Persönliche Gedanken zu Corona Teil 2

Anzeige

„Ich glaube nicht an Corona“

Ich ziehe die Augenbrauen hoch, schaue erschrocken und klimpere kurz einige schnelle Male hintereinander mit den Wimpern.
„Wie meinst du das?“
„Die Wirtschaft muss sich neu regulieren. Das Virus wurde künstlich erzeugt, um das System zu destabilisieren“

Einatmen, Ausatmen.
„Glaubst du das wirklich?“

Es ist nicht das erste Gespräch dieser Art, das ich in den letzten Wochen geführt habe. Ich habe mich früher immer gefragt, welche Menschen diese ganzen Verschwörungsvideos tatsächlich schauen und den Quatsch auch noch glauben. Ich dachte an schlechte Bildung, an das falsche Umfeld und überhaupt schien mir das Thema unendlich weit weg und deutlich außerhalb meiner Bubble. Doch in der Krise offenbart so einiges, so auch eine Einstellung, die ich bis dahin verwirrten Rechten zugeschrieben habe. Zumindest habe ich sie mir so vorgestellt. Stattdessen diskutiere ich hier mit Freunden und Bekannten aus meinem Umfeld und ihrer Meinung zu Corona.

Wie kann man zu Corona eine Meinung haben?
Zu Corona gibt es Fakten.

Ich setze meine Maske auf.
Sie nervt mich.
Sie ist unangenehm und jedes Mal, wenn ich mein Handy entsperren will, bekomme ich die Krise. Ich mag sie nicht. Vermutlich werde ich sie sogar dann nicht mögen, wenn sie zum Fashionpiece wird. Trotzdem – ich setze sie auf, und lasse sie so lange an, bis ich wieder Zuhause bin. So ungewohnt es noch ist, früher oder später wird es zur Routine werden, muss es zur Routine werden.

Auf meinem Weg laufe ich durch den Park. Er ist voller Menschen. Das ist er schon seit Wochen, doch seit einigen Tagen halten sich die Menschen weder an Abstände, noch an die Zweier-Gruppen-Beschränkung. Der Park ist voller Menschen und ich kann es Niemandem verübeln. Auch mir fällt Zuhause die Decke auf den Kopf. Auch ich vermisse meine Freunde und gemeinsame Abende. Aber jetzt fahrlässig zu handeln, kann gefährlich werden. Vielleicht nicht unbedingt für mich, aber sicherlich doch für Andere. Denn ja, auch wenn wir glücklicherweise nicht so stark betroffen sind, dann sind es die Länder um uns herum, die aktuell massiv leiden. Was würden die Italiener und Spanier zu dem fahrlässigen Verhalten sagen und all die Menschen, die wegen Corona einen geliebten Menschen verloren haben?

Ich weiss, wie schwer es ist, sich an die Sicherheitsmaßnahmen zu halten, aber ist denn wirklich SO schwer?

Ihr merkt es vielleicht, die Stimmung ist schlecht und ich bin genervt. Genervt von allen, die ihre eigene Freiheit über die Gesundheit Anderer stellen. Genervt von allen, die mitten in Berlin gegen Corona demonstrieren gehen und ja, eigentlich auch von den riesigen Grüppchen, die sich zum Saufen im Rudel im Park treffen. Das alles nervt mich.

Ich glaube, es gibt zur Zeit kaum jemanden, der nicht von der Situation betroffen ist und den sie nicht belastet.

Niemand freut sich über diese Situation, aber nur weil man nicht an etwas glaubt, heisst es nicht, dass es dadurch verschwindet. Alles wäre gar nicht so schlimm, die Maßnahmen wäre überzogen – ist Wunschdenken. Verschwörungstheoretikern Aufmerksamkeit zu schenken, führt in eine gefährliche Abwärtsspirale aus Fehlinformation und Propaganda.

Ich weiss nicht genau, woher die Sehnsucht nach einer verborgenen Schattenseite kommt, der Wunsch nach Überlegenheit und einer kleinen Gruppe zuzugehören, die jene Machenschaften hinter Corona versteht? Oder will man es einfach nicht wahrhaben und lässt sich deswegen von seinen Gefühlen leiten und ist bereit der unsinnigsten Theorie zu glauben, nur weil der Gegenentwurf nicht wahr sein soll?

Wir sollten unsere Werte, unsere Politik immer wieder auf den Prüfstand stellen und hinterfragen, aber warum kann man nicht einfach akzeptieren, dass es ein gefährlicher, mutierter Virus ist und wir uns einfach in dem Ausnahmezustand einer globalen Pandemie befinden?

Warum denkt man das alles wäre geplant?
Wie soll man sowas überhaupt planen?
Wer würde davon profitieren?

Corona basiert auf Fakten, nicht auf Gefühlen oder Promi-Meinungen, also bitte, zieht eure Masken an und haltet euch an die Regelungen, dann ist der Spuk hoffentlich bald vorbei und wir können endlich das tun, das wir uns schon so lange wünschen: zur Normalität zurückkehren.

Hier findet ihr übrigens noch mehr Gedanken

April 26, 2020
Category - sonntagspost
Taged under - ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

3 Kommentare

  1. Liebe Masha.

    Verschwörungstheorien kommen immer bei solchen Ereignissen vor. Es handelt sich um verunsicherten Bevölkerung.Der Besserwisser ist in allen Lebenslagen Experte – denkt er. Hinterfragt man aber seine Aussagen, geht ihm die Luft aus – etwa wenn er Beispiele für seine diffusen Theorien nennen soll.
    Vorbei ist der Spuk sicherlich nicht. Die zweite und dritte Corona-Welle könnten schlimmer als die erste werden.
    Viele feiern die Lockerungen schon als Ende der Pandemie – doch das wird noch lange auf sich warten lassen, prognostizieren Forscher. Zwei lange Jahre mit Höhen und Tiefen.
    Die erste Frage betreffe den Ursprung des Virus, über den das Regime immer noch schweige. Also, dass es bei 1,4 Milliarden Chinesen auf einmal, wie über Nacht, null Fälle gibt, das glaubt keiner. Die Forscher wären weiter, wenn China den Wirt oder Zwischenwirt nennen würde. Was sie bis heute verschweigen und deshalb es mit einem Impfstoff nicht voranzukommen ist.
    Und obwohl China dafür bekannt ist „Menschenwürde zu Missachten“ wird noch mit denen Verhandelt. China entnehmt unter Narkose an lebenden deren Organe. Mehr als 90 000 Menschen. Angehörigen wissen nichts was mit ihnen passiert ist, so eine Zeitzeugin und Ärztin die China deswegen verlassen hat. Und sie hat viel über China zu erzählen. Erschreckend!

    Liebe Grüße

    Laura T,

  2. Liebe Masha,

    danke für diesen Beitrag. Ich habe auch das Gefühl, es ist bei uns wohl nicht schlimm genug und daher sind die Menschen lockerer. Dabei ist es so wichtig, jetzt vorsichtig zu sein, Abstand zu halten und nicht sich selbst oder andere zu gefährden.
    Alles Liebe, Steffi

  3. Ich bin seit Montag wieder in der Schule, da in zwei Wochen meine Abschlussprüfungen stattfinden.
    Wir versuchen, das beste aus der Situation zu machen, die Lehrer möchten uns auf keinen Fall einen Nachteil in Sachen Prüfungen schaffen, sofern das Ministerium es zulässt. Wir versuchen auch, uns an die Sicherheitsvorkehrungen zu halten (so gut es geht).
    Ich habe beobachtet, dass es am schwierigsten ist, den Abstand zu halten und zu viele das Ganze nicht ernst nehmen können. Leute nehmen im Zug ihre Maske ab, weil sie sie zu sehr stört (ja, hallo, herzlich Willkommen in der jetzigen Lage), drängeln an Türen und Rolltreppen am Bahnhof oder umarmen zur Begrüßung ganz normal. In öffentlichen Verkehrsmitteln sowie eben in der Schule, wo einem jetzt bewusst wird, wie viel Kontakt man dort täglich wirklich mit seinen Mitschülern hat.
    Es ist alles so, so surreal und ungewohnt, das sollten wir mittlerweile alle mitbekommen haben.
    Ich wünsche mir wirklich von ganzem Herzen, dass wir es schaffen, durchzuhalten und nicht, wie du schon gesagt hast, unsere Freiheiten über die Gesundheit unserer Mitmenschen zu stellen. Denn nur so können wir den nächsten Wunsch erfüllen: Zurück zur Normalität.
    Bleib gesund und ganz liebe Grüße