mich das super verunsichert hat. Die waren vielleicht ne 36 (ich bitte um Entschuldigung für diese Kategorisierung in Kleidergrößen) und der Meinung, sie wären zu dick. Oft basiertes diese Einstellung auf familiären Bewertungen von Körpern. Diese habe auch ich erlebt. Von 10 bis 18 war ich, was man früher „etwas pummelig“ genannt hat. Was durfte ich mir anhören – teilwiese aus meiner eigenen Familie, die mich sonst bedingungslos liebt. Damit struggelt man sein ganzes Leben und wenn man immer „schlank“ war, kann man das einfach nicht nachvollziehen – sorry. Hab auch kürzlich erst erlebt, wie über ein kleines Mädchen (etwa 11) in ihrer Abwesenheit (Gott sei Dank, aber trotzdem schlimm) gelästert wurde, sie hätte so zugenommen (sie ist btw völlig „normal“). Ihre Schwester entspricht auch deutlich mehr dem „Schönheitsideal“ und wird in Gesprächen immer als deutlich besser in allen Belangen herausgestellt. Normschöne und normschlanke Menschen haben es leichter – das ist so. Ich habe natürlich auch schon erlebt, wie sehr schlanke Frauen diskriminiert werden. Da halte ich auch immer dagegen, weil es genauso Bodyshaming ist und auf einem patriarchalen Bewertungsmechanismus beruht, aber dennoch würde ich sagen, dass „zu schlank“ bei Frauen immer noch näher am Schönheitsideal dran ist, als „zu dick“. Interessanterweise habe auch mal gelesen (ich weiß leider nicht mehr wo), dass Frauen schneller als „dick“ angesehen werden als Männer.

    1. Die Benachteilung findet auch jeden Fall statt, auch ungleich stärker als bei dünnen Menschen. Das habe ich ja in meinem Post genauso erwähnt.
      Ich finde nur, dass Privileg ein so schwerer Begriff ist und das am Körper festzumachen finde ich schwierig. Mit dem „Beauty Privilege“ kann ich mich sicherlich anfreunden, das macht sich nicht so stark vom Gewicht abhängig.

      1. Danke für deinen Antwort. Es ist auf jeden Fall ein Privileg, durch die Straßen gehen oder eine Raum betreten zu können, ohne sich Sorgen machen zu müssen, ob man eventuell wegen seines Äußeren diskriminiert wird. Leider hängt da meiner Meinung nach auch noch sehr viel am Körpergewicht bzw. der Körperform- und Verteilung ab. Es hat sich allerdings in den letzten Jahren von „super schlank“ zu „Wespentaille und großer Po“ verschoben. Die Akzeptanz hat sich also irgendwie verschoben, was leider nur dazu führt, dass nun auch sehr schlanke Frauen stärker diskriminiert werden. Dennoch besteht meiner Meinung nach mehr Akzeptanz für „dünn“ als für „dick“.

          1. Ja, es ist eine medizinische Kategorisierung. Die Body-Aktivist*innen sagen aber mehrgewichtig. Ich glaube, weil das nicht suggeriert, dass daran etwas falsch ist. Da kann man jetzt drüber diskutieren, ob stark mehrgewichtigen Menschen zum Beispiel von Ärzten gesagt werden sollte, dass sie ihr Gewicht reduzieren sollten oder ob es sie einfach nur weiter psychisch belastet so etwas immer und immer wieder zu hören. Ich denke, aufklären, ohne zu werten ist am besten. Also schon in der Schule Ernährung thematisieren, kochen etc. Aber ständig Menschen zu suggerieren, sie seien irgendwie „falsch“ bringt nur noch mehr Leid. Deswegen lieber mehrgewichtig.

  11. Liebe Masha,
    ich mag diesen Beitrag nicht und habe den Eindruck, dazu ein paar Gedanken beitragen zu wollen.
    Du schreibst, dass wenn wir dünn sein als Privileg bezeichnen, wir andere Themen kleiner machen als sie sind.
    Das stimmt nicht. Nur weil es noch mehr Benachteiligung gibt, bedeutet das nicht, dass es sie an diesen Stellen nicht auch gibt.
    Und wie Du schreibst: Es gibt eine Vielzahl an Privilegien. Und fast jede von uns, die hier mitlesen darf, ist auf die eine oder andere Weise privilegiert. Es ist wichtig, das zu wissen. Für mich wirkt eher Dein Statement wie eine Relativierung.

    Ich wünsche mir auch, dass Du Dir Gedanken machst, ob Du Dir einen Körper wirklich erarbeitest. Zum Einen glaube ich, mich zu erinnern, dass Du lange überhaupt keinen Sport gemacht hast, zum anderen ist ein dünner Körper mit langen Beinen einfach für viele Menschen wirklich nicht erreichbar, selbst wenn sie es wollten.
    Du hast da ein Privileg, Schönheitsvorstellungen entsprechen zu können.
    Ohne Zweifel. Aber ist es denn ein Problem zu wissen, wo man überall Privilegien hat?

    1. Hallo Eva,
      danke für deinen ehrlichen und konstruktiven Kommentar. Wie ich schon erwähnt habe, finde ich es selbst schwierig, mich in diesem Thema endgültig zu positionieren, weil ich natürlich nicht dieselben Erfahrungen mache, wie dicke oder sehr dünne Menschen. Auch Intersektionalität habe ich bewusst rausgelassen, weil es einerseits logisch ist, andererseits der Einfachheit halber.

      Magst du mir dennoch genauer schreiben, was genau an meinem Statement wie eine Relativierung wirkt? Ich erwähne ja mehrfach, wie diskriminiert das Übergewicht sein kann, ich finde es aber wie erwähnt schwierig pauschal Dünnsein als Vorteil anzuerkennen.

      Und bezüglich meines eigenen Körpers ist das tatsächlich eine schwierige Frage, weil ich nicht natürlich nicht sagen kann, wie ich heute aussehen würde, wenn ich mich anders ernähren würde und keinen Sport machen würde. Sport habe ich tatsächlich schon immer gemacht, es stimmt also nicht, dass ich lange überhaupt keinen Sport gemacht habe, nur eben nicht so regelmäßig (3-4 Mal in der Woche) und intensiv wie heute. Sowohl meine Mutter, als auch meine Großmutter mütterlicherseits haben (starkes) Übergewicht und auch ich habe eine hormonelle Störung, die es mir erschwert, abzunehmen. Dass ich trotzdem dünn bin, hat deswegen schon viel mit Sport und Ernährung zu tun. Dass ein dünner Körper für viele dennoch nicht erreichbar ist, habe ich in dem Text ebenfalls erwähnt, trotzdem ist er immerhin für viele erreichbar, denn ungesunde Gewohnheiten haben sich vor allem in den letzten Jahren unserer Gesellschaft etabliert und nicht umsonst warnen so viele Ärzte davor. Es gibt viele dicke Menschen, die absolut gesund sind, gesund leben und viel Sport treiben, aber es gibt eben auch viele, die das nicht tun. Oder irre ich mich da? Darauf deuten jedenfalls viele Statistiken an, die ich in diesem Kontext gefunden habe, insbesondere im Vergleich zu früher.

      Und wie ich schon erwähnt habe, ist es wichtig zu wissen, wo man Privilegien hat, damit man dort auch ansetzen kann, diese aus der Welt zu schaffen. Da bin ich ganz bei dir.

      1. Hi Masha, klar gibt es viel mehr Adipositas als früher, was leider viel mit fehlender Bildung und der Nahrungsmittelindustrie zu tun hat. Noch so ein Privileg, wenn man weiß, was einem gut tut und was man lieber meiden sollte … Deswegen finde ich es auch schwierig, sich über diese Menschen zu erheben und zu sagen „die müssen sich mal besser ernähren und mehr bewegen“. In den USA leben viele Menschen, die kaum gesellschaftliche Teilhabe genießen, in sogenannten „Food Desert“ und haben kaum Möglichkeiten, sich besser zu ernähren … Da spricht doch dann das Privileg aus allen, die meinen, diese Menschen müssten ja bloß „XYZ anders machen“ … Möchte dir btw nicht unterstellen, dass du es so gemeint hast.

      2. Liebe Masha, vor ich zum Sport gehe (;)) antworte ich Dir darauf noch. Ich finde es etwas schwierig am Handy zu lesen & zu schreiben weil ich immer den Eindruck habe, ich übersehe was aber ich könnte ja auch an den PC wechseln.
        Ich versuche trotzdem noch genauer zu beschreiben, was mir da aufstößt:
        – Zum einen ist auch die Möglichkeit sich sehr um seinen Körper zu kümmern ein Privileg. Da geht’s um Zeit, Geld, auch Bildung (…).
        – Ja Du schreibst, dass es diese Benachteiligungen gibt. Trotzdem klingt für mich irgendwie durch dass Du die Vorteile in erster Linie als ein Verdienst ansiehst.
        – und wenn Du schreibst, dass diese Diskussionen andere Privilegien kleiner machen (ich glaube das hast Du ziemlich genau so geschrieben) dann stört mich das, weil das so ein totschlag-Argument ist. Weil es schlimmere Dinge gibt, ist etwas anderes weniger schlimm.
        Klar, ich lese sowas immer auch subjektiv und bin geprägt von: „Stell Dich nicht so an, was sollen andere sagen“ aber Deine Argumentation ist für mich so nicht ganz stimmig…

        Vielleicht eins noch: Wie Leben in einer Zeit die von Ambivalenzen geprägt ist. Ich finde es gut, dass die Positionierung für Dich schwer ist. Weil es eben schwer ist. Es geht viel um Diskurs, um Offenheit für Perspektiven und Wahrnehmungen und auch Achtsamkeit welche uneralwarteten Auswirkungen bestimmte Diskussionen an ganz anderen Stellen haben…

        Daher- den Teil mag ich gerne :)

    2. Sehe ich ähnlich. Ich finde Masha großartig und jede Frau struggelt (leider!) manchmal mit ihrem Körper. Aber Masha hat auch mal im Podcast mit Lisa erzählt, sie war immer „gut schlank“. Sie macht viel Sport und ernährt sich gut, aber es gibt auch viele „dickere“ Menschen, die das machen, aber aus welchen Gründen auch immer, völlig anders aussehen und auch viel schneller zunehmen. Sportlichen „nicht so schlanken“ Menschen wird ihre Sportlichkeit sogar oft noch abgesprochen. So nach dem Motto „Duuuu machst so viel Sport?“ …